BÜCHERBÖRSE

Studierende kämpfen gegen Lehrerdienstrecht

Die Lehramtstudierenden an Österreichs Universitäten und Pädagogischen Hochschulen halten wenig bis gar nichts vom neuen LehrerInnendienstrecht (LDR). Denn je nach Fach müssen sie künftig pro Woche bis zu sieben Stunden mehr unterrichten als bisher. Und das für gleich viel oder sogar für weniger Geld. Außerdem sollen Lehrer nun auch Fächer unterrichten, die sie gar nicht studiert haben. Am meisten werden aber laut den Lehramtstudierenden die Kinder und Jugendlichen darunter leiden.

UNIMAG hat bei angehenden Lehrern nachgefragt, worin ihrer Meinung nach das Hauptproblem des neuen LDR liegt und was sich unbedingt ändern muss.

Dequalifizierung von Lehrern im wirtschaftlich/technischen Bereich

"Am meisten stört mich an der öffentlichen Diskussion, dass auf die Situation im berufsbildenden mittleren und höheren Schulwesen (HAK, HLW, HTL, etc.) viel zu wenig eingegangen wird. Das neue LDR trifft angehende LehrerInnen an den BMHS wesentlich stärker als jene KollegInnen an Volksschulen oder Neuen Mittelschulen. Um an BMHS kaufmännische Gegenstände zu unterrichten (BWL, Rechnungswesen, etc.), war bislang das abgeschlossene Diplom- bzw. Masterstudium "Wirtschaftspädagogik" und eine mindestens zweijährige Berufspraxis in der Privatwirtschaft erforderlich. Das neue LDR führt dazu, dass vor allem hinsichtlich des Gehalts künftige LehrerInnen gleichgestellt werden sollen, unabhängig davon, ob sie mindestens elf Semester an einer Universität studiert haben oder nur sechs Semester an einer Pädagogischen Hochschule verbracht haben. Dies ist aus Sicht der Berufsbildung unverständlich und wird zu einer dramatischen De-Qualifizierung von Lehrpersonen im wirtschaftlich/technischen Bereich führen."

Dominik Böck, angehender BMHS-Lehrer

Anzahl an Junglehrern wird sinken

"Eine der meistunterschätzten Folgen ist, dass die Anzahl an JunglehrerInnen in naturwissenschaftlichen Mangelfächern wie beispielsweise Informatik, Chemie, Mathematik, Physik oder mit Einschränkungen Biologie, wieder sinken wird, weil durch die Hinzunahme von einigen wenigen Lehrveranstaltungen eine entsprechende privatwirtschaftliche Qualifikation erworben werden kann. Als Folge werden (was ja nach aktuellem Entwurf möglich sein wird) fachfremde Personen diese Gegenstände in der Sekundarstufe I unterrichten, was für die Qualität des Unterrichts nichts Gutes verheißt. Eine Korrektur dieser Schieflage wird dann trotz eventuellen massiven Bemühungen nicht möglich sein, da die Vorlaufzeit entsprechend hoch ist (6-8 Jahre)."

Mag. Steiner Stefan, Lehramtsstudent Mathematik/Geografie in Graz

 

Lena Widmann

Lena Widmann Bakk.phil. | Ressortleiterin Uninews/Politik, Redakteurin

hat Publizistik und Kommunikationswissenschaft sowie Romanistik an der Universität Wien studiert und studiert nun im Master Publizistik. Schreibt für Unimag seit Mai 2011.

lena.widmann (ät) unimag.at

 

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