BÜCHERBÖRSE

ÖH-Wahl: Wahlplakat-Analyse

Vom 19. bis zum 21. Mai finden wieder die ÖH-Wahlen statt. Da Hochschulpolitik sehr langwierig und kompliziert sein kann, ist bei der Gestaltung der Wahlplakate eine Menge Kreativität gefragt. Der Wahlkampf wird darüber hinaus mit harten Bandagen geführt, nur selten findet man völlig unbeschädigte Plakate – von manchen Fraktionen lassen sich sogar gar keine finden. UNIMAG nimmt für euch die (auffindbaren) Wahlplakate der einzelnen Fraktionen unter die Lupe und schaut nach Inhalten, Gestaltung und Humor.

Grüne und Alternative StudentInnen (GRAS)

Die Grünen setzen auf ein knalliges 2-Farben Konzept, ohne einzelne Kandidaten hervorzuheben. In grün und pink werden zum Teil konkrete Forderungen gestellt ("Gratis Öffi-Jahresticket für Studenten") oder auch eher mittelmäßig witzige Wortspiele ("Gegen Diskriminierung ist GRAS gewachsen") unter das studentische Volk gebracht. GRAS greift auf den Plakaten auch vermehrt Gender- und Gleichberechtigungsthemen auf ("Wir fordern Halbe-Halbe beim Hochschulpersonal!"). Dem grünen Kernpublikum wird’s gefallen, Grün-Gegner werden sich kaum überzeugen lassen.

Kommunistischer StudentenInnenverband (KSV)

Hier setzt man vor allem den Schockeffekt und ein studentennahes Thema: Die hohen Wiener Mietpreise. Gegen das Bild einer verfaulten Bruchbude und dem kampflustigen Spruch "Miethaie zu Fischstäbchen" wird die Forderung nach bezahlbaren Wohnen für Studierende gesetzt. Auch hier wird mit roten Lettern eher die Straßenkämpfermentalität bedient, wobei diese Fischstäbchen wohl niemand wirklich mehr essen wollen würde.

Aktionsgemeinschaft (AG)

Mit 19 Sitzen stellt die AG derzeit die meisten Abgeordneten in der Österreichischen Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft. Auch die Plakate propagieren dementsprechend wenig Aufrührerisches, sondern versuchen sich inhaltlich und gestaltungstechnisch von den eher aufmerksamkeitsheischenden Konkurrenzplakaten abzuheben. Das geht so: Grundfarbe weiß plus einen gedeckten Farbton (blau, orange, grün), dazu eine x statt y Forderungsformulierung und darunter der Satz "ÖH geht auch anders" – fertig ist das Wahlplakat der Aktionsgemeinschaft. Die auf den Plakaten gestellten Forderungen reichen dabei nur von wenig aussagekräftig ("Studierendenvertretung statt Gesellschaftspolitik") bis hin zu inhaltslos ("Einsatz statt Stillstand"). Freilich verfolgt die AG konkret ausformulierte Ziele, auf den Plakaten findet man sie bedauerlicherweise kaum.

Verband Sozialistischer Studentinnen und Studenten Österreichs (VSStÖ)

Auch der VSStÖ setzt auf zweifarbige Plakate, grau und rot schaffen einen auffälligen Kontrast, während  die Forderungen (studentische Wohnbedingungen betreffend) klar aufgelistet werden, wie z.B. Miethöchstgrenzen oder günstige Studentenwohnheime.

Darüber hinaus wird hier auch eine Spitzenkandidatin, Lucia Grabetz, als Gesicht des Verbands abgebildet. Dazu kommt der Slogan "Her mit dem ganzen Leben!" – was man da letztendlich fordert, bleibt aber im Unklaren. Was genau der Luftballon bedeutet, weiß man nicht.

Junge Liberale Studierende (JUNOS)

Wie am Namen unschwer zu erkennen, agiert hier der Jugendverband der österreichischen Liberalpartei Neos. Wie auch die Mutterpartei prägen die Farben pink und weiß das Plakatbild. Die JUNOS fahren inhaltlich zwei Schienen: Zum einen gibt es klassische, nicht-personalisierte Forderungsplakate ("Bessere Universitäten durch nachgelagerte Studiengebühren!"), aber auch die klassische Präsentation des Spitzenkandidaten im Schulterportät. Die Neos schicken Niko Swatek ins Rennen, der sich mit Star Wars Leiberl möglichst studentennah und – nun ja – liberal zeigen möchte. Das Plakat, auf welchem sich der Burschenschaftler und der militante Kapitalismuskritiker zärtlich küssen und für eine Hochschulpolitik ohne ideologische Grabenkämpfe werben, sorgt immerhin für das ein oder andere Schmunzeln. Denn wenn der ÖH-Wahlkampf vor allem eines ist, dann ist er voller ideologischer Grabenkämpfe.

Kommunistischer StudentInnenverband - Linke Liste (KSV-LiLi)

Wie bereits 2013 setzt ein Teil des kommunistischen Lagers in der Hochschulpolitik auf schwarz-weiße Straßenkampfoptik unter dem knallroten Slogan "VOTA COMUNISTA!". Gemeinsam mit martialischen Bild-Wort Collagen gibt es auch Forderungsplakate, die vornehmlich von feministischen, antirassistischen und natürlich antikapitalistischen Parolen geprägt sind. Gefordert wird übrigens: "Her mit dem schönen Leben!" – hab ich das nicht schon irgendwo so gelesen? Natürlich zielt man hier auf die Studierenden ab, die ohnehin für ihre Sache auf die Straße gehen und diese wird man vermutlich auch so gut erreichen.

Andreas Müllauer

Redakteur seit 2013

studiert  Theater-, Film- und Medienwissenschaften

liebt Filme, Hunde & macht "irgendwas mit Medien"

Mail an Andreas.Muellauer(ät)unimag.at

 

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