BÜCHERBÖRSE

Gute Lehre, lästiges Gebäude

Gerhard Benetka ist Departementleiter für Psychologie an der Sigmund-Freud-Uni. Er sitzt gemeinsam mit sechs Kollegen in einem Büro, das nicht größer ist als ein halbes Klassenzimmer.

Die Privatuniversität liegt direkt an der U3 und am Autobahnknoten Prater. Zwischen zehnstöckigen Bürogebäuden erwartet hier kaum jemand eine Uni. Ein kleines Schild über dem Eingang weist darauf hin, was sich im grauen Betonblock verbirgt. Vizerektorin Jutta Fiegl erklärt, warum der ehemalige Sitz der Finanzschule des Bundes gewählt wurde: „Als wir die Universität im Jahr 2004 gründeten hatten wir kein Geld und nur 30 Studierende. Da waren wir froh über ein Gebäude mit passender Raumaufteilung und niedriger Miete.“

Herausforderung für Studierende und Personal

Das Haus sei „halt abgewohnt“, so Fiegl. Die Aufzüge ruckeln, als würden sie eine tonnenschwere Last transportieren, obwohl man alleine fährt. Die Hörsäle sind mit zerrissenen Teppichböden ausgelegt. Benetka schildert weitere Mängel: „Sobald die Uni hier ausgezogen ist wird das Gebäude abgerissen. Deshalb investiert keiner mehr in Reparaturen. Klemmt ein Fenster, dann wird es nicht repariert sondern stillgelegt. Wir leiden auch unter der fehlenden Wärmedämmung.“

 08 c Maria Rabl Die Sigmund-Freud-Uni mitten im IndustriegebietSeit die Uni 2005 akkreditiert wurde stieg die Zahl der Studierenden stetig. Derzeit sind mehr als tausend Personen inskribiert, weshalb die Universität heute fast das ganze Gebäude mietet. Das stetige Ansteigen der Studierendenzahl liege an der guten Lehre und an Studierenden, die aus der ganzen Welt an die SFU kämen, so Fiegl. Die Vizerektorin berichtet, dass man schon seit 3 Jahren auf der Suche nach einem neuen Standort sei: „Die Suche ist sehr schwierig. Wir wussten nicht, ob wir wieder Räume mieten oder ob wir ein Haus bauen sollen.“

Der neue Standort soll im Prater neben dem Neubau der WU sein. Die Übersiedlung ist für Ende 2014 fix. Für Benetka ist dies ein schwacher Trost: „Für uns Angestellte ist das ein Lichtblick, doch die meisten Studierenden schließen ihr Studium noch vor dem Umzug ab. Ich habe volles Verständnis für deren Unmut, denn schließlich zahlen sie rund 6.000 Euro Studiengebühren pro Semester.“ Erstklassige Lehre kostet jedoch auch.

Maria Rabl

Maria Rabl | Redakteurin & Content-Managerin

maria.rabl (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

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