BÜCHERBÖRSE

Wie kann man unsere Unis retten?

bergabe c Regina Aigner HBFDie Frage, die sich Studenten und ihre Vertreter seit Jahren stellen, wird nun zur Hauptaufgabe des neuen Wissenschaftsministers. Dazu hat Karl-Heinz Töchterle den Rat von internationalen Experten eingeholt. Der nun vorliegende Bericht sorgt allerdings für Gesprächsstoff.

BM Tchterle c BMWF L. HilzensauerAm 23. August übergaben die Hochschulexperten Andrea Schenker-Wicki (Universität Zürich), Antonio Loprieno (Universität Basel, Präsident der schweizerischen Rektorenkonferenz) und Eberhard Menzel (Hochschule Ruhr West) ihre Empfehlungen „zur Entwicklung und Dynamisierung der österreichischen Hochschullandschaft" dem hiesigen Wissenschaftsminister Töchterle. Dieser zeigte sich erfreut über den Bericht und möchte einige Punkte ehestmöglich umsetzten: „Der Bericht bietet wertvolle Impulse für die laufenden Arbeiten am Hochschulplan. Wir müssen gemeinsam an einem starken und international glänzenden Hochschulstandort arbeiten", so Töchterle.

Hochschulplan GrafikDie wichtigsten Empfehlungen

Der Expertenbericht „Zur Entwicklung und Dynamisierung der österreichischen Hochschullandschaft – eine Außenansicht" enthält Empfehlungen zu den Themen Abstimmungs- und Koordinierungsmechanismen, Finanzierung, Autonomie und Wettbewerb, Hochschulentwicklung sowie Steuerungsmittel, ­Reportingpflichten und Daten. Die Empfehlungen sehen folgendermaßen aus:

  • Abstimmungs- und Koordinierungsmechanismen

Die Hochschullandschaft soll mittels ­Gouvernance auf drei Ebenen gesteuert werden. Die strategische Ebene wird dabei von einer „Hochschulkommission" gebildet, die unter dem Vorsitz des Wissenschaftsministeriums auch Mitglieder anderer Ministerien und Vertreter der Länder einbezieht. In der Koordinationsebene agiert eine „Hochschulkonferenz" die sich aus 10-15 Mitgliedern (Vertreter der Unis, Fachhochschulen, Wirtschaft und Forschung). In der operativen Ebene arbeiten schließlich die einzelnen Hochschulen weitgehend autonom, allerdings arbeiten sie insbesondere bei finanziell aufwendigeren Anliegen mit der Hochschulkonferenz zusammen und sollen sich untereinander absprechen.

Auch in der Forschung soll eine Plattform für Informationsaustausch geschaffen werden. Außerdem soll die Anzahl der unterschiedlichen Forschungsprogramme reduziert werden, um gezielt und ausgiebig in die Stärken investieren zu können.

  • Finanzierung

Zur Finanzierung wird ein Stakeholder-Ansatz herangezogen, das bedeutet, dass alle, die einen Nutzen aus dem Hochschulsystem ziehen, auch einen Beitrag zur Finanzierung leisten sollen. Zu diesen Stakholdern zählen der Bund, ausländische Staaten (da der Anteil an ausländischen Studierenden in Österreich 20 Prozent über dem OECD-Schnitt liegt und ein Großteil dieser Studenten das Land nach der Ausbildung verlassen möchte), die Bundesländer, die Wirtschaft und auch die Studierenden. Hier wird auch erwähnt, dass Studiengebühren die soziale Durchmischung nicht beeinträchtigen, da diese an FHs, die Studiengebühren verlangen, besser sei als an Unis, die keine Studiengebühren verlangen.

  • Autonomie und Wettbewerb

Auch Autonomie und Wettbewerb spielen in dem Bericht eine große Rolle, da sie zur Produktivität beitragen soll. Dabei ist vor allem vom Wettbewerb um finanzielle Mittel die Rede. Bei der Autonomie kommt die Frage der Zugangsbeschränkungen zum Tragen. So soll es in der Bachelorstufe dann Zugangsbeschränkungen geben, wenn Studienrichtungen überlaufen sind und in der Master- und ­PhD-Stufe sollen sich alle Unis ihre Studierenden aussuchen können. Auch dies soll die Qualität des Studiums verbessern.

  • Hochschulentwicklung
Das österreichische Hochschulsystem soll sich dahin entwickeln, dass die Drop-out Raten bei den Studierenden geringer werden, denn derzeit beginnen tendenziell immer mehr Menschen ein Studium doch nur wenige schließen es auch ab. Des Weiteren sollen die Fachhochschulen so weit ausgebaut werden, dass sie beinahe die Hälfte der Studierenden ausbilden können. So will man praxisnahe Forschung und Bildung an die FHs verlegen, damit sich die Universitäten stärker auf Grundlagenforschung konzentrieren können.
  • Steuerungsmittel, Reportingpflichten und Daten
Leistungsverbesserungen sollen standardisiert werden, Reportigpflichten vereinfacht und die Daten in einem MIS (Management Information System) verwaltet werden.

BundesOEH c Bundes OeHReaktionen

Ungeachtet der Begeisterung von Wissenschaftsminister ­Töchterle gibt es auch sehr kritische Stimmen zu dem vorliegenden Bericht. So empört sich besonders Janine Wulz (GRAS)
vom ÖH-Vorsitzteam über den Bericht: „Der am Dienstag von Töchterle präsentierte Bericht schießt meilenweit am Ziel vorbei, die Lage an den Hochschulen in irgendeiner Art zu verbessern. An allen Ecken und Enden werden die falschen Konzepte vorgeschlagen und es wurde keine Sekunde an den Einbezug der Studierenden gedacht. Anstatt an einem einheitlichen, gemeinsamen Hochschulsektor zu arbeiten, werden nur verschiedene Hochschultypen gegeneinander ausgespielt“. Die Junge ÖVP und die Akademie der Wissenschaften begrüßen die Forderung nach Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen. So meint die JVP, dass Studierende dazu bereit wären, für ihre Bildung zu bezahlen. Differenzierter sieht dies Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ). Sie möchte den Bericht zwar ausgiebig diskutieren, doch für sie ist es am wichtigsten, dass die Heimatländer der Studierenden zur Kasse gebeten werden: „Wie kommt der österreichische Steuerzahler dazu, dass er bei manchen Studienrichtungen 70 Prozent deutsche Studierende finanzieren?“ Somit fordert sie eine „Finanzierungsgerechtigkeit innerhalb der EU“. Der Vorsitzende der Universitätskonferenz und Rektor der TU Graz sieht in dem Bericht einen Arbeitsauftrag, vor allem der Finanzierungsauftrag an die Länder soll rasch umgesetzt werden.

 

 

Maria Rabl

Maria Rabl | Redakteurin & Content-Managerin

maria.rabl (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

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