BÜCHERBÖRSE

Mama, Papa, die Uni und Ich

Reger Andrang beim Elterntag in der Uni Osnabrück (c) Uni Osnabrück
Reger Andrang beim Elterntag in der Uni Osnabrück

Nicht ohne Mama und Papa! Für viele Studierende ist der Weg in die Universität immer weniger ein Schritt ins eigene Leben. Ob Studienort oder Wohnheim, Eltern reden heutzutage wie selbstverständlich mit. Und wie reagieren die Hochschulen? Sie veranstalten Elterntage.

In vielen deutschen Städten gibt es sogenannte „Elterntage“. Diese bieten Eltern die Gelegenheit, an Vorlesungen teilzunehmen, das kulinarische Angebot der Mensa zu testen, mit Professoren und anderen Studierenden ins Gespräch zu kommen und sich über die Lebens- und Studienbedingungen am Universitätsstandort zu informieren.

„Eltern-Campus-Tour“ und „Elternkongress“

So zum Beispiel an der Universität Osnabrück, hier fand dieses Jahr der fünfte Elterntag statt an dem rund 12.000 Eltern teilnahmen. Die Uni Dortmund veranstaltete einen Workshop mit dem Titel „Eltern als Co-Studienberater“ sowie einen „Elternkongress“. An der TU Dresden gibt es sogar sechs Mal im Jahr eine „Eltern-Campus-Tour“. Alle Studiengänge stellen sich hier an Infoständen vor und sollen so Maturanten die Studienwahl erleichtern. Seit einigen Jahren nehmen hier aber immer mehr Eltern ohne ihre Sprösslinge teil. Auch an den Universitäten Bamberg, Frankfurt, Freiburg, Würzburg, Trier und Hildesheim werden regelmäßig die Eltern zu Kennenlern-Veranstaltungen eingeladen.

„Helicopter Parents“ und „Overparenting“

Es spricht ja nichts dagegen, sich für das Leben seines Kindes zu interessieren. Allerdings existiert ein gravierender Unterschied zwischen Interesse und Überbehütung. In Amerika hat sich für Eltern, die erwachsene Kinder bemuttern, der Begriff „Helicopter Parents“ eingebürgert: Wie Hubschrauber kreisen sie über ihren Kindern und wollen ihren Lebensweg weiter mit beeinflussen und machen dabei weder vor der Hochschule noch vor dem künftigen Arbeitgeber halt. Der Begriff „overparenting“ meint, dass offenbar viele Eltern von ihrem eigenen Leben derart angeödet sind, dass sie sich lieber auf das ihrer Kinder stürzen.

Eltern lassen Misserfolge nicht zu

Wer in einer watteweichen Welt aufwächst, in der Eltern panisch versuchen, jeden Misserfolg fernzuhalten, wird nie ein eigenständiges Leben führen können. Klar, wenn Eltern mindestens 18 Jahre lang ihre Kinder verwöhnt haben, können sie nicht plötzlich damit aufhören, nur weil Sohn oder Tochter auf die Uni gehen.

Universitäten sollten sich jedoch gut überlegen, ob sie wirklich Elterntage veranstalten und so die Unselbständigkeit vieler Studienanfänger weiter fördern möchten oder ob es nicht klüger wäre, den Studierenden stattdessen etwas Entscheidendes zu vermitteln: mit dem Studium beginnt tatsächlich ein neuer Lebensabschnitt. Auch für die Eltern.

Lena Widmann

Lena Widmann Bakk.phil. | Ressortleiterin Uninews/Politik, Redakteurin

hat Publizistik und Kommunikationswissenschaft sowie Romanistik an der Universität Wien studiert und studiert nun im Master Publizistik. Schreibt für Unimag seit Mai 2011.

lena.widmann (ät) unimag.at

 

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