BÜCHERBÖRSE

Junglehrerin spricht über neues Lehrerdienstrecht

Junglehrerin spricht über neues Lehrerdienstrecht (c) Petra Weiss

Die Diskussionen und Proteste rund um das neue Lehrerdienstrecht (LDR) nehmen kein Ende. Österreichweit setzen sich nicht nur Lehrerinnen und Lehrer, sondern auch Schülerinnen und Schüler und Eltern gegen das LDR ein. UNIMAG hat aus gegebenem Anlass mit einer Junglehrerin über ihren Schulalltag und die möglichen Folgen des neuen LDR gesprochen.

Petra Weiss ist 26 Jahre alt und unterrichtet seit zwei Jahren Englisch und Spanisch an der HLW Krieglach (Steiermark). Zurzeit unterrichtet Petra 19 Stunden pro Woche (plus zwei Überstunden). Mit dem neuen Gesetz müsste Petra ursprünglich 24 Stunden arbeiten, das wären zwei Klassen mehr gewesen. Die Regierung kam den Hauptfachlehrern und Klassenvorständen aber in den letzten Tagen entgegen und senkte die Zahl auf 22 Stunden pro Woche. Für die Nebenfachlehrer ändert sich aber nichts.

Wie sieht dein Schulalltag aus?

Ich stehe täglich zwischen 5.30 Uhr und 7.30 Uhr auf und pendle täglich zweieinhalb Stunden zur Schule, die 85 km von meinem Wohnort entfernt ist. Zu Hause bin ich immer erst zwischen 15.30 Uhr und 17.30 Uhr. Doch danach bin ich noch lange nicht fertig, ich muss Stunden vorbereiten und Schularbeiten und Hausübungen korrigieren. Ich bin auch jeden Sonntag mit Schulsachen beschäftigt.

Was ist deine Meinung zum neuen Lehrerdienstrecht?

Es wird mit Sicherheit einen massiven Qualitätsverlust geben, denn es ist jetzt schon zu wenig Zeit für eine individuelle Förderung von einzelnen Schülern. Den berufsbegleitenden Masterabschluss finde ich außerdem sehr unrealistisch. Wie soll man als Junglehrer selbstständig unterrichten, vorbereiten, korrigieren und dann nebenbei noch effizient studieren?  Zudem ist die fachliche Ausbildung auch schlechter, was zu einem massivem Qualitätsverlust des Unterrichts führen kann. Auch der fachfremde Unterricht ist ein Problem. Er wird zwar gemieden werden, aber es ist meiner Meinung nach sehr gefährlich, wenn es so im Gesetz verankert wird.

Worin siehst du die Folgen des neuen LDR?

Es werden immer weniger Studierende zum Lehrberuf motiviert werden. Schon jetzt spüren wir in den ländlichen Gegenden einen starken Lehrermangel in den Fächern Mathematik, Deutsch und Englisch. Für Englisch unterrichtet eine Übersetzerin ohne Lehramtsausbildung bei uns und für Deutsch eine Studentin, die zwar fast fertig ist, aber noch kein Unterrichtspraktikum hat. Dabei sollte es doch wohl eher so sein, dass man für den Lehrberuf nur die Besten nimmt. Schließlich werden diese Personen dann unsere Zukunft, also unsere Kinder, ausbilden.

Was nervt dich an der aktuellen Diskussion rund um Lehrer am meisten?

Mir persönlich geht es um Qualität des Unterrichts. Die individuelle Förderung kommt absolut zu knapp. Die Diskussionen drehen sich aber immer nur um die Unterrichtszeit, sprich die Zeit, die der Lehrer in der Klasse stehen. Unterricht ist aber nicht alles: Vor-und Nachbereitung, Schülerberatungsstunden, Elterngespräche, Klassenvorstandsarbeiten, die Zusammenstellung von Unterlagen, Supplierungen, Skikurse und Auslandsreisenkoordination, Dienstbesprechungen, Projekte, Tag der offenen Tür und vieles mehr gehört dazu. Auch Korrekturen sind sehr zeitaufwändig. Pro Schularbeit habe ich ca. 1 Stunde Arbeit. Diese Woche hatte ich zwei Schularbeiten von 51 Schülern, das heißt ca. 51 Stunden Arbeitsaufwand zusätzlich diese Woche.

Was muss sich generell für Lehrer ändern?

Momentan gibt es kein richtiges Bewerbungsverfahren für Lehrer. Ich finde aber, jeder angehende Lehrer sollte Möglichkeit haben, sich direkt bei Schule bewerben zu können, denn momentan passiert viel unter der Hand. Kennt man Leute an der Schule, kommt man unter. Wer niemanden kennt wird oft zugeteilt. Ich selbst hatte recht gute Noten an der Uni, das hat mir aber gar nichts gebracht. Auch meine vielen Zusatzqualifikationen verhalfen mir zu keinem Job in meiner Nähe. Weiteres stört mich, dass bei Arbeitsutensilien, wie zum Beispiel ein Computer, Drucker, Papier, Patronen, Hefte, etc., selbst in die Tasche gegriffen werden muss. In den meisten Schulen gibt es keinen eigenen Schreibtisch für jeden Lehrer. Ich wäre gerne bereit, immer 40 Stunden anwesend zu sein, wenn ich ein eigenes Büro mit Computer hätte.

Was ist das Beste an deinem Beruf?

Ich bin mit Leib und Seele Lehrerin, es ist mein Traumberuf. Das positive Feedback der Schüler entschädigt vieles. Mich macht es stolz zu sehen, wie sich die Jugendlichen entwickeln. Auch die Ferien entschädigen vieles, mir persönlich würde es aber nichts ausmachen, ein paar Wochen weniger Ferien zu haben, wenn der Schulalltag dadurch entschärft werden würde und es weniger Stress gäbe.

 

Lena Widmann

Lena Widmann Bakk.phil. | Ressortleiterin Uninews/Politik, Redakteurin

hat Publizistik und Kommunikationswissenschaft sowie Romanistik an der Universität Wien studiert und studiert nun im Master Publizistik. Schreibt für Unimag seit Mai 2011.

lena.widmann (ät) unimag.at

 

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