BÜCHERBÖRSE

Ehemaliger TU-Rektor: Überfüllte Studien einfach schließen

Skalicky's Rundumschlag (c) Rat für Forschung und Technologieentwicklung
Skalicky's Rundumschlag

Der stellvertretende Vorsitzende des Rats für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) und ehemalige Rektor der Technischen Uni (TU) Wien, Peter Skalicky, rät den Rektoren im Kampf um mehr Mittel bzw. gegen schlechte Betreuungsverhältnisse zu einer Art Streik. "Das Problem muss gelöst werden, oder die Rektoren müssen streiken. Sie könnten die überfüllten Studien für Neueinsteiger einfach schließen", so Skalicky im Gespräch mit dem "Standard" (06.09.) "Wenn tausende Leute an der TU Wien ein Studium in Architektur beginnen wollen und an der Universität für angewandte Kunst gibt es ein Meisterklassenprinzip, dann kann das nicht gut ausgehen", so Skalicky. "Das bedeutet nicht, dass diejenigen, die jetzt studieren, ihr Studium nicht fertig machen können. Das ist nicht ungesetzlich."

Hochschulpolitik "nicht existent"

Die Hochschulpolitik in Österreich sieht Skalicky als "nicht existent" an. Das zeige sich am Hin und Her in der Studiengebührenfrage: Entweder es gebe Studiengebühren oder nicht - wenn nicht, müsse man dafür sorgen, dass die Unis ordentlich ausgestattet seien. Der erklärte Befürworter von Studiengebühren meinte etwa in einem Interview mit dem "Industriemagazin" (2010): "Ja, ich bin für hohe Studiengebühren von mindestens 10.000 Euro pro Jahr, ergänzt um ein umfassendes Stipendiensystem. Als "gescheitert" bezeichnete der Ex-Rektor die als Beratungsorgan des Ministers eingerichtete Hochschulkonferenz. Dies habe sich nicht zuletzt in der Diskussion um ein Promotionsrecht für die Donau-Uni Krems gezeigt: "Die Hochschulkonferenz ist dazu eingerichtet worden, um solche Dinge zu beeinflussen. Sie hat das nicht einmal auf der Tagesordnung, eine offizielle Stellungnahme ist erst in Arbeit. Wenn man diese Einrichtung hat und dann dort nur Beschäftigungstherapie betreibt, ist das gescheitert."

In einer der APA übermittelten Stellungnahme verwies Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle etwa auf die Hochschulmilliarde und die Budgetsteigerungen in der aktuellen Leistungsvereinbarungsperiode. Außerdem habe man begonnen, mit einem Testlauf zur Studienplatzfinanzierung den Unis in stark nachgefragten Studienfeldern die Möglichkeit zu Kapazitätsgrenzen und Aufnahmeverfahren zu geben. Die TU Wien habe sich in der Architektur allerdings gegen ein solches Verfahren entschieden.

Die Generalsekretärin der Österreichischen Universitätenkonferenz (uniko), Elisabeth Fiorioli, hält in einer Aussendung fest: "Peter Skalicky hat sich in seiner Zeit als Vorsitzender der damaligen Rektorenkonferenz Ende der neunziger Jahre große Verdienste um die Universitäten erworben und blickt auf reiche Erfahrung zurück. Der Universitätenkonferenz gehört er allerdings seit zwei Jahren nicht mehr an. Er spricht daher nicht für die uniko, und bei seinen Aussagen und Ratschlägen handelt es sich um seine private Meinung." (Quellen: APA, Redaktion)

Lukas Fischnaller

Mag. Lukas Fischnaller | Chefredakteur
Twitter: @lukfis1

Kontakt: lukas.fischnaller(ät)unimag.at

Webseite: www.unimag.at
 

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