Bologna: Diplomstudium Baba!
- geschrieben von Sabine Pusswald
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Mit dem Bologna-Vertrag 1999 wurde dem Diplomstudium ein Ablaufdatum gesetzt. Derzeit sind 37 % der Studenten an österreichischen Unis für Diplomstudien inskribiert und stehen immer mehr unter Druck, fristgerecht abzuschließen. Schlechte Betreuung und fehlendes Lehrangebot kommen erschwerend dazu.
An der Uni Köln wurden bereits Anfang des Jahres 32 Diplomstudenten zwangsexmatrikuliert, da sie ihr Studium nicht innerhalb der Regelstudienzeit beenden konnten. Der Schock war groß: Jetzt stehen sie mit einem Studium ohne Abschluss da. Auch in Österreich steigt der Druck auf Studenten im alten Lehrplan. Die meisten Bachelorstudien sind im Wintersemester 2007/08 oder 2008/09 angelaufen, daher enden ein Großteil der Diplomstudien 2012 oder 2013.
Wer es bis zur Frist nicht schafft wird zwar nicht zwangsexmatrikuliert, aber automatisch in das Bachelorsystem überwiesen. Für viele gleicht dies aber einer Zwangsexmatrikulation, da sich die Studienpläne kaum gleichen. Studierendenanwalt Josef Leidenfrost bestätigt: „Der Umstieg auf den neuen Studienplan ist oft zu Ungunsten der Diplomstudenten ausgelegt. Definitiv draußen aus dem Studium ist man aber mit der Umstellung des alten Studienplans nicht, es sei denn der Studienplan läuft generell aus.“ Wie es zum Beispiel beim Astronomie Studium an der Uni Graz und Innsbruck der Fall ist. Hier wird trotz Auslaufen des Diplomstudiums kein Bachelorstudiengang angeboten.
Termindruck und fehlende Kapazitäten
Jetzt heißt es für die Altstudenten so schnell wie möglich fertig zu werden. Aufgrund fehlender Kommunikation zwischen Studienprogrammleitung und Studierenden sowie mangelnder Kapazitäten erweist sich dieses Vorhaben als problematisch. Iris Schwarzenbacher von der ÖH bekräftigt: „Für viele stellt die Umstellung vom Diplomstudium auf den Bachelor eine große Schwierigkeit dar, weil sie schlichtweg zu wenig Informationen über die bevorstehende Umstellung bekommen haben. Ein weiteres Problem, das häufig auftritt, hängt mit dem Lehrveranstaltungsangebot zusammen. Oft werden für das Diplomstudium notwendige Lehrveranstaltungen nicht mehr angeboten.“
Des Weiteren sind Diplomstudenten dazu gezwungen mit dem Vorlesungsverzeichnis und dem Anmeldesystem aus dem neuen Lehrplan zu arbeiten. Mittels einer Äquivalenzliste müssen sie sich die ihnen entsprechenden Kurse mühsam rauspicken. Auch bei der Abschlussarbeit sind sie auf das Wohlwollen der Professoren und deren Bereitschaft eine Diplomarbeit zu betreuen, angewiesen. Aber ebenso mit einem Betreuer stehen die Altstudenten unter enormen Zeitdruck die Arbeit ordnungsgemäß abzugeben. Iris Schwarzenbacher sagt dazu: „Die Fristen zur Vollendung des Diplomstudiums dürfen nicht für die Abgabe von Diplomarbeiten gelten, dies bringt niemandem etwas und macht schlichtweg keinen Sinn.“
Kampf um den alten Studienplan
Die ÖH setzt sich dafür ein, dass den Studenten für ihren Abschluss Aufschub gewährt wird. An der BOKU konnte die Studienvertretung bereits eine Verlängerung des Studienganges Kulturtechnik und Wasserwirtschaft erzielen. Die Diplomstudenten trauern aber vor allem der Freiheit und der familiären Atmosphäre des alten Lehrplans nach, als man sich sein Studium noch individuell gestalten konnte und persönlichen Kontakt zu den Professoren hatte. Auch am Arbeitsmarkt genießt ein Diplomtitel derzeit noch mehr Ansehen als ein Bachelortitel. Cornelia Blum, Pressesprecherin des Rektorats an der Uni Wien erklärt: „In Unternehmen mit internationalem Background gibt es keine ‚Bachelor-Debatte’. Imagearbeit ist aber noch in österreichischen Unternehmen und Institutionen zu leisten.“ Ein paar Ausnahmen im Bologna Verfahren gibt es aber schon: So werden die Studiengänge Jus, Pharmazie und Theologie das Diplom bis auf Weiteres beibehalten.
Sabine Pusswald
Sabine Pusswald | Redakteurin & Content-Managerin
sabine.pusswald (ät) unimag.at
bei UNIMAG seit: Mai 2011
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