Hidden Champions sind hoch innovativ, investieren überdurchschnittlich in Forschung und Entwicklung – und sind dennoch vielen Menschen unbekannt. Doch wer dort einsteigt, hat garantiert einen besonderen Job bei einem Weltmarkführer. Und die persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten sind meist ausgezeichnet.

Ob Marcel Hirscher, Roger Federer oder Cristiano Ronaldo: Wer an Siegertypen denkt, hat meist Champions im Sinn, die im Rampenlicht stehen – gerne mit ein wenig Glamour. Doch die Wirtschaft funktioniert anders als der Sport: Hier werden sogenannte „Hidden Champions“ Weltmarktführer in ihrem Segment, ohne dass sie einem großen Publikum bekannt wären. Denn die „heimlichen Gewinner“ sind oft technologisch extrem spezialisiert und bieten meist keine populären Markenprodukte an. An die Spitze haben sie es mit hochwertigen, in aller Welt benötigten Hightech-Komponenten gebracht, die zwar jeder Experte kennt, aber selten die breite Öffentlichkeit.

Hidden Champions sind fast immer typische Mittelständler. Sie sind meist inhabergeführt oder stehen noch in der Tradition eines Familienunternehmens. Sie tummeln sich auf eng definierten Märkten, sind aber wachstumsorientiert und vergrößern ihre Märkte häufig kontinuierlich – möglichst weltweit. Und sie sind hoch innovativ, investieren überdurchschnittlich in Forschung und Entwicklung, um in ihrer Branche an der Spitze zu bleiben, und arbeiten mit einer hohen Fertigungstiefe. Die eigene Entwicklung und Produktion notwendiger Komponenten hat Vorrang – eine Voraussetzung dafür, die Qualität und den technischen Vorsprung zu halten. Der Vertrieb der Produkte erfolgt häufig direkt oder über Tochtergesellschaften im Ausland. Entsprechend eng ist die Bindung zum Kunden.

Technischer Nachwuchs für den Weltmarkt

All das macht Hidden Champions auch attraktiv für qualifizierten technischen Nachwuchs. Und der wird benötigt, um sich gegenüber der Konkurrenz auf dem Weltmarkt behaupten zu können. Gerhard Kleemaier ist einer dieser Hightech-Experten, die bei ihrer Jobwahl besonders die technische Herausforderung suchten. „Mir kam es darauf an, mein bisheriges Wissen einzubringen und an vorderster Linie an innovativen Lösungen in zukunftsträchtigen Aufgabenbereichen mitzuwirken. Dies im Rahmen eines global tätigen Unternehmens erfahren zu können, macht das Ganze noch einmal attraktiver“, erklärt der Diplom-Ingenieur, der sein Master-Studium „Geomatics Science“ an der TU Graz abschloss. Heute ist er Product Manager im Bereich „Connected Road“ der Kapsch TrafficCom. „Als ich auf die ausgeschriebene Stelle stieß, bewarb ich mich sofort“, berichtet Gerhard Kleemaier.

Das Familienunternehmen wurde 1892 gegründet. Aus der Wiener Werkstatt des Firmengründers Johann Kapsch wurde später die „Telefon- und Telegrafen-Fabriks-Aktiengesellschaft Kapsch & Söhne“. Heute ist die Kapsch Group ein weltweit tätiger Technologiekonzern, der sich mit mehr als 7.200 Beschäftigten und einem Umsatz von über 1,1 Milliarden Euro zu beachtlicher Größe entwickelt hat und sich in drei Geschäftsbereichen auf Telekommunikations- und Mobilitätslösungen konzentriert. „Der Fokus der Kapsch TrafficCom liegt auf der Zukunft der Mobilität, etwa elektronischen Mautsystemen und smarten Verkehrsmanagementlösungen. Die Kapsch BusinessCom ist unter anderem auf Cybersicherheit spezialisiert, die Kapsch CarrierCom auf Kommunikationslösungen für Bahnbetreiber“, erläutert Employer Branding Managerin Andrea Kneisz.

Foto: TommL – istock.com

Flache Hierarchien

Viele Absolventen zieht es nach ihrem Hochschulabschluss in die großen Konzerne, weil sie dort bessere Entwicklungsmöglichkeiten vermuten. Das hat häufig mehr mit der Strahlkraft bekannter Marken zu tun als mit den tatsächlichen Chancen auf der Karriereleiter. Tatsächlich erlauben es oft eher die flacheren Hierarchien und weniger voneinander abgeschotteten Abteilungen bei den aufstrebenden Mittelständlern, verantwortungsvolle Aufgaben zu übernehmen. Und die größere Nähe zu Führungskräften und zur Geschäftsleitung sorgt dafür, dass dies intern auch auffällt. Der schnellere Überblick über die Prozesse im Gesamtunternehmen und die Ausrichtung auf internationale Märkte bietet Berufseinsteigern ebenfalls meist gute persönliche Entwicklungschancen.

Das Problem gerade in Zeiten des Fachkräftemangels: Die Hidden Champions sind in Fachkreisen bestens bekannt, aber noch nicht unbedingt beim technischen Nachwuchs, den die wachstumsorientierten Unternehmen dringend benötigen. Also gilt es, ihn auf sich aufmerksam zu machen. „Besonders wichtig ist uns der persönliche Kontakt mit den Studierenden sowie Absolventinnen und Absolventen. Wir kooperieren mit Universitäten und Fachhochschulen in der Lehre und sind bei Karriereveranstaltungen in ganz Österreich präsent. Zusätzlich veranstalten wir etwa Kamingespräche mit unserem CEO Georg Kapsch und Mitgliedern des Management Boards“, erklärt Andrea Kneisz von Kapsch.

Familiäre Atmosphäre

Gerhard Kleemaier sammelte während des Studiums Berufserfahrung in Form von Praktika und geringfügigen Anstellungen, sowohl in der Privatwirtschaft als auch im wissenschaftlichen Bereich. „Auf diese Weise einen Einblick in die Berufswelt zu bekommen, kann ich nur empfehlen“, so der Absolvent der TU Graz.

Bei Kapsch TrafficCom erleichterte ihm ein spezielles Onboarding-Programm den Einstieg. „Dadurch hatte ich bereits nach kurzer Zeit einen guten Überblick, was sich bei größeren Konzernen oftmals nicht so einfach darstellt. Das Unternehmen legt Wert auf ein gutes Zusammenarbeiten anstelle eines anonymen Nebeneinanders. Das zeigt sich auch darin, dass man die Mitglieder des Vorstands immer wieder in den unterschiedlichen Bereichen und Abteilungen sieht und sie sich mit den Angestellten unterhalten“, berichtet der Ingenieur.

Karrieremöglichkeiten nicht nur für Techniker

Gute Karrierechancen bieten die Hidden Champions nicht nur für Techniker. Der enge Kontakt zu den Kunden erfordert etwa Experten für den Vertrieb. Und wer sich mit Hightech-Konzernen misst, tut gut daran, auch seine Außendarstellung zu optimieren und den Bekanntheitsgrad in der Zielgruppe zu erhöhen. Stefanie Forstner, die Kommunikationswirtschaft studierte und als Marketing and Communications Manager bei Kapsch begann, nahm ebenfalls an den Onboarding-Tagen teil. Wie Gerhard Kleemaier hebt sie die Atmosphäre im Familienunternehmen hervor: „Ich wurde ausgiebig geschult und man spürt sehr stark den Zusammenhalt der Mitarbeiter – und auch die Förderung und Unterstützung seitens des Managements“, so die Absolventin der FH Wien.

Zu solcher Förderung gehört bei den Hidden Champions auch die Chance zur persönlichen Weiterentwicklung. „Die Möglichkeit zur Weiterbildung, die ich hier habe, war ein weiteres Kriterium für meine Entscheidung für das Unternehmen“, bestätigt Kapsch-Mitarbeiter Kleemaier. „Je nachdem, in welche Richtung man sich entwickeln möchte, gibt es viele Optionen, zum Beispiel Soft-Skill-Trainings zu Rhetorik, Präsentation oder Konfliktmanagement oder Diversity Trainings. Persönlich habe ich einen technischen Hintergrund, deshalb würde sich eine zusätzliche wirtschaftliche Ausbildung anbieten, etwa ein MBA“, so der Produktmanager weiter.

Hidden Champions sind hoch innovativ und investieren überdurchschnittlich in Forschung und Entwicklung

Entwicklungschancen ausloten

Wer sich für den Einstieg bei einem Hidden Champion interessiert, sollte sich schon im Vorstellungsgespräch nach den Weiterbildungsmöglichkeiten erkundigen. Denn gerade die besonderen Entwicklungschancen – für das Unternehmen wie für die Mitarbeiter – machen die heimlichen Weltmarktführer aus. Und ob diese wirklich so im Verborgenen agieren, wie der Begriff „Hidden Champions“ vorgibt, lässt sich leicht im Freundeskreis testen. „Kapsch ist zumindest namentlich als österreichisches Unternehmen ein Begriff und auch, dass es sich um ein Technologieunternehmen handelt“, stellte Gerhard Kleemaier fest. „Jedoch muss ich oftmals den Bereich oder den Markt erklären, in dem wir tätig sind.“ Aber am Interesse an den heimlichen Weltmarktführern wird es dann nicht mehr fehlen.

Typisch für Hidden Champions

Definition

Geprägt hat den Begriff Anfang der 1990er-Jahre der deutsche Wirtschaftsprofessor und Unternehmensberater Hermann Simon. „Hidden Champions“ sind nach seiner Definition mittelständische Unternehmen, die in ihrem Markt zu den Top 3 in der Welt gehören oder die Nummer 1 in ihrem Heimatkontinent sind, nicht mehr als etwa 3 Milliarden Euro Jahresumsatz erzielen (der laut Definition erlaubte Umsatz wird kontinuierlich angepasst) und in der Öffentlichkeit wenig bekannt sind.

Gegenseitige Loyalität

Typisch für Hidden Champions sind eine besondere Unternehmenskultur und eine hohe Identifikation mit dem Arbeitgeber. Die Fluktuation unter den Mitarbeitern ist häufig gering. Wenn große Konzerne in Krisenzeiten längst den Personalstand reduzieren oder gleich ganze Bereiche abstoßen, versuchen innovative Mittelständler ihr Personal häufig zu halten. Wohlwissend, dass sie es für ihr künftiges Wachstum brauchen werden.

Herausforderung Digitalisierung

Vom digitalen Wandel sind Hidden Champions wie alle anderen Unternehmen betroffen. Sie können davon aber sogar profitieren. „Die hohe Innovationsrate und die überdurchschnittliche Attraktivität für kompetente MitarbeiterInnen machen es den Hidden Champions möglich, auf diese Veränderungen schneller zu reagieren“, erklärt Florian Teufelberger, Leiter des gleichnamigen Unternehmens, im „WU Blog“ der Wirtschaftsuniversität Wien.

Text: Heinz Peter Krieger

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