BÜCHERBÖRSE

Informations- und Diskussionsveranstaltung zum Thema Studiengebühren

  • geschrieben von Lukas Fischnaller und Isolde Walcher
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Die Diskussion is eröffnet. Bild:Isolde Walcher
Die Diskussion is eröffnet.

Bereits gegen 16 Uhr versammelten sich zahlreiche Studierende vor dem Eingang des Hörsaals U10 im Juridicum. Pünktlich um 16.30 Uhr wurden die Türen geöffnet und die Massen strömten in den großen Hörsaal. Zahlreiche Studierende drängten auf alle Sitzplätze, saßen auf den Treppen oder standen tapfer die zweistündige Diskussion durch.

Anwesende

• DDr. Heinz W. Engl, Rektor der Universität Wien
• Prof. Bettina Perthold, Vize-Studienprogrammleiterin am Juridicum
• Dr. Christa Schnabl, Vizerektorin Studierende und Lehre
• Dr. Heinz Faßmann, Vizerektor für Personalentwicklung und Internationale Beziehungen
• hunderte Studierende und Interessierte im Hörsaal U10 am Juridicum

Eröffnet wurde die Informations- und Diskussionsveranstaltung mit einer Rede des Rektors, in der er den Status quo der Universität Wien beschrieb, das Budget-Defizit von 15 Mio. Euro ansprach und auch darauf verwies, dass die derzeitige Situation „einmalig vertretbar“ sei. Der Monolog des Rektors wurde von einem Studenten mit der Frage unterbrochen, ob die Veranstaltung endlich in die Form einer Diskussion übergehen werde. (Auf der Homepage der Uni Wien veröffentlichte Rektor Engl eine Stellungnahme unter dem Titel „Budgetsituation 2012 – Maßnahmen und Perspektiven“)

Rektor Engl beendete seine Einführung mit der Feststellung, dass die Studienplatzfinanzierung und die Ausfinanzierung der Universität das Hauptthema sei und nicht (!) die Studiengebühren. Engl will sich am Verfassungsgerichtshof Klarheit über die rechtliche Situation verschaffen. Auf diese Feststellung hin fragten gleich zwei Studierende, warum nicht ein symbolischer Beitrag von 10 Cent bzw. 50 Euro an Studiengebühren ausreichend wäre, die Rechtssicherheit zu überprüfen.

Voller Saal im Juridicum WalcherTosenden Applaus erntete der Vorschlag, dass Studierende und Rektor doch miteinander für ein gemeinsames Ziel kämpfen sollten: Die Verantwortung für Studiengebühren sollte die Politik tragen. Für einen Tag sollten deshalb die Universitäten demonstrativ geschlossen bleiben, um somit einen medialen Druck auszuüben. Rektor Engl forderte, dass man ihm den Rücken stärkte, weigerte sich jedoch fortwährend mit den Studenten als geschlossene Einheit gegen die Politik und ihre Minister auf die Straßen demonstrieren zu gehen. Das Unverständnis der Studierenden war wenig überraschend groß.

 Der Rektor wurde auch beschenkt: Ein Kuchen wurde überreicht, der symbolisch geteilt werden sollte und nicht, wie viele annahmen, im Gesicht des Rektors landete.

 Allgemein war die Stimmung geprägt durch aktive Partizipation und überraschend guter Sittlichkeit. Ein anwesendes Mitglied des Senats hielt den Vergleich „Volksfeststimmung“ für angebracht, welches keiner demokratischen und akademischen Diskussion ähnle. Jedoch gab es viele Redebeiträge, teilweise mit präzisen Fakten und Zahlen, beispielsweise was die Verhältnismäßigkeit von Studiengebühren als Belastung für Studierende und Gewinnbringung für die Universität angeht. Teilweise kam es zu spontanen, lauten Wortmeldungen, die andere Studierenden mit einem beherzten „psssssst“ zu tilgen versuchten.

 Angesprochen wurden auch Themen wie die Audimax-Besetzung, die gewaltsam von der Polizei aufgelöst wurde. Ungereimtheiten, ob die Presse absichtlich vom Rektorat nicht ins Audimax eingelassen wurde, wurden zwar angesprochen, aber vom Rektorat dementiert. Engl führte auch die der Tür zugefügte Gewalt und die Verletzung einer Angestellten an. Dies brachte erboste Buhrufe der Studierenden.
Immer wieder aufkommende Diskussionen über den Bachelor „Internationale Entwicklung“ wurden auf die Veranstaltung am Mittwoch, 02.05. um 18.00 vertröstet.

Auf die Frage hin, warum die Veranstaltung nicht in einen größeren Hörsaal verlegt wurde, schmunzelte der Rektor und meinte, dass man kurzfristig keine Alternative gefunden hätte und aus gegebenem Anlass bewusst nicht das Audimax wählte.

 Beendet wurde die Veranstaltung mit dem obligatorischen Schlachtruf: „Wessen Uni? Unsere Uni!“ um 18.15 Uhr, um Platz für die danach stattfindende Lehrveranstaltung zu machen.


Das letzte Wort scheint noch nicht gesprochen zu sein: für Donnerstag, 26.04. sind neue Aktionen angekündigt, da an diesem Tag der Universitätssenat über Studiengebühren entscheiden wird.

 

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