BÜCHERBÖRSE

Wenn Linke sich selbst besetzen

Das Cafe Rosa wurde besetzt. Bild: Cafe Rosa/ÖH Uni Wien
Das Cafe Rosa wurde besetzt.

Kommentar

Das skandalgebeutelte Cafe Rosa war auch am Montag wieder in den Schlagzeilen. Um 13.14 Uhr erreichte die virtuelle Welt ein Tweet aus dem besetzten Cafe: „#caferosa ist befreit! ab jetzt #autonom und selbstverwaltet! Kommt alle, das Buffet wird bald eröffnet!“

Ob es sich bei den Besetzern tatsächlich um 'linke Studierende' handelt, wie in sämtlichen Medien zu lesen ist, bleibt dahingestellt. Spielt dann aber eine Rolle (sofern wahr), wenn man sich den Tatbestand genauer ansieht: Eine linke Gruppe besetzt ein von der linken ÖH finanziertes linkes anti, anti, anti Lokal. Mittlerweile haben die Besetzer die Räumlichkeiten wieder verlassen – und das ganz ohne einer polizeilichen Räumung.

Ziel der Besetzer war das „Aufgreifen und Erweitern der ursprünglichen Idee“: keine fixen Preise, kein Konsumzwang. Gäste sollen selbst entscheiden, was sie beitragen können und wollen. Abgelehnt werden Merkmale „eines ordinär geführten Lokales“, etwa eine Geschäftsführung und „Lohnabhängige“. Die ÖH Uni Wien gab gestern in einer Aussendung bekannt, Gespräche mit den Besetzern zu initiieren, die derzeitige Situation ernst zu nehmen und nach einer Lösung zu suchen. Heute erreichte uns die Nachricht, dass die ÖH die Besetzter „davon überzeugen konnte, die Aktion zu beenden, da die Vorgehensweise, ein Projekt wie das Cafe Rosa mit den gewählten Mitteln zu vereinnahmen, keinen Sinn macht und für niemanden ein zufrieden stellendes Ergebnis mit sich bringt.“

Freunde und Freundinnen hat sich die ÖH mit dem Cafe Rosa von Anfang an keine gemacht: eine halbe Million Euro an Beitragsgeldern für einen weltanschaulichen Wahnwitz in den Sand zu setzen, verzeihen die wenigsten. Bekanntlich will die ÖH der Uni Wien die wirtschaftliche Führung des Lokals abgeben, denn zu den bereits 443.000 Euro an Ausgaben kommen sonst allein für das Jahr 2012 noch 80.000 Euro Verlust dazu. Jetzt ist man auf der Suche nach einem Pächter. Nur, das Konzept des Rosa ist vorgegeben und der neue Pächter hat sich daran zu halten. Ob der oder die Neue ein Anti-Lokal führen kann und will, das sich wirtschaftlich als nicht überlebensfähig erwiesen hat?

Lukas Fischnaller

Mag. Lukas Fischnaller | Chefredakteur
Twitter: @lukfis1

Kontakt: lukas.fischnaller(ät)unimag.at

Webseite: www.unimag.at
 

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