BÜCHERBÖRSE

ÖH-Wahl: KSV-LiLi stellt sich vor

Tina Sanders und Philipp Jung (c) KSV-LiLi
Tina Sanders und Philipp Jung

Der KSV-LiLi (Kommunistischer Student_innenverband – Linke Liste) schickt die beiden Öffentlichkeitsarbeiter Tina Sanders und Philipp Jung ins Rennen. (Die Antworten gab Tina Sanders).

Was studierst du, wo, seit wann und warum?
Ich studiere an der Uni Wien Politikwissenschaft im 12. Semester und Geschichte im 3. Semester. Politikwissenschaft war zunächst bloß als Überbrückungsstudium gedacht, weil ich eigentlich Journalismus an der FH studieren wollte, allerdings hat es sich als eine große Leidenschaft herausgestellt und durch das Studium der Geschichte lassen sich die politikwissenschaftlichen Analysen in einen historischen Kontext setzen.

Wie finanzierst du dein Studium?
Wie die meisten Studierenden muss ich mich mit Nebenjobs über Wasser halten. Hier gibt es einen gravierenden Änderungsbedarf - einerseits wären Sofortmaßnahmen wie die Erhöhung der Stipendien, bzw. der Familienbeihilfe vonnöten. Andererseits fordern wir langfristig ein bedingungsloses Grundeinkommen, damit alle über ihre Verhältnisse leben können.

Was war die letzte Prüfung, bei der du durchgefallen bist?
Das war Zeitgeschichte bei Prof. Safrian – ich wusste damals bereits, dass ich mein Studium pausieren werde, weil mir der Leistungs- und Konkurrenzdruck damals die Lust am Studieren genommen hatte. Daher habe ich mich nicht sonderlich bemüht.

Die Hauptaufgabe der ÖH… ?
...besteht darin, Bildungs- und Allgemeinpolitik als Einheit zu begreifen und in diesem Sinne gegen jegliche Diskriminierungen, gesellschaftliche Missstände und die kapitalistische Verwertungslogik aufzutreten. KSV-LiLi steht für eine aktive, linke ÖH und für die exzessive Überschreitung ihres allgemeinpolitischen Mandats.

Warum engagierst du dich gerade bei der ÖH?
In der ÖH habe ich die Möglichkeit gefunden, meine unmittelbare Lebensrealität mitzugestalten. Dabei ist es natürlich wichtig, bildungspolitisch engagiert zu sein - aber die Unis/FHs sind keine abgekapselten Räume, sondern Teil der Gesellschaft. Deshalb ist es notwendig, dass die ÖH sich als allgemeinpolitische Akteurin begreift.

Warum sollte man euch wählen?
Wir sind die einzige Fraktion, die der ÖH eine deutliche linke Ausrichtung geben kann: Einerseits bekennen wir uns zur Zusammenarbeit mit den anderen linken Fraktionen, andererseits verstehen wir uns dabei als Korrektiv, das für eine linke und aktive ÖH sorgt. Grundsätzlich wollen wir linksradikale Kritik und Praxis hervorbringen - das bedeutet, kapitalistische und diskriminierende Verhältnisse an der Wurzel anzupacken, anstatt nur oberflächliche Schönungen vorzunehmen.

Was sind die drei wichtigsten Punkte für dich?
Zunächst ist uns wichtig, dass die Bildungsökonomisierung und der Leistungs- und Konkurrenzdruck ein Ende findet! Wir fordern mehr Möglichkeiten zu selbstbestimmten Leben und Lernen anstatt für den Arbeitsmarkt verwertbare Inhalte! Die kapitalistische Krise zeigt gravierende Auswirkungen - der Sparzwang, Konkurrenzdruck und Autoritarismus der Verhältnisse zeigt letztlich direkt Konsequenzen auf die Individuen, so auch auf Studierende.

Psychische Krankheiten stellen mittlerweile die größte Gruppe von Beeinträchtigungen bei Studierenden dar: Burn-Outs, Depressionen, Prüfungsangst etc. stehen für viele an der Tagesordnung. Stress durch Knock-Out-Prüfungen, Anwesenheitspflicht, Regelstudienzeit oder prekäre Jobs um sich das Studium finanzieren zu können verschlimmern bereits vorhandene Krankheiten oder führen zu neuen Beeinträchtigungen. Wir fordern daher ein Ende des verschulten Hochschulsystems und die Verlängerung von Regelstudienzeit und Beihilfen! Schluss mit der Stigmatisierung von psychisch Beeinträchtigten sowohl an der Hochschule als auch außerhalb! Für den Ausbau von kostenlosen Beratungs- und Anlaufstellen!

Die Hochschulen reihen sich außerdem in den institutionalisierten Rassismus der EU-Staaten ein: Gerade letzte Woche sind wieder hunderte Refugees im Mittelmeer ertrunken, die EU schottet sich immer mehr gegen jene Menschen ab, die unter den kapitalistischen Verhältnissen leiden. Auch an den Hochschulen werden Menschen, die anderswo geboren wurden diskriminiert: So werden ausländische Hochschulabschlüsse nicht anerkannt und Studierende aus Drittstaaten müssen doppelte Studiengebühren bezahlen, haben keinen freien Zugang zum Arbeitsmarkt und müssen verpflichtende, teure Deutschkurse in Anspruch nehmen. Wir fordern die vollkommene Gleichstellung von Drittstaatsstudierenden! Für den Ausbau von mehrsprachigen Lehrveranstaltungen!

Wir treten ein für... ?
Wir stellen den Personenkult, der durch das Konzept "Spitzenkandidat_in" transportiert wird ab. Als KSV-LiLi-Aktivistin und Kandidatin trete ich ein für feministische, antihomophobe, antirassistische und antifaschistische Politik innerhalb und außerhalb der Hochschulen. Wichtig ist außerdem gerade in der gegenwärtigen Krise das kapitalistische System als Ganzes in Frage zu stellen.

Unser Wahlziel ist... ?
Wir wollen unsere Mandate halten und ausbauen! Zudem wollen wir unsere erfolgreiche Arbeit an der linken ÖH Uni Wien weiterführen und weiter dafür sorgen, dass sie die Zivilgesellschaft stärkt und Raum für radikale Kritik bietet. Außerdem hoffen wir, dass wir Menschen für politische Arbeit begeistern können damit sie sich politisch – in welchen Zusammenhängen auch immer – engagieren. Wir wollen vermitteln, dass es besser ist, für die eigenen Interessen einzustehen, als andere damit zu beauftragen.

Mögliche Koalitionspartner sind...?
Momentan sind wir an der ÖH der Uni Wien in einer Koalition mit dem VSSTÖ und GRAS – das würden wir gerne so beibehalten. Generell ausschließen würden wir jedenfalls den rechtsextremen RFS, die ÖVP-AG und die Junos aufgrund ihrer studierendenfeindlichen Forderungen.

 

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