BÜCHERBÖRSE

„Der Staat hat die Aufgabe, Bildung zu finanzieren“

„Der Staat hat die Aufgabe, Bildung zu finanzieren“ (c) Lukas Fischnaller

Wir sprachen mit Bernhard Lahner (FEST), Mitglied im ÖH-Vorsitzteam, über Bildungspolitik, „PädagogInnen-Bildung Neu“ und die Zusammenlegung der Ministerien.

Was sind deine Anliegen, welche du gerne umsetzen würdest?
Vorrangig die Schaffung eines einheitlichen und barrierefreien Hochschulsektors, da es im Moment formal drei unterschiedliche Hochschultypen gibt, die allesamt unterschiedlichen Gesetzen unterliegen. Zudem müssen Verbesserungen im Beihilfensystem erfolgen, da dieses nicht mehr zeitgemäß ist. Grundsätzlich gilt es aber, gleiche Rechte für alle Studierenden zu schaffen.

Auch im Hinblick auf die Studiengebühren?
Absolut. Der Staat hat die Aufgabe, Bildung zu finanzieren. Bildung ist ein Recht jedes Einzelnen, und es muss in einer Form passieren, die jeden zugänglich ist.

Stichwort Zugänglichkeit: Wie kann es sein, dass man mit einem BA of Education von der PH nicht in ein Masterstudium auf der Uni einsteigen kann, ohne von vorne beginnen zu müssen?
Genau das ist das Problem, die unterschiedliche Gesetze mit sich bringen. So ist beispielsweise der BA of Education nicht im Universitätsgesetz geregelt bzw. scheint darin nicht auf. Die Möglichkeit, einen MA an der Uni zu beginnen, ist mit Auflagen von bis zu 30 ECTS möglich. Deshalb gibt es jetzt „PädagogInnen-Bildung Neu“. Positiv anzumerken ist, dass die Sekundarstufen ein einheitliches Studium haben, es gibt keine Hierarchie zwischen Hauptschule bzw. neuer Mittelschule und AHS-Pädagogen. Problem ist, dass die Studienstruktur nicht europäischen Standards entspricht. Dazu kommt, dass die Ministerien, die für die Pädagogenbildung zuständig sind, ein Gremium benötigten, das zertifiziert, dass eine Hochschule Pädagogen ausbilden kann, der s.g. Qualitätssicherungsrat, eine Parallelstruktur zur AQ Austria, die die Qualität an Hochschulen sichern soll.

Ist dies also mit ein Grund, dass ihr für die Zusammenlegung der Ministerien für Bildung, Wissenschaft und Forschung eintretet?
Auch, aber die Forderung ist nicht neu. Wir sind der Auffassung, dass Bildung ganzheitlich gesehen werden muss und das beginnt schon vor dem Eintritt in die Hochschule.

Hochschulpolitik ist „keine experimentelle Spielwiese“

Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) präsentierte Forderungen an die neue Bundesregierung, die Probleme und Reformschritte im Hochschulsektor aufgreift. Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen werden nach wie vor abgelehnt.

Erhöhung der Qualität der Lehre
Studierende sind oft mit sehr eintönigen didaktischen Vorgehensweisen der Lehrenden konfrontiert, die von gegebenen Rahmenbedingungen abhängen. Für Lehrende müssen mehr didaktische Fortbildungen forciert werden. Die Diversität der Hochschulen führt zu Problemen und ist vor allem für die Lehrenden und Studierenden eine Hürde. Eine Zusammenlegung der Ministerien für Bildung, Wissenschaft und Forschung würde Ausgleich schaffen. Zudem soll vor einem regulären Studium ein Semester zur echten Studienorientierung und Einführung in das Studienwesen eingeführt werden. Diese besteht aus verpflichtenden und frei zu wählenden Lehrveranstaltungen aus diversen Studienrichtungen.

Schaffung eines inklusiven Hochschulraums
Vier Leitprinzipien zur Inklusion von Studierenden mit Behinderung oder Beeinträchtigung wurden ausgearbeitet: Information, Professionalisierung, Standardisierung und Partizipation. Die  psychologische Studierendenberatung soll an allen Hochschulen etabliert werden.

Demokratisierung der Hochschulen
Durch das Universitätsgesetz 2002 wurden die Senate deutlich geschwächt und damit die Mitbestimmungsmöglichkeiten stark verringert. Die ÖH fordert mehr Studierende in Senaten und Unterkommissionen, Drittelparität in Curricular- /Studienkommissionen und eine Überarbeitung des FH-Studiengesetzes und Hochschulgesetzes.

Soziale Absicherung der Studierenden
Die ÖH tritt für eine Anhebung der Studienbeihilfe und deren Anpassung an die Bedürfnisse verschiedener Gruppen ein, zudem sollen Toleranzsemester ausgeweitet werden. Gezielter Ausbau von leistbaren Studierendenwohnheimen und Obergrenzen bei Benützungsentgelten in den Wohnheimen stehen ebenfalls auf der Agenda.

Lukas Fischnaller

Mag. Lukas Fischnaller | Chefredakteur
Twitter: @lukfis1

Kontakt: lukas.fischnaller(ät)unimag.at

Webseite: www.unimag.at
 

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