BÜCHERBÖRSE

Haben Tiere eine Würde?

Es wird höchste Zeit, unseren Umgang mit Tieren zu überdenken! (c) Fischer Verlag
Es wird höchste Zeit, unseren Umgang mit Tieren zu überdenken!

Dieser brisanten und hochwichtigen Frage sowie den einzelnen Ausprägungen vom Verhalten des Menschen gegenüber Tieren widmet sich Antoine Goetschel, Tieranwalt aus der Schweiz und Mitbegründer der Stiftung für das Tier im Recht, in seinem Werk „Tiere klagen an“.

„Warum landet die Katze auf dem Schoß und der Fisch in der Pfanne?“

Unser Herz für Tiere ist wählerisch, anders kann Goetschel es sich nicht erklären, dass manche Tiere brutal behandelt und gegessen werden während andere ein Leben als Könige führen. Mitgefühl und Wertschätzung variieren sehr stark je nach Tierart, was sich zum Großteil nach unbewusst wirkenden Traditionen der jeweiligen Kulturen richtet. Ebenso bestimmen Kulturen, welchen Rang ein Tier in der Gesellschaft und Wertschätzung der Menschen hat. Einfach gesagt müssen Tiere uns Menschen oft in Aussehen, Beschaffenheit und Verhalten ansprechen, um gut behandelt zu werden, während sie in Massentierhaltungen ein Leben als Rohstofflieferanten fristen.

„Zu einer bedauernswerten Existenz hinter Käfigstäben verurteilt“

In kaum einer Branche wie in der Fleischbranche bleiben dem Tieranwalt zufolge so viele Rechtsbrüche ungeahndet. Kooperationen von Tierärzten und der Fleischindustrie zeigen sich vor allem auch im Verbrauch von Antibiotika. Medikamentenmissbrauch an Tieren steht somit an der Tagesordnung.
Mit seinem Werk will der Autor nicht nur den absurden Vergleich zwischen nagestehenden Wesen und anonymen, verarbeiteten Individuen näher beleuchten, sondern mit der Dokumentation seiner Fälle auch das Gespräch über den respektvollen Umgang mit Tieren voranbringen.

Tiere als Prüfinstrumente und Messgeräte

Welche Tierart ist von artgerechter Haltung am weitesten entfernt?
Warum sind die Betreiber von Therapiezentrum wie etwa den berüchtigten Delfintherapien die einzigen, die davon profitieren?
Welche Sinnhaftigkeit hat es, sich eines der stärksten Gifte der Welt zur Erfüllung eines vermeintlichen Schönheitsideals unter die Haut zu spritzen?

Das und vieles mehr behandelt Goetschel ehrlich und neutral in seinem Werk und prangert dabei stets das Tiersterben zum Zwecke menschlicher Bedürfnisse, wie etwa einem faltenfreien Gesicht, oder krankmachende Zuchtideale und Haltungsbedingungen an.  In einem eigenen Kapitel widmet er sich den Belastungskatalogen, die Schmerzen und Beeinträchtigungen der Tiere quantifizieren sollen sowie den erschreckenden Beispielen, Rahmenbedingungen und Nutzen von Tierversuchen oder transgenen Tieren.

„Sind Tierschützer die besseren Menschen?“

Seine dreijährige Arbeit als Rechtsanwalt für Tierschutz in Strafsachen im Kanton Zürich und Tätigkeit als weltweit führender Tieranwalt hilft dem Autor dabei, das Thema von einer speziellen Seite aus zu betrachten. Er bringt dabei Tatsachen ans Licht, vor denen einem graut. Obwohl er selbst in der Einleitung des Buches betont, er möchte durch seine Geschichten und Tatsachenberichte niemanden zum Vegetarier oder Veganer erziehen, so wird einem beim Lesen des Buches doch klar, die eigenen Essgewohnheiten zumindest zu überdenken und vielleicht auf das eine oder andere Produkt zu verzichten, wenn man das nicht sowieso schon tut!

Buchinfos

Antoine Goetschel
Tiere klagen an
Fischer Verlag
9,99 Euro

Stefanie Jennel

Stefanie Jennel | Redakteurin

stefanie.jennel (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: September 2011

 

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