BÜCHERBÖRSE

Southside 2015 - Das war der Sonntag

Diese Schweden hatten offensichtlich viel Spaß: Backyard Babies. © Matthias Rhomberg
Diese Schweden hatten offensichtlich viel Spaß: Backyard Babies.

Sonntag ist immer der undankbarste Tag auf einem Festival. Eigentlich wollen die meisten schon nach Hause, haben die Schnauze voll oder sind von drei Tagen Feiern am Stück einfach am Ende. Man merkt das ja, wenn überall vollbepackte Leute zum Auto gehen und die Stimmung insgesamt etwas gedrückt ist.

Nichtsdestotrotz waren wir schon zur ersten Band auf dem Festivalgelände. Während bei John Coffey schon eine ganze Menge los war – wohl wegen dem Boss-Move am Pinkpop-Festival – durften METZ auf der Green Stage vor gerade mal 100 Leuten spielen. Sie ballerten ihre harten Knaller trotzdem raus, als ob es 30.000 gewesen wären. Danach war ich zum ersten Mal in der White Stage zu Gast und erstmal irritiert. Mir war nicht aufgefallen, dass sich das Zelt im Vergleich zu letztem Jahr wohl um 90° gedreht hatte. Nun denn. Adam Angst machten hier ordentlich Stimmung, auch wenn insgesamt nicht viele Leute anwesend waren. Nach ein paar Liedern, unter anderem "Ja ja, ich weiß", gingen wir dann wieder zur Green Stage, denn hier lag der eigentliche Grund unserer Anwesenheit auf dem Gelände – die irische Band Kodaline. Scheinbar waren die 4 Jungs bis auf Bassist Jason noch nicht allzu fit, kamen sie doch trotz Bewölkung mit Sonnenbrille auf die Bühne. Auch die Ansagen verstärkten diesen Eindruck, da in 30 Minuten drei Mal zu hören war: "We're a band called Kodaline!", viel mehr nicht. Wer so früh vor der Bühne steht, weiß das doch eigentlich. Es war sogar recht voll, was um diese Uhrzeit erstaunlich war. Die Leute hatten ihren Spaß und sangen fleißig mit, was die Band beflügelte und das aus musikalischer Sicht solide Konzert zu einem Erlebnis machte. Die meisten ihrer Songs waren allen wohlbekannt, von "High Hopes" über "Big Bad World" bis "All I Want" war praktisch alles dabei, was die Herzen der in drückender Überlegenheit anwesenden Weiblichkeit höher schlagen ließ.

Auf dem Rückweg durften wir dann noch SDP miterleben. Hörte sich ganz in Ordnung an, aber insgesamt kann ich mit ihnen nicht viel anfangen. Das "Lied für die Fans von den anderen Bands", das just in diesem Moment gespielt wurde, kam da bei mir noch am besten an.

Es ging nun auf den Campingplatz zum Beck's-CampFM-Truck, der neben dem Partyzelt stand. Hier gab es Freibier für die Meute und ein Geheimkonzert von Montreal zu bewundern. Die kleine Menschentraube hatte viel Spaß am punkigen Rock der drei Mannen, die währenddessen fleißig CDs verkauften und im Anschluss an die geheime Session noch Autogramme gaben. Leider verpassten wir nach Rückkehr auf's Gelände Danko Jones, die ich wirklich gerne einmal gesehen hätte. Immerhin habe ich jetzt schon diverse Gelegenheiten verstreichen lassen, es wäre also an der Zeit. SomeKindaWonderful in der White Stage war nicht unseres, deswegen waren wir schnurstracks wieder raus und es ging schnell zur Red Stage, wo wir uns den Rest von Darkest Hour anhörten. Wenn es eine Liste der härtesten Bands, die je auf dem Southside gespielt haben, gäbe, wären die auf jeden Fall in den Top 10. Die Mannen um John Blakemore Henry knallten ihren Metalcore-Melodic-Death-Metal-Mix mit voller Wucht raus. Leider, wie auf dem Southside so oft bei solchen Bands, vor fast leerer Zeltbühne.

Danach holten wir uns etwas zu Essen und durften die 257ers miterleben. Jahrmarktgeschrei wäre angenehmer gewesen. Ich habe sie schon einmal vor zwei Jahren gesehen und für nicht livetauglich befunden. Abgesehen davon mag ich ihre Musik auch nicht wirklich. Wir begaben uns noch kurz zu The Tallest Man On Earth, was wirklich angenehm die Ohren beruhigt hätte – wenn die 257ers mit ihrem Bass nicht noch Deadmau5 getoppt und allen Zuschauern anderer Bands das Erlebnis verdorben hätten. Wir gingen also zum Zelt, um die Sachen ins Auto zu bringen.

Danach kamen wir etwa zum Schluss von Lagwagon zurück auf's Gelände. Die gingen aber gerade von der Stage ab, daher entschieden wir uns, ein bisschen in den ersten Wellenbrecher der Green zu schauen, wo die Vorbereitungen zu Die Antwoord stattfanden. Die Südafrikaner und ihr DJ HiTek ließen sich nicht zwei Mal bitten und feuerten erst einmal einige Basssalven auf das Publikum ab. Selbst das Blickfeld vibrierte. Wahrlich beeindruckend. Auch ansonsten war sehr viel los und das Publikum feierte, was das Zeug hielt. Ein Abriss der Sonderklasse, allerdings nicht vergleichbar mit dem in der Red Stage 2012. Lustigerweise standen neben uns sogar die Jungs von METZ und Danko Jones. Es war zu einem gewissen Teil auch befremdlich, aber trotzdem hatten alle ihren Spaß, sogar die standesgemäßen Rocker nebenan.

Allerdings schauten wir uns das Spektakel nicht bis zum Ende an, denn die Backyard Babies waren auf der Red Stage an der Reihe. Zum ersten Mal seit 2006 gab es die schwedischen Rocker wieder auf dem Southside zu bewundern, sie schafften es immerhin, das Zelt zur Hälfte zu füllen. Zwischen alten und neueren Songs wie "Nomadic" oder "Minus Celsius" gab es auch einen vom bald erscheinenden Album zu hören, nämlich "Th1rt3en or Nothing". Man darf gespannt sein, was da kommt. Es war zumindest solide Kost, die hier abgeliefert wurde. In Erinnerung geblieben ist mir vorallem der Gitarrist, der einen wirklich bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Schwer zu erklären warum, aber er war wirklich so sehr im Geschehen drin ... ich weiß nicht, wie ich es sagen soll.

Die danach als Special Guest spielenden K.I.Z. noch aus dem Augenwinkel mitbekommen beim Zeltabbau, war für uns das Festival jetzt auch schon beendet. Fast, denn auf der Heimfahrt hielt ich nochmal an einem Aussichtspunkt, dem Knopfmacherfelsen, über dem Donautal an, an welchem wir zufällig vorbeikamen und wo wir früher als Kinder ab und an waren. Die 50 Meter bis zum Abgrund waren noch nicht hinter uns, da wunderte ich mich über die laute Musik, die aus dem angrenzenden Gasthaus kam. Klingt wir Farin Urlaub, dachte ich mir. Erst dann kam mir, dass dieser gerade noch auf dem Festival zugange ist. Direkt gegenüber, auf der anderen Seite des Tals, lag das Southside. Eigentlich war alles ruhig um uns herum, das Festival hinter den Bäumen versteckt und aufgrund der späten Uhrzeit war auch niemand außer uns mehr dort oben, aber es freute mich, doch noch etwas mitzubekommen. Der Abreisegrund war mitnichten Desinteresse an den noch spielenden Bands, eine unserer Mitreisenden wurde jedoch leider krank.

Daheim angekommen, konnte ich immerhin noch das Ende von Marteria im Fernsehen bewundern. Irgendwie komisch, ich war ja bis eben noch selbst dort gewesen. Immerhin muss ich nun eingestehen, dass er als Headliner wirklich gut funktioniert hat. Wenigstens bei dieser Entscheidung, was die Bands betrifft, kann ich nun getrost sagen: Alles richtig gemacht, FKP. Hoffentlich bis zum nächsten Jahr. Da ist dann Jubiläum beim Schwesterfestival Hurricane, es darf gehofft werden, dass anlässlich dessen ordentlich aufgetischt wird.

Info: Die Wildcard-Tickets für 2016 sind schon wieder ausverkauft. Also lieber beeilen und ein Frühbucherticket sichern, sonst wird es wieder teurer. Verkaufen kann man es immer noch, falls man doch nicht hin kann.

Jan Wälder


studiert eigentlich Publizistik- und Kommunikationswissenschaften, belegt aber gerne auch den ein oder anderen Skandinavistik-Kurs.

 

Log in or create an account

fb iconLog in with Facebook