BÜCHERBÖRSE

Studie: Finanzielle Lage der Studierenden

Die finanziellen Schwierigkeiten der Studierenden sind groß (c) Stuart Pilbrow/flickr.com
Die finanziellen Schwierigkeiten der Studierenden sind groß

Im Rahmen einer Lehrveranstaltung am Institut für Soziologie der Uni Wien entstand eine Studie zur finanziellen Absicherung von Studierenden in Österreich, deren Ergebnisse nun vorliegen. Die Erhebung wurde online im Jänner 2013 durchgeführt. Ausgewertet wurden Fragebögen von 4.988 Studierenden im Bachelor-, Master- und Diplomstudium an allen öffentlichen Österreichischen Universitäten.

Ziel der Datenerhebung war u.a. die Beantwortung der Fragen bezüglich Auswirkungen der StEOP auf die Studierenden, zu Verlust der Familienbeihilfe und die allgemeine finanzielle Situation, finanzielle Schwierigkeiten und Verschuldung der Studierenden.

Auswirkungen der Studieneingangs- und Orientierungsphase (StEOP)

Bei Betrachtung der Ergebnisse zeigen sich zum Teil starke Unterschiede zwischen den einzelnen Universitäten sowie zwischen den Fächern, in denen die StEOP von den Studierenden absolviert werden muss. So fällt bei den Technischen Universitäten (inklusive der Universität Leoben und der Universität für Bodenkultur) auf, dass die StEOP zwar zu 68,8 Prozent bereits im ersten Semester und damit überdurchschnittlich rasch abgeschlossen wird. Die Anzahl der Abschlüsse im zweiten Semester liegt mit 7,1 Prozent allerdings unter dem Durchschnitt und mit 19,2 Prozent geben weniger Studierende als im Schnitt an die StEOP in Zukunft noch abschließen zu wollen. Nach Fächergruppen dürfte die StEOP in den Rechts- und Wirtschaftsstudien die größte Hürde für die Studierenden darstellen. Diese wird in den Rechtswissenschaften nur von 59,8 Prozent im ersten Semester bestanden, im zweiten Semester sind es noch 18,9 Prozent die abschließen. Bei den Wirtschaftsstudien schließen gar nur noch 56,9 Prozent der Studierenden im ersten Semester ab und 11,8 Prozent benötigen ein zweites Semester. Auch hier ist zu ergänzen, dass sich die Zahlen nur auf jene Studierenden beziehen, die nach der negativen Absolvierung der StEOP im ersten Semester die Studienrichtung nicht gewechselt haben oder ausgeschieden sind.



Die Erwerbstätigkeit der Studierenden wirkt hemmend auf den Studienfortschritt. Je höher das Ausmaß der Erwerbstätigkeit, desto geringer die Wahrscheinlichkeit die StEOP in der vorgesehenen Zeit abzuschließen. Nur 50 Prozent der Studierenden die berufsbegleitend studieren können die StEOP im ersten Semester vollständig bewältigen. Dennoch ist die Motivation in dieser Gruppe sehr hoch. 31,3 Prozent geben zum Zeitpunkt der Befragung an die StEOP noch abschließen zu wollen. Als stärkster Indikator für ein Scheitern bei der Studieneingangs- und Orientierungsphase erweist sich jedoch die mangelnde finanzielle Absicherung. Diejenigen die angeben unter starken finanziellen Schwierigkeiten zu leiden, bestehen nur zu 42,9 Prozent im ersten Semester. Diese Gruppe weist zum Zeitpunkt der Erhebung mit 12,1 Prozent auch die mit Abstand höchste Abbruchintention auf.

Familienbeihilfe, Verlust der Familienbeihilfe & Kompensation des Beihilfenverlusts

Die Familienbeihilfe ist eine Familientransferleistung, die in der Regel nicht direkt an die Studierenden, sondern an deren Eltern ausbezahlt wird. Zum Zeitpunkt der Befragung bezogen insgesamt 43,4 Prozent der befragten österreichischen Studierenden die Familienbeihilfe. Direkt bezogen wurde sie allerdings nur von 5,3 Prozent, für die weiteren 38,1 Prozent wurde die Beihilfe an die Eltern der Studierenden ausbezahlt. 29,5 Prozent gaben an die Familienbeihilfe unter anderem wegen ihrem Alter nicht mehr beziehen zu können, bei 8,8 Prozent der Studierenden ist der Beihilfenanspruch wegen anderer Gründe ausgelaufen. Immerhin 14,4 Prozent der BildungsinländerInnen haben diese während ihres Studiums nie bezogen und 3,9 Prozent gaben an nicht zu wissen, ob ihre Eltern zum Zeitpunkt der Befragung die Familienbeihilfe für sie beziehen oder nicht.



Nicht alle Eltern reichen jedoch die Familienbeihilfe an ihre studierenden Kinder weiter. So tun das zum Zeitpunkt der Befragung 20,4 Prozent gar nicht und weiter 19,5 Prozent nur zum Teil. 60,1 Prozent erhalten die Beihilfe vollständig. Auffallend ist, dass Studierende aus niederen Schichten eher von einem Verlust der Familienbeihilfe wegen Überschreitung der Altersgrenze betroffen sind, als Studierende aus einer gehobenen oder hohen Schicht. Konkret zeigt sich eine Differenz von 6,3 Prozentpunkten.

Am stärksten wirkt sich der Verlust der Familienbeihilfe auf die Studiendauer aus, die von den Studierenden benötigt wird, um ihr Studium abzuschließen. Mit ein bis zwei Semestern Verzögerung rechnen 22,8 Prozent der Studierenden und weitere 20,7 Prozent rechnen sogar mit einer um drei oder mehr Semester verlängerten Studiendauer. Der Verzicht auf einen Auslandsaufenthalt wird mit 23,7 Prozent als zweithäufigste Auswirkung genannt, gefolgt von 13,7 Prozent die versuchen wollen schneller zu studieren. 9,7 Prozent der Studierenden werden auf Grund der Familienbeihilfenkürzung kein weiterführendes Studium beginnen. 42,7 Prozent der Studierenden kompensieren den Wegfall der Familienbeihilfe durch Einschränkung ihrer Ausgaben und die Ausweitung der Erwerbstätigkeit. Über ein Drittel derjenigen die bereits arbeiten weiten die Erwerbstätigkeit aus, weitere 18 Prozent beginnen zu arbeiten. Nur bei 19,2 Prozent wird der Wegfall der Familienbeihilfe durch die Studienbeihilfe kompensiert. Bei 14,4 Prozent wird der Verlust von den Eltern zur Gänze ersetzt. Weitere 16,9 Prozent bekommen die Familienbeihilfe teilweise von ihren Eltern ersetzt, während ganze 14,8 Prozent der Studierenden mit Anspruch auf Familienbeihilfe diese von ihren Eltern von vornherein niemals erhalten haben.

Auf die Frage wie stark sie derzeit von finanziellen Schwierigkeiten betroffen sind, antworten 36,7 Prozent mit stark bis sehr stark und nur 25 Prozent mit gar nicht. Es fällt auf, dass die finanziellen Schwierigkeiten mit dem Alter zunehmen und besonders Studierende zwischen 24 und 34 Jahren betroffen sind. Auch bei der Auswertung nach Geschlecht zeigen sich Unterschiede: Frauen sind deutlich häufiger mit finanziellen Schwierigkeiten konfrontiert als Männer.

Verschuldung

20,8 Prozent der Studierenden gaben an, regelmäßig ihr Konto zu überziehen. Weitere 8,5 Prozent müssen dies teilweise tun und nur 70,7 Prozent geben an dies nicht oder gar nicht tun zu müssen. Diejenigen die sich verschuldet haben, haben dies zu 53,1 Prozent getan, um unter anderem studienrelevante Ausgaben tätigen zu können, um Auslandsaufenthalte zu finanzieren oder um unerwartete Ausgaben tätigen zu können.

Lukas Fischnaller

Mag. Lukas Fischnaller | Chefredakteur
Twitter: @lukfis1

Kontakt: lukas.fischnaller(ät)unimag.at

Webseite: www.unimag.at
 

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