BÜCHERBÖRSE

Zerstreut Euch und setzt Zeichen!

Warum es an der Zeit war, WhatsApp zu löschen und ich trotzdem bei Facebook geblieben bin.

Wir Studierende kommunizieren gerne, viel und auf allen möglichen Kanälen. Das ist toll und macht uns nicht zuletzt zu einer politischen Kraft, mit denen die Mächtigen rechnen müssen. Trotzdem sollten wir den neuen Möglichkeiten der Kommunikation gegenüber kritisch bleiben. Als ich mich angesichts der WhatsApp-Übernahme durch Facebook kurzerhand dazu entschloss, die einst so putzige Chat-App vom Smartphone zu löschen und das ausgerechnet auf Facebook kundtat, bekam ich aber nicht nur Beifall. Ich sei inkonsequent, müsse wenn schon, auch meinen Facebook-Account löschen, so der Tenor. Ich sage: Nein! Muss ich nicht! Und das hat seinen Grund: Facebook ist kein Unternehmen wie jedes andere, sondern längst zu einer Grundbedingung sozialer Teilhabe geworden. Wenn die einzige Kritik an Facebook darin bestehen kann, sich das Recht auf volle Teilhabe zu nehmen, ist das ganz einfach undemokratisch. Kritik kann ich auch dadurch zum Ausdruck bringen, indem ich gewisse Teile meiner Kommunikation auf andere Anbieter auslagere. Und dabei geht es nicht einmal um Datenschutz (spätestens seit NSA ist uns klar, dass so etwas ohnehin nicht existiert), sondern um stinknormale Kartellbildung.

¡Adios Amigos!

Facebook hat sich zu einem gefräßigen Monopolisten entwickelt, der erfolgreiche Konkurrenz wie Instagram und WhatsApp ausschaltet, indem er sie schluckt. Ein Vorgehen, das in der Offline-Wirtschaft wohl längst die Alarmglocken der Wettbewerbshüter schrillen lassen würde. Gemeinsam mit Google überwacht Facebook fortan nicht nur unsere gesamte Online-Kommunikation, sondern diktiert auch noch Dumpingpreise für Internetwerbung, die in letzter Konsequenz die Qualität und Unabhängigkeit unserer Medienlandschaft gefährden. Jetzt WhatsApp zu löschen ist, wenn schon kein relevanter Beitrag zum Schutz unserer Daten, zumindest ein Zeichen gegen die dreiste Staubsaugertaktik eines an sich ganz nützlichen Unternehmens. Sich zynisch zurückzulehnen und dabei zuzusehen, wie alle Kanäle in einen Fluss zusammenlaufen, ist keine Lösung. Zerstreut Euch und setzt Zeichen! Für alles Weitere braucht es politische Lösungen.

Stefan Weiss

Stefan Weiss | Freier Journalist

Studiert Politikwissenschaft und Kunstgeschichte an der Uni Wien. Er betreibt einen Blog für Politik, Kunst und Kultur und schreibt für verschiedene Print- und Onlinemedien.

stefan.weiss (ät) unimag.at

 

Webseite: stefanweiss.at
 

Log in or create an account

fb iconLog in with Facebook