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Die neue deutsche Welle

  • geschrieben von Susanna Hofer
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4 c Daniel Weber Hrsaal Die neue deutsche Welle„Der Deutsche“ ist im Uni-Alltag zwar nicht sofort zu erkennen, spätestens aber wenn im Hörsaalgetuschel von „Kommilitone“ oder „Klausur“ die Rede ist, scheint die Sache klar zu sein... Auch wurde die Debatte um die Studienplatzsituation  in Österreich angeheizt – durch die schiefgegangene Online-Voranmeldung.

Der NC-Flüchtling

Schon in den letzten Semestern studierten viele Deutsche an den österreichischen Universitäten. Österreich wird nicht nur durch die geographische Nähe, den gleichen Sprachraum und die abgeschaffenen Studiengebühren für Bildungsflüchtlinge interessant – auch der Numerus Clausus, der den Zugang zu vielen Fächern an den deutschen Unis regelt, fällt in Österreich gänzlich weg. Wer in Österreich bestimmte Fächer wie Medizin, Pharmazie oder Psychologie studieren möchte, muss sich strengen Aufnahmetests unterziehen und in die „Quote“ passen. Dass hier manche EU-Bürger gleicher sind als andere, nimmt Brüssel noch bis 2012 hin. Dann muss Österreich belegen warum es notwendig ist, beispielsweise 75% der Studienplätze in medizinischen Fächern, nur österreichischen Studenten vorzubehalten. Entscheidet man sich jedoch für ein weniger stark frequentiertes Studium, ist der Studienplatz sicher und seit Österreich die flächendeckenden Studiengebühren abschafft hat, auch deutlich günstiger als im Nachbarland.

Fakt ist, dass sich viele Studienrichtungen wie Medizin und Publizistik als überlaufen darstellen. Die generelle Planbarkeit der Studierendenzahlen einzelner Studienrichtungen und Universitäten zu verbessern, ist Wunsch jedes Rektors. Mit einer Informationskampagne zu „MINT-Fächern“ – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – wollte die Hauptuniversität Wien den Zustrom an Studierwilligen steuern. Denn laut ihnen studieren nur 60% aller Studienanfänger ein Zehntel aller möglichen Fächer. Ein „MINT- Studium“ sei erfrischend anders, biete bessere Jobaussichten und sei etwas Studierbares, was Zukunft schafft.

Angemeldet: Zur Sicherheit – oder aus Unsicherheit

Auch mit der bis 31. August 2011 fälligen, verpflichtenden Online-Voranmeldung zu einem Studium versuchte die österreichische Bundesregierung dem Wunsch der Universitäten nach einem besseren Planhorizont bei den Studienrichtungen nachzukommen. Doch es blieb beim Versuch: Die Eintragungen waren nicht nur unverbindlich, sondern es waren auch einerseits Mehrfachanmeldungen an verschiedenen Universitäten, andererseits bei mehreren Studienrichtungen möglich. Daraus folgte, dass sich jeder für alles, und zwar überall anmelden konnte – „zur Sicherheit“ oder auch einfach nur aus Unsicherheit. Ein MINT-Fach, wie zum Beispiel Raketenwissenschaften, muss man nicht studiert haben um zu durchschauen, dass dies für die Planbarkeit nichts bringt. Viele Studienrichtungen verzeichneten so das doppelte oder gar dreifache an Anmeldungen wie in den Vorjahren. Von kritischen Beobachtern wird angemerkt, die Idee der Voranmeldung sei nur durchgeführt worden, um Stimmung für Zugangsbeschränkungen und „Studiengebühren Neu“ zu machen. Ein explosionsartiger Anstieg an Neustudenten soll somit einerseits abschrecken, andererseits den Eindruck erwecken die Politik müsse mit solchen Maßnahmen steuernd eingreifen. Die Forderung nach Studiengebühren ist auch in Wissenschaftsminister Töchterles Ein- Milliarden-Paket für Universitäten enthalten und wird derzeit heiß diskutiert (siehe auch Bericht auf Seite 12). Ob wir bald „deutsche Verhältnisse“ mit Numerus Clausus, Zugangsbeschränkungen und unterschiedlichen Studiengebühren in Österreich haben, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Grenznahe Universitäten wie Salzburg (dort kam bereits jeder fünfte Student aus Deutschland) oder Innsbruck bekommen zum Beispiel den Studientourismus bereits besonders zu spüren. Im Studienjahr 2010/11 waren unter den insgesamt 284.000 Studenten bereits 24.000 Deutsche – und im Wintersemester „drohen“ es noch einige mehr zu werden.

2011: Doppelte Abiturjahrgänge

In den Hörsälen könnte es im Herbst noch ein bisschen enger werden: Aufgrund der doppelten Abiturjahrgänge in den bevölkerungsreichen Bundesländern Bayern und Niedersachsen, könnte sich die Situation im nächsten Studienjahr zuspitzen. Außerdem wurde mit 1. Juli die Wehrpflicht ausgesetzt. Deutschland stellt auf 8 Jahre Gymnasium um, statt wie bisher 9. Das bedeutet, dass 2011 zwei Jahrgänge gleichzeitig ihren Schulabschluss machen.

Bundesland Deutschlands und liegt nur einen Katzensprung von Österreich entfernt. Das Bundesland Niedersachsen hat immerhin so viele Einwohner wie ganz Österreich. Wohnt man beispielsweise in Südbayern, kann man sich aussuchen, ob man mal schnell über die Grenze auf die Uni Salzburg fährt, wo keine Studiengebühren zu entrichten sind, oder über 100 Kilometer nach München pendelt, wo pro Semester rund 500 Euro eingehoben werden. Die Zahlen sprechen für sich: Experten des CHE (Centrum für Hochschulentwicklung in Gütersloh) schätzen, dass die österreichischen Universitäten mit rund 10.000 zusätzlichen Bayern ist mit 12,5 Millionen Einwohnern mengenmäßig das zweitgrößte deutschen Studenten rechnen müssen. In den ohnehin überfüllten Hörsälen wird es dann wohl noch ein wenig kuscheliger. Einzig die Studenten selbst werten die „Deutschenschwemme“ als Bereicherung des Studienalltags. Beim Kampf um die besseren Sitzplätze (oder überhaupt einen Sitzplatz) heißt es natürlich: Möge der Stärkere gewinnen, die Sitzplatzbeschaffung ist halt nichts für Zimperliche. Aber grundsätzlich gilt: You´re welcome!

 

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