TRAINEEPROGRAMME

ÖH-Wahlen: Was sagen uns die Wahlplakate?

Schon Wochen vor der ÖH-Wahl, die vom 14. bis 16. Mai stattfinden wird, werfen sich die meisten Wahlwerbenden in die Materialschlacht. Wir haben für euch die ersten Plakate analysiert.

Alle anderen Listen haben bisher keine Plakatwerbung gestartet, oder verzichten darauf. Darüber hinaus erhebt diese Analyse keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Aktionsgemeinschaft (AG)

Eines der Wahlplakate der AG

Die ÖVP-nahe Aktionsgemeinschaft, derzeit stärkste Fraktion in der ÖH, lässt sich auf ihren Plakaten inhaltlich schwer festmachen. Diffuse Schlagwörter wie Service, Gerechtigkeit und Zukunft lassen auf kein konkretes politisches Programm schließen. Zu viel Text und zu viele verschiedene Farben erschlagen den Betrachter, wodurch die ohnehin vage Botschaft nicht wirklich ankommt. Grafisch altbacken und fantasielos wirken auch die übrigen Plakate, welche jeweils einen Kandidierenden und deren durchaus bemühte Forderungen in den Mittelpunkt stellen. Vor Rechtschreibfehlern scheint man auch nicht gefeit: So wird „Das Ende des univis-Roullettes!“ mit zwei „l“ gefordert. Von der gegenwärtig stärksten ÖH-Fraktion darf man mehr erwarten. 

Grüne und Alternative StudentInnen (GRAS)

Eines der Wahlplakate der GRAS

Im charmanten Befehlston plakatieren die Grünen ihre Forderungen nach „Freier Mobilität“, „Freier Bildung“ und „Leistbarem Wohnen“. Mit dem Slogan „Feminismus ist In“ schreibt man sich als bisher einzige Fraktion den Feminismus auf die Fahnen. Die Themen wirken sorgsam gewählt: Mit Studiengebühren, Öffi-Ticket und Wohnraum scheut man sich nicht vor sensiblen Fragen und bringt die Botschaft mit wenigen Worten auf den Punkt. Grafisch wirkt man am kreativsten unter den Wahlwerbenden. Die GRAS kommen ohne Fotos der Kandidierenden aus und setzen stattdessen auf flottes Design im Kozept-Stil, in dem vor allem auch der Wunsch nach einer begrünten Stadt mit ökosozialer Identität ersichtlich ist.

Eines der Wahlplakate des VSSTÖ

Verband sozialistischer StudentInnen (VSSTÖ)

Die SPÖ-Vorfeldorganisation hat keine Kosten und Mühen gescheut und stellt professionellen Fotografien einiges an Inhalt zur Seite. Neben klassischen sozialistischen Grundwerten wie „Freiheit“ und „Gleichheit“ plakatiert man konkrete Forderungen. Auf schwammige Formulierungen, wie bei anderen Mitbewerbern, wird großteils verzichtet. Beim freien Hochschulzugang fassen die Sozialisten  das gesamte Bildungssystem ins Auge und fordern auch die Gesamtschule. Die Gruppen-Fotografie wirkt etwas künstlich und inszeniert, ähnliche Kampagnen sind daran schon gescheitert. Grafisch und farblich ansprechend, enthalten die Plakate jedoch etwas zuviel Text um wirklich ins Auge zu springen.

Junge Liberale (JuLis)

Eines der Wahlplakate der JULIS

Eines ist klar: Die Liberalen provozieren. So landeten von Unbekannten entwendete Plakatständer flugs im Straßengraben am Leopoldsberg, wie Spitzenkandidatin Claudia Gamon auf ihrem Fotoblog berichtet. Auf einigen Plakaten wird sie auch prominent fotografisch in Szene gesetzt. Inhaltlich setzt man vor allem auf ein Thema: Die Wiedereinführung von Studiengebühren. Slogans wie  „Deine Mutter zahlt mein Studium!“, „Qualität. Studiengebühren. JuLis.“ und „Dein Beitrag für deine Uni!“ machen mehr als deutlich, dass die Liberalen mit der klassischen Forderung nach „mehr Privat, weniger Staat“ in den Wahlkampf ziehen. Die Taktik, sich auf eine Zielgruppe, nämlich die der Studiengebühren-Befürworter, zu konzentrieren, ist mutig und könnte durchaus aufgehen. Farblich und inhaltlich orientiert man sich an bisherigen Wahlkämpfen und der deutschen FDP.

Eines der Wahlplakate des RFS

Ring Freiheitlicher Studenten (RFS)

Ein unbeschädigtes, unübermaltes oder unüberklebtes Plakat des FPÖ-Studentenbundes zu finden, stellt sich als schwierig heraus. Bei einigen lässt sich aber noch eruieren, welche Botschaft die Freiheitlichen an den Studenten bringen wollen. „Studiengebühren für Nicht-Österreicher“ und „Geld für‘s Studieren statt Randalieren“ sind zentrale Slogans der Kampagne. Grafisch und sprachlich orientiert man sich an vergangenen FPÖ-Wahlkämpfen, wo neben dem oft in Reimform geschriebenen Slogan, auch der Spitzenkandidat im klassischen Schulterportrait inszeniert wird. Der grafische Konnex zur Mutterpartei spricht vor allem FPÖ-Sympathisanten an. Andere Wählerschichten wird man so allerdings schwer erschließen können.

Kommunistischer StudentInnenverband - Linke Liste (KSV-LiLi)

Eines der Wahlplakate des KSV-LiLi

Der KPÖ-treue Teil des zersplitterten kommunistischen Lagers setzt auf Slogans in verschiedenen Sprachen, im Zentrum die Parole „Vota Comunista!“. „Her mit dem schönen Leben!“, „Macht Wissen zu Widerstand!“ oder das Brecht-Zitat „So, wie es ist, bleibt es nicht“, werden durch teils martialische schwarz-weiß Bilder im Collagen-Stil ergänzt. Betont werden das Kampf-Element der Straße und der aktive Widerstand. Selbst wenn die theatralische schwarz-weiß-Optik eher wie ein Aufruf zur kollektiven Vergangenheitsbewältigung wirkt, die Zielgruppe, jene die auch gerne einmal auf die Straße gehen, kann man so erreichen.

Kommunistischer StudentenInnenverband(KSV)

Eines der Wahlplakate des KSV

Auch hier findet man wenige unbeschädigte Plakate, was zeigt, dass an den politischen Rändern der Wahlkampf mit harten Bandagen gekämpft wird. Die zweite kommunistische Liste umfasst den von der Bundes-KP abgespalteten Teil des KSV und die Kommunistische Jugend Österreichs. „Don‘t let the system get you down“, lautet der zentrale Slogan der Liste. Gegen Knock-Out-Prüfungen, gegen STEOPs und gegen Studiengebühren. Auch hier betont man bewusst das Motiv des Kampfes. Grafisch geht man jedoch einen völlig anderen Weg als die Linke Liste, indem man sich mehr am Mainstream orientiert. Blumiger, farbiger und weniger martialisch, scheint man hier aus dem radikalen Eck heraus zu wollen, um breitere Wählerschichten anzusprechen. Gemeinsam mit der Linken Liste verfolgt man so eine Doppelstrategie, die durchaus zum Erfolg führen kann.

 

Stefan Weiss

Stefan Weiss | Freier Journalist

Studiert Politikwissenschaft und Kunstgeschichte an der Uni Wien. Er betreibt einen Blog für Politik, Kunst und Kultur und schreibt für verschiedene Print- und Onlinemedien.

stefan.weiss (ät) unimag.at

 

Webseite: stefanweiss.at
 

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