BÜCHERBÖRSE

IE-Bachelor verzichtbar?

ie-demo am lifeball Bild: bagru.ie
ie-demo am lifeball

Kommentar

Eines sei vorweggenommen: Die Abschaffung ganzer Studiengänge als traurige Quintessenz der chronischen Unterfinanzierung unserer Universitäten ist selbstverständlich zu verurteilen.

Anstatt auf ein in Europa einmaliges Studium stolz zu sein und dessen Ausfinanzierung zu garantieren, wird der Internationalen Entwicklung ihre noch junge Geschichte zum Verhängnis. Erst vor zwei Jahren eingeführt und bei Studierenden beliebt, soll dem Bachelor nun der Garaus gemacht werden. Das Sozialwissenschaftlern immanente Gefühl nicht gebraucht zu werden, erfährt im wenig etablierten Studium der IE seinen tragischen Höhepunkt. Während sich Politikwissenschaft und Co. ihren Platz über die Jahrzehnte erkämpfen mussten, ringt die Internationale Entwicklung seit ihrer Gründung um Anerkennung. Ein Studium, das derart viele Disziplinen in sich vereint, hat es naturgemäß schwer, sich als eigenständig zu etablieren.

Vielleicht doch besser abschaffen?

Angesichts des transdisziplinären Charakters dieses Studiums drängt sich jedoch die Frage auf, ob es nicht sogar förderlich wäre, den Bachelor bei gleichzeitiger Aufwertung des Masterlehrgangs abzuschaffen, um Sozialwissenschaftler und Ökonomen aus den verschiedenen Disziplinen im Master zusammenzuführen. Viele IE-Studierende absolvieren bereits jetzt ein sozialwissenschaftliches Zweitstudium. An einen PoWi- oder Soziologie-Bachelor mit internationalem Schwerpunkt ließe sich der IE-Master problemlos anschließen, wie dies bereits andere Masterlehrgänge gezeigt haben. Dass die Abschaffung des Bachelors möglicherweise eine vernünftige Rationalisierungsmaßnahme sein könnte, tut allerdings der Tatsache keinen Abbruch, dass zahlreiche Professuren nicht mehr nachbesetzt werden, der universitäre Mittelbau zum Prekariat verkommt und die Studiengebühren als „ultima ratio“ verkauft werden, die sie nun wahrlich nicht sind.

 

Stefan Weiss

Stefan Weiss | Freier Journalist

Studiert Politikwissenschaft und Kunstgeschichte an der Uni Wien. Er betreibt einen Blog für Politik, Kunst und Kultur und schreibt für verschiedene Print- und Onlinemedien.

stefan.weiss (ät) unimag.at

 

Webseite: stefanweiss.at
 

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