BÜCHERBÖRSE

Taxi oder Kassa: Zukunftschancen in der Geisteswissenschaft

Studium Geisteswissenschaft – und was dann? (c) Shyamal
Studium Geisteswissenschaft – und was dann?

Jeder Student hat die Frage schon unzählige Male gehört oder auch selbst gestellt: "Was willst du nach deinem Studium machen?". Während Studierende aus den Bereichen der Real- oder Humanwissenschaften oftmals von vornherein ein klares Ziel haben und auch die Jobaussichten nicht gerade besorgniserregend erscheinen, sieht es in der Geisteswissenschaft etwas anders aus. Auch hier mögen Berufswünsche oder -ziele schon konkret vorhanden sein, aber arbeitsmarkttechnisch blickt man am Ende eines geisteswissenschaftlichen Studiums oftmals in eine nicht allzu rosige Zukunft. Wenn man sich also ein wenig umhört, fallen nicht selten Sätze wie: "Eine Freundin von mir hat jetzt ihren Master in Philosophie gemacht, aber sie arbeitet an der Kassa im Supermarkt." Die Jobaussichten sind natürlich auch innerhalb der Geisteswissenschaften nicht überall gleich und die Begeisterung der Studenten für diese Fächer ist riesig – die philologisch-kulturwissenschaftliche Fakultät ist nicht ohne Grund die größte der Universität Wien.

Aber ist ein geisteswissenschaftliches Studium trotzdem ein Karrieregrab oder eine Sackgasse? Endet man damit dann so oder so als Taxifahrer oder Kellner? Und welche Studien sind den Teil der Geisteswissenschaften?

Zu den Geisteswissenschaften zählen unter anderem die Philosophie, geschichtswissenschaftliche oder auch sprachwissenschaftliche Disziplinen. Klar ist: Nein, man muss nicht auf Teufel-komm-raus sein Leben hinterm Steuer verbringen oder Waren an der Kassa scannen. Damit es aber auch wirklich nicht dazu kommt, sollte man von sich aus etwas dafür tun. Als Geisteswissenschaftler kann jeder seinen Platz in der Arbeitswelt finden, auch außerhalb universitärer Mauern, zum Beispiel durch Zusatzqualifikationen und Praktika.

Fakt ist jedoch dass es keinen Universaljob für Geisteswissenschaftler gibt, aber das soll keineswegs heißen dass es keine Jobs gibt. Ich selbst habe Romanistik studiert und musste mir auch immer wieder die gleichen Fragen anhören. Jetzt arbeite ich in einer Medienagentur und alle schauen nur verwundert, weil was hat denn das mit Geisteswissenschaft zu tun?! Als Absolvent eines Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Studiums muss man kreativer sein als andere Studenten um einen passenden Job zu finden. Wir sind das Aushängeschild der Generation Praktikum, was nicht nur negativ sein muss. Man hat die Möglichkeit vieles auszuprobieren und in Berufe unterschiedlichster Art hinein zu schnuppern. Also nicht gleich das Studium hinschmeißen, sondern abseits der Uni Projekte verfolgen und sich nie unter Wert verkaufen, denn jedes Unternehmen will doch eine flexible, kommunikative und kreative Persönlichkeit, und das sind doch die Spezialitäten von uns Geisteswissenschaftlern.

Julia Baedcker und Jan Wälder

Julia Baedcker

Mag. Julia Baedcker 

Ressortleiterin Lifestyle | Redakteurin Musik, Events, Uninews

julia.baedcker@unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

 

Log in or create an account

fb iconLog in with Facebook