BÜCHERBÖRSE

„Bildung muss in Österreich Priorität haben!“

  • geschrieben von Stefan Weiss, Lena Widmann und Lukas Fischnaller
  • Drucken
  • eMail
auch in innsbruck und linz wurde inzwischen beschlossen studiengebhüren einzuheben bild: unimag
auch in innsbruck und linz wurde inzwischen beschlossen studiengebhüren einzuheben

Rund um die Themen Studiengebühren, Finanzierung und Zufriedenheit mit der aktuellen Situation an den österreichischen Universitäten befragte UNIMAG den von der ÖVP eingebrachten Wissenschaftsminister, die Wissenschaftssprecher der Opposition, Rektoren und Rektorinnen, die ÖH-Bundesvertretung, den Bundesobmann der AG und den Mediensprecher des Verfassungsgerichtshofs.

Wie würde die Einführung von Studiengebühren die Situation an österreichischen Universitäten verändern und welche qualitativen Veränderungen würde es geben?

bundesminister-o.univ.-prof. dr.-karlheinz tchterle c vp jakob glaserTöchterle An dem Sprichwort „Was nichts kostet, ist nichts wert“ ist etwas Wahres dran. Jedoch dürfen Studienbeiträge niemanden vom Studieren abhalten. Es braucht ein Bündel an sozialen Maßnahmen, wie ich sie auch in meinem Studienbeitrags-Modell vorgesehen habe. Weiters sind Studienbeiträge nicht unwesentlich für das Uni-Budget, die als Mittel für den Lehr- und Forschungsbetrieb zur Verfügung.

Widmann (BZÖ) Studiengebühren würden die Universitäten finanziell entlasten. Wer sein  Studium in der Mindeststudiendauer abschließt, soll die Gebühren zurückerstattet bekommen. Damit könnte man Studienrichtungen aufrechterhalten, die jetzt in Diskussion stehen.4667 fp-wissenschaftssprecher nabg. dr. martin graf c schuster michael

Graf (FPÖ) Ein finanzieller Effekt für die Unis ergibt sich nicht. Und qualitative Veränderungen würde es auch keine geben, denn es bedarf dringend einer tatsächlichen Hochschulmilliarde.

Grünewald (Die Grünen) Studiengebühren verbessern die Finanzlage nur marginal und verbessern die schlechte Situation keinesfalls. Leider müssen zwei Drittel der Studierenden arbeiten, um sich ein Studium leisten zu können.

4567 univ.-prof. dr. christa neuper rektorin der karl-franzens-universitt graz c uni graz franklNeuper (Rektorin Uni Graz) Wesentlich ist, dass es für die Einhebung von Studienbeiträgen rechtlich sichere Rahmenbedingungen geben muss. Studienbeiträge können einen gewissen Beitrag zur finanziellen Situation der Universität leisten, dürfen aber niemanden vom Studium abhalten und müssen sozial verträglich gestaltet sein.

Lengauer (Vizerektor Uni Klagenfurt) Studiengebühren würde wahrscheinlich nur eine geringe merkbare Veränderung bringen, weil der bisherige Studienbeitrag nur einen sehr geringen Teil der Gesamtkosten für ein Studium ausmacht.

 

4567 univ.-prof. dr. heinrich schmidinger rektor der universitt salzburg und prsident der sterreichische universittenkonferenz c universitt salzburgSchmidinger (Rektor Uni Salzburg, Präsident der UNIKO) Zum einen würden die Universitäten über erheblich mehr Geld verfügen, zum anderen würde sich aber auch die Situation im Bereich der Stipendien und Förderungen der Studierenden beträchtlich verbessern.

 

4567 univ.prof. ddr. harald kainz rektor der tu graz c tu graz franklKainz (Rektor TU Graz) Studienbeiträge sind ein sinnvolles Instrument, das Vorteile für Studierende und Universitäten insgesamt bringt. Ich bin für Studienbeiträge, verbunden mit einer Zweckwidmung eines Teiles der Beiträge für sozial schwache Studierende und zur Förderung besonders begabter Studierender.

 

Gruber (VSSTÖ) Die Wiedereinführung von Studiengebühren würde die Studienbedingungen kaum bis gar nicht verbessern, für das Gesamtbudget wäre es einfach nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

 

4567 h-bundesvertretung v. l. angelika gruber vsst janine wulz gras und martin schott fl c lukas fischnallerWulz (GRAS) An den Lehrverhältnissen und an den Studienbedingungen wird sich nichts ändern. Das einzige, was sich verändern und erhöhen wird, ist die Anzahl jener Studierenden, die es sich nicht leisten können, zu studieren.

 

Brenner (AG) Die Einführung von Studiengebühren würde wenig verändern. Einzig das Ping-Pong-Spiel zwischen Politik und Rektoraten würde damit beendet werden. Wenn Studierende Gebühren zahlen sollen, dann erwarten sie sich Platzgarantien in Seminaren, die ein Vorankommen im Studium ohne kapazitätsbedingte Hindernisse ermöglichen.

 

Sind Sie mit der aktuellen Situation an den österreichischen Universitäten zufrieden? Wo besteht Verbesserungspotenzial?

 

Töchterle Ganz zufrieden kann man nie sein, es gibt immer Verbesserungspotenzial. Wir haben an zahlreichen Instituten sehr gute Rahmenbedingungen, da passen Qualität und Leistung, da spielen Forschungstreibende international an der Spitze mit. In Massenstudien möchte ich, dass die Unis endlich ihre Kapazitäten leben dürfen und es faire Zugangsregelungen gibt.

 

4567 bz-wissenschaftssprecher abg. mag. rainer widmann c parlamentsdirektion wilkeWidmann (BZÖ) Die Hochschulpolitik ist einer der größten Baustellen der Innenpolitik. Es fehlt die langfristige finanzielle gute Ausstattung für Forschung und Lehre an den Unis. Und es fehlt ein moderneres Dienstrecht mit Zukunftsperspektiven für das Lehrpersonal. Überall gibt es nur Ankündigungen.

 

Graf (FPÖ) Man kann die Studierenden nicht zur Kasse bitten, wenn die Uni selbst die versprochenen Leistungen nicht erbringt. Das wichtigste Ziel ist es, den freien Hochschulzugang wieder herzustellen. Vor diesem Hintergrund ist auch zu kritisieren, dass es die Rektoren sind, die bei der Einführung einer studienplatzbezogenen Finanzierung seit Jahren auf der Bremse stehen

 

4567 die grnen-gesundheits- und wissenschaftssprecher abg. univ.-prof. dr. kurt grnewald c die grnenGrünewald (Die Grünen) Laut den Rektoren und Rektorinnen sind die Universitäten lediglich zu etwa zwei Drittel ausfinanziert. Verbesserungspotential sollte die Politik erkennen, indem die laufende Schönfärberei einer realistischen Betrachtung von Lehre und Forschung an unseren Universitäten Platz macht.

 

Neuper (Rektorin Uni Graz) Universitäten sind ein wichtiger Faktor und Motor für den gesamten Standort. Es ist daher wichtig, dass die Bundesregierung das vom Nationalrat beschlossene Ziel  von 2% des BIP bis 2020 weiterverfolgt. Derzeit halten wir bei etwa 1,3%. Bildung muss in Österreich Priorität haben!

 

4567 univ.-prof. dr. hubert lengauer vizerektor fr internationale beziehungen und lehre der alpen-adria-universitt klagenfurt c uniklu gleissLengauer (Vizerektor Uni Klagenfurt) In manchen Universitäten und manchen Bereichen bestehen gute Betreuungsverhältnisse, in manchen schlechte. Das Ziel ist, in allen Studien gute Betreuungsverhältnisse zu gewährleisten und auf diesem Wege die Prüfungsaktivität zu erhöhen und damit letztendlich auch den Studienerfolg zu verbessern.

 

4567 univ.prof. dr. sabine seidler rektorin der tu wien c j. zinnerSeidler (Rektorin TU Wien) Zufrieden kann ich nicht sein. Sowohl Wissenschaft und Forschung als auch Bildung im Allgemeinen brauchen einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft. Hochschulpolitik ist aber leider kein Wunschkonzert.

 

Gruber (VSSTÖ) Die aktuelle Situation lässt sich am Beispiel der IE sehr gut zeigen: Was für ein Kompliment für einen Rektor ist es, wenn Studierende für den Erhalt ihres Studiums kämpfen? Das beste Feedback, dass sich ein Rektor wünschen kann!

 

Wulz (GRAS) Ich bin in keinster Weise mit der aktuellen Situation zufrieden. Töchterle will seine Vorhaben irgendwie mit der Brechstange durchbringen, obwohl er die inhaltliche Ebene schon längst verlassen hat.

 

4567 martin brenner bundesobmann der aktionsgemeinschaft agBrenner (AG) Mit der Situation an den österreichischen Universitäten kann man praktisch nicht zufrieden sein. Verbesserungspotentiale sehe ich in der fundamentalen Stärkung der Unifinanzen, Erhöhung der Mobilität im Studium, Verbesserung der Informationspolitik für Studienanfänger, geregelter Hochschulzugang in überfüllten Studienrichtungen und Reform des Beihilfensystems.

 

Schott (FLÖ) Mit dieser Art von Politik kann ich nicht zufrieden sein. Völlig unverständlich, wie die österreichische Bildungspolitik angegangen wird.

 

4567 mag. christian neuwirth mediensprecher des verfassungsgerichtshof c vfghNeuwirth (Mediensprecher des Verfassungsgerichtshofs) Der Verfassungsgerichtshof hat Regelungen zu den Studiengebühren aufgehoben und eine Reparaturfrist gesetzt. Diese Reparaturfrist wurde nicht genützt. Das bedeutet, dass es derzeit keine gesetzliche Grundlage für Studiengebühren gibt. Ob einzelne Universitäten trotzdem autonom Studiengebühren einheben können, ist Gegenstand von juristischen Diskussionen. Eine Stellungnahme des VfGH zu einer Prognose, ob eine solche Einhebung möglich ist oder nicht, kann ich Ihnen nicht geben. Es ist anzunehmen, dass dieses Thema durch Beschwerden an den VfGH herangetragen wird. Erst nach einem solchen Verfahren ist eine Antwort möglich.

 

Überblick Studiengebühren

 

Ja Nein

Uni Wien

TU Wien

WU Wien

Angewandte Wien

VetMed Wien

Darstellende Kunst Wien

 

Akademie Bildende Künste Wien

 

BoKu Wien

 

Med-Uni Wien

Uni Graz

Med-Uni Graz

TU Graz

 

 

Montan-Uni Leoben

Uni Innsbruck

Med-Uni Innsbruck

Mozarteum Salzburg

Uni Salzburg

Universität Linz

Kunst-Uni Linz

 

Uni Klagenfurt

 

Log in or create an account

fb iconLog in with Facebook