BÜCHERBÖRSE

Wenn du mich spottest, bang ich vielleicht mit dir…

ONS (One-Night-Stands) sind ganz offensichtlich gesellschaftstauglich geworden. Sie haben sich so weit etabliert, dass man mittlerweile einfach nur noch seine Freundesliste auf Facebook durchscrollen muss und dann, wie in einer Speisekarte, denjenigen anklicken kann, mit dem man gerne mal „bangen“ würde. Aber was ist aus den guten alten ONS geworden? Wird es uns jetzt tatsächlich einfacher gemacht? Ganz bequem und direkt von zu Hause aus den ONS bestellen. Aber gehört zu dieser ganzen ONS Geschichte nicht das vorherige flirten und sich mit Blicken fast ausziehen, sich beinahe auffressen als Vorspiel dazu? Und ist es überhaupt noch ein ONS, wenn die Person ein „Freund“ in meiner Facebookliste ist?

Ein ONS ist, wie der Name so schön sagt: Eine nur-eine-Nacht-Geschichte. Wird es nicht wesentlich komplizierter, wenn ich jetzt anfange meine Freundesliste „durchzubangen“? Schlimm genug, dass man auf der Uni Acht geben muss, nicht gespotted zu werden. Jetzt muss ich mir bei jeder Freundschaftsanfrage auch noch Gedanken machen, ob ich diese Person eventuell gerne mal ficken würde. Leute, ernsthaft? Wo ist denn nur die Leidenschaft dabei?

Ich persönlich habe mich von den Zeiten der ONS zwar schon verabschiedet, aber sollte mich jemals wieder diese glühende, heiße Leidenschaft überkommen und ich will sie genau mit dem Typen an der Bar nur für diese eine Nacht stillen, dann tu ich das auch. Genauso, wie ich meinen Partner nicht auf einer Spotted-Seite treffen will. Denn meinen Enkelkindern möchte ich nicht eines Tages erzählen: „Euer Opi hat mich gespotted, dann wurden wir Facebookfreunde, haben uns bei „bang with friends“ gegenseitig angeklickt und aus einem ONS entstand dann eure Mami.“ Eva Illouz schreibt sehr richtig: "Liebe erscheint heute so schwer, weil sie gegen wenig kämpfen muss." Liebe und auch Leidenschaft sind geprägt von Emotionen, Erfahrungen und Erregung. Diese erfahren wir aber nur im direkten Kontakt miteinander. Statt auf Facebook zu schreiben: „Hey du süßer, blonder Engel, ich sitz’ grad in der Bib hinter dir und es wäre schön, wenn du dich mal umdrehen könntest!“ wäre meine Idee: Hingehen, ansprechen, es knistern lassen oder auch nicht und spätestens beim gemeinsamen Kaffee (oder Tee oder Bier…) weiß man eh, ob man heute noch „bangen“ wird oder nicht!   

Ein Hoch auf die Leidenschaft, Eure SixtyNine

Lisa-Maria Biber

Lisa Maria Biber | Redakteurin

lisa-maria.biber (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

Blog: newsgrape.org/sixtyninetimes

 

 

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