BÜCHERBÖRSE

USAustria

Neue Medien, markige Sprüche, Duelle und Showdowns: Im Superwahljahr 2013 siegt Populismus wohl endgültig über Inhalte.

Man muss nicht erst den letzten US-Wahlkampf mitverfolgt haben um festzustellen, dass politische Kommunikation – gemessen an amerikanischen Maßstäben – hierzulande als bieder bis konservativ gilt. Spätestens im Superwahljahr 2013 jedoch, wird Österreichs politische Kultur wohl endgültig von jener Entwicklung eingeholt, die als „Amerikanisierung“ Eingang in Sprachgebrauch und Wissenschaft gefunden hat.

Vom Gemeinderat bis ins Bundeskanzleramt wird getwittert und geposted, dass die Tasten nur so glühen. Besonders am cineastischen Sektor herrscht derzeit Pionier- und Experimentierfreude unter den politischen Bewerbern. Amüsantes gab es hier vor allem aus Kärnten, wo sich Kurt Scheuch tierliebend mit Schlange und Vogelspinne zeigte und das BZÖ bildgewaltig den Berliner Mauerfall mit der kommenden Kärntner Landtagswahl verglichen wissen wollte. In Niederösterreich gab es filmische Höhepunkte aus dem Hause Rosenkranz (FPÖ), wo neben „Nachrichten vom Christkind“, vor allem ein Meisterwerk mit dem Titel „Heimat schützen – Grenzen sichern!“ neue Maßstäbe setzt. Auch Rosenkranz‘ politische Mitbewerber bleiben hier vom neuen Fremdschäm-Populismus nicht verschont: So fordert der austrokanadische Politmessias Frank Stronach sinngemäß zum „Duell unter Männern“ auf, wohingegen man auf Prölls Plakaten 2013 das Kürzel ÖVP vergebens sucht. Schwächelt die Partei, vertraut man eben lieber auf den eigenen Nimbus. Personalisierung, die zunehmende Zentrierung auf die Person des Politikers, wird wohl 2013, ganz im Stile der US-Wahlkämpfe, auf die Spitze getrieben werden.

Wenngleich das politische Spektrum im neuen Jahr um einige interessante Parteien reicher geworden ist (Piraten,Neos), als Sieger wird am Ende wohl der Populismus hervorgehen.

Stefan Weiss

Stefan Weiss | Freier Journalist

Studiert Politikwissenschaft und Kunstgeschichte an der Uni Wien. Er betreibt einen Blog für Politik, Kunst und Kultur und schreibt für verschiedene Print- und Onlinemedien.

stefan.weiss (ät) unimag.at

 

Webseite: stefanweiss.at
 

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