BÜCHERBÖRSE

Dein Einstieg als Trainee

Herzlichen Glückwunsch – die Bewerbung für das Traineeprogramm deiner Wahl hast du erfolgreich hinter dich gebracht, dem Start im Unternehmen steht nichts mehr im Wege. Dein Einstieg und der Ablauf der Traineeausbildung werden in verschiedenen Phasen vor sich gehen.

Ohne Unsicherheit, Nervosität und viele Fragen geht der Start in einer neuen Firma kaum vonstatten. Als Trainee hast du es hier jedoch etwas einfacher als andere Mitarbeiter, die neu ins Unternehmen kommen – schließlich genießt du in einem Traineeprogramm besondere Betreuung. Am ersten Tag wird es sehr wahrscheinlich eine Begrüßungsveranstaltung der Personalabteilung geben, zu der auch Führungskräfte aus dem Unternehmen kommen. Die HR-Mitarbeiter und den einen oder anderen Manager hast du vermutlich schon während des Bewerbungsverfahrens oder im Assessment Center getroffen. Gleichzeitig lernst du zu diesem Termin deine Trainee-Kollegen und vielleicht auch schon deinen Mentor kennen. Natürlich erfährst du spätestens jetzt auch etwas zu den Abläufen der nächsten Wochen und den Stationen deines Traineeprogramms. An diese Veranstaltung schließt sich deine Vorstellung in der Abteilung an, in der du deine Traineeausbildung startest. Vor allem größere Firmen haben für ihre neuen Trainees in den ersten Tagen ein etwas größeres Rahmenprogramm vorbereitet, das Seminare, Workshops und oft auch ein Abend-Event enthält.

© DivVector - istockFür den Einstieg in den praktischen Teil deiner Arbeit als Trainee gilt: In den ersten Wochen kannst du noch mit einer Orientierungs- und Schonfrist rechnen, danach nehmen deine Verantwortlichkeiten auch auf einer Traineestelle allmählich zu. Bei jeder weiteren Station deines Traineeprogramms durchläufst du ebenfalls eine Einarbeitungsphase, die jedoch kürzer wird, je länger du im Unternehmen bist. Generell lässt sich ein Traineeprogramm in mehrere unterschiedliche Phasen unterteilen:

1. Orientierung

Die erste Phase des Traineeprogramms dient deiner Orientierung im Unternehmen. Einerseits lernst du die Firma aus der Perspektive der Abteilung kennen, in der du derzeit tätig bist und bist bereits in operative Prozesse eingebunden, gleichzeitig erhältst du eine fundierte Einführung in Arbeitsbereiche, Strukturen sowie die fachlichen Anforderungen an diesem Arbeitsplatz. Dieses Prozedere wird sich auch an den anderen Stationen des Traineeprogramms wiederholen. Sehr wahrscheinlich gibt es auch in dieser Phase der Traineeausbildung ein Seminarprogramm, das sich auf Fachthemen, aber auch auf Soft Skills oder Managementtechniken beziehen kann.

Ein wichtiges Kennzeichen jedes Traineeprogramms ist, dass du das meiste, was du theoretisch lernst, auch unmittelbar in der Praxis ausprobieren und verwenden kannst – die Programme sind sehr stark auf "learning by doing" fokussiert.

In dieser Phase erhältst du möglicherweise noch keine eigenständigen Projekte, sondern wirkst in einem oder mehreren Projektteams mit. Mit deinem Mentor arbeitest du sehr wahrscheinlich von Anfang an eng zusammen – und solltest diese Möglichkeit so intensiv wie möglich nutzen. Bei dieser Beziehung geht es nicht nur um Fach- und Praxiswissen, sondern auch um deine persönliche Entwicklung. Im Idealfall schaffst du zusammen mit deinem Mentor alle Grundlagen dafür, um dich später erfolgreich als Manager zu profilieren. Daneben hast du in der Regel auch in der Fachabteilung einen festen Ansprechpartner – dies kann dein unmittelbarer Vorgesetzter oder ein erfahrener Kollege sein.

2. Mehr Verantwortung, eigene Projekte

Nach dem Abschluss der Orientierungsphase erhältst du eigene Projekte. Zum Teil arbeitest du spätestens jetzt auf einer regulären Stelle und bist in das Tagesgeschäft der Abteilungen als vollwertiger Mitarbeiter integriert. Du agierst in immer stärkerem Maße eigenverantwortlich und berichtest eigenständig an deine Vorgesetzten.

Daneben absolvierst du natürlich auch Weiterbildungen wie Workshops oder Seminare. In einigen Traineeprogrammen ist auch eine Vorbereitung auf IHK-Prüfungen oder einen andere externen Weiterbildungsabschluss vorgesehen. Im Vergleich zu Mitarbeitern außerhalb des Traineeprogramms genießt du im Hinblick auf deine Weiterbildung einen entscheidenden Vorteil: Die Kurse und Veranstaltungen sind ein wesentlicher Ausbildungsbestandteil, so dass du auch die zeitlichen Ressourcen dafür erhältst.

3. Aufbau als Führungskraft

Die Entwicklung deiner Management- und Führungsqualitäten durchzieht das gesamte Traineeprogramm. Je weiter deine Ausbildung fortgeschritten ist, desto größeren Raum nehmen entsprechende Programmschwerpunkte ein. Möglicherweise gehört zu den Stationen deiner Traineeausbildung eine Stabsstellen-Funktion als Geschäftsleitungsassistenz, möglicherweise arbeitest du in verschiedenen Fachbereichen und Projekten mit gestandenen Managern zusammen. Begleitet werden diese praktischen Erfahrungen durch Management- und Personalentwicklungsseminare. Zum Teil sieht der Arbeitgeber für eine sehr gezielte Potenzialentwicklung in dieser Phase auch individuelle Coachings vor. In der letzten Etappe der Traineeausbildung geht es normalerweise darum, dich direkt auf die Übernahme einer Position auf der ersten Management-Ebene vorzubereiten, die meist auch schon die Führung eines Teams von Mitarbeitern einschließt.

Trainee – eine "Zwischenposition"

Als Trainee befindest du dich in einer speziellen Position: Du bist Lernender, Mitarbeiter, bereitest dich jedoch auch darauf vor, in absehbarer Zeit Führungsverantwortung zu übernehmen. Auf der fachlichen und der persönlichen Ebene stellst du für deinen späteren Erfolg im Management bereits jetzt die Weichen. Kollegen, mit denen du jetzt in einem Team zusammenarbeitest, könnten in wenigen Jahren deine Mitarbeiter sein. Die Chefs, auf die du während deiner Traineeausbildung triffst, werden in absehbarer Zeit über deine erste reguläre Position und damit – sofern es um diesen Arbeitgeber geht – deinen weiteren Karriereweg entscheiden. In einer Traineeausbildung stehst du also auch vor der Aufgabe, nach "zwei Seiten" zu überzeugen. Arroganz ebenso wie zu große Zurückhaltung sind hier fehl am Platz – als Trainee geht es für dich jedoch darum, dein berufliches und menschliches Profil zu schärfen.

Spannende Auswahl- und Profilierungsmöglichkeiten

Gleichzeitig können sich aus den Stationen des Traineeprogramms für dich spannende Auswahlmöglichkeiten ergeben. Anders als Direkteinsteiger bist du noch nicht auf eine bestimmte Stelle festgelegt, sondern hast die Möglichkeit, verschiedene Bereiche kennenzulernen und dich in unterschiedlichen Arbeitsfeldern auszuprobieren. Die Chancen stehen also nicht schlecht, dass du während einer Traineeausbildung deinen Traumjob findest und später durch den angestrebten Fachbereich auch tatsächlich übernommen wirst. Neben dem Ausbildungs- und Personalentwicklungsaspekt liegt hier einer der wesentlichen Vorteile eines Traineeprogramms: Die Entscheidung über deinen ersten "regulären" Job triffst du erst dann, wenn du seine Anforderungen und auch deinen Arbeitgeber wirklich kennst.

In vielen Fällen ist ein Traineeprogramm auch eine optimale Möglichkeit, um Auslandserfahrungen zu sammeln. Oft integrieren die Firmen internationale Projekte und Auslandsaufenthalte von vornherein in die Programme. Falls du diesen Bereich deiner Traineeausbildung intensivieren und erweitern willst, lohnt sich ein Gespräch mit deinem Mentor und deinem HR-Betreuer. Oft bieten die Unternehmen ihren Trainees – nicht nur in Bezug auf eine Tätigkeit im Ausland, sondern auch in anderen Bereichen – die Möglichkeit, das Traineeprogramm stärker zu individualisieren, solange damit verbundene persönliche Karriereziele auch den Interessen der Firma dienen.

Was im Assessment Center wichtig ist

© JaaakWorks - istockAssessment Center sind keine einfache Prozedur – sie erfordern Nervenstärke und können die Bewerber durchaus an ihre Leistungsgrenzen bringen. Gute Vorbereitung sowie das Wissen um die eigenen Stärken helfen dir, gut und hoffentlich erfolgreich durch die Tests zu kommen.

Du hast die erste Hürde deiner Bewerbung als Trainee mit Erfolg genommen und eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhalten. Grund zur Freude ist das auf jeden Fall – du bist in der engeren Auswahl der Bewerber. Im Gespräch folgt jedoch oft die Ankündigung eines weiteren Termins – eines Assessment Centers und damit einer sogenannten "eignungspsychologischen Tiefenprüfung". Eine hundertprozentige Vorbereitung auf die Tests gibt es nicht – wichtig ist vor allem, dass du deine persönlichen Stärken (und auch deine Schwächen) kennst, um in den Prüfungssituationen sicher und authentisch aufzutreten.

Was macht ein gutes Assessment Center aus?

Die erste Frage, die du dir stellen solltest, ist, ob du wirklich bereit bist, dich auf ein Assessment Center einzulassen. Ja, natürlich – von der Teilnahme daran hängt ab, ob du eine Chance hast, die angestrebte Traineestelle zu bekommen. Trotzdem gibt es einige Kriterien dafür, ob diese Prüfung seriös ist – was auch eine Antwort auf die Frage sein kann, ob deine Bewerbung bei diesem Unternehmen sinnvoll ist. Übrigens kann sich diese Frage auch im Assessment Center selbst noch stellen: Personalexperten meinen, dass bei diesem Auswahlverfahren grundsätzlich beide Seiten auf dem Prüfstand stehen. Während der Tests erfährst auch du sehr viel über die Werte und die Kultur der Firma: Wie gehen die Chefs mit ihren Mitarbeitern um? Welche Aufgaben und Themen wurden für die Prüfungen ausgewählt? Läuft die Kommunikation mit den Bewerbern mit Respekt und auf Augenhöhe ab? Wer beobachtet und beurteilt die Kandidaten?

Bei einem guten Assessment Center für Trainees sollten mindestens drei Beobachter dabei sein. Produktive Kombinationen bestehen aus einem Mitarbeiter der Personalabteilung sowie Führungskräften aus den Fachabteilungen. In vielen Unternehmen hat sich eingebürgert, dass zu den Assessoren auch ein früherer Absolvent des Trainee-Programms gehört.

Ein weiteres Kriterium für ein gutes Assessment Center ist seine Dauer. Falls das Unternehmen nur einen Programmpunkt – etwa eine Gruppendiskussion oder Stegreif-Rollenspiele – vorgesehen hat, solltest du überlegen, ob du von dieser Bewerbung lieber Abstand nimmst. Solche isolierten Tests liefern völlig zufällige Ergebnisse und erlauben keine fundierte, systematische Bewertung. Als unterste Qualitätsgrenze für ein sinnvolles Assessment Center gelten drei verschiedene Simulationsaufgaben.

Skepsis ist angebracht, wenn der potentielle Arbeitgeber IQ- oder Persönlichkeitstests in das Auswahlverfahren integriert. Beides ist vor allem in Assessment Centern für Auszubildende üblich – als Hochschulabsolvent hast du zumindest deine Intelligenz und deine fachliche Leistungsfähigkeit jedoch schon hinreichend unter Beweis gestellt.

Vorab-Fragen zum Ablauf und zu den allgemeinen Inhalten des Assessment Centers sind übrigens normal und werden von den Firmen nicht negativ bewertet. Dein Ansprechpartner hierfür ist die Personalabteilung – meist also der HR-Mitarbeiter, bei dem du dein erstes Vorstellungsgespräch absolviert hast.

Wie bereite ich mich auf ein Assessment Center vor?

© clownbusiness - istock

Zur Vorbereitung auf ein Assessment Center sind alle Punkte wichtig, die auch bei der Vorbereitung auf ein normales Bewerbungsgespräch eine Rolle spielen. Sehr wahrscheinlich hast du vieles davon schon erledigt, bis zum Assessment Center kannst du deine Vorbereitung weiter vertiefen. Relevante Punkte sind hier beispielsweise:

– Eine sehr gute und ausführliche Recherche über das Unternehmen, seine Fachbereiche und Produkte.

– Um welche konkreten Inhalte geht es bei der Traineestelle, in welchen Bereichen (Marketing, Vertrieb, Produktentwicklung ...) liegen die Schwerpunkte des Traineeprogramms? Was qualifiziert dich für exakt diese Traineeausbildung, dieses Unternehmen und die Branche?

– Durchsicht der Bewerbungsunterlagen, Aussagefähigkeit zu kritischen oder erklärungsbedürftigen Punkten.

Stärken- und Schwächenanalyse: Im Assessment Center wird es darum gehen, dass du deine fachlichen und persönlichen Stärken in simulierten Arbeitssituationen auch unter Stress und Zeitdruck ausspielst. Wenn sie dir bewusst sind, kannst du dabei souveräner und authentischer agieren. Menschen ohne Schwächen gibt es nicht – wichtig ist, dass du sie während der praktischen Übungen so weit wie möglich kontrollierst und im Interview nicht irritiert bist, wenn die Rede darauf kommt.

– Zur Vorbereitung auf ein Assessment Center ist auch eine etwas intensivere Mediensichtung sinnvoll, da oft auch tagesaktuelle Themen zur Debatte stehen.

Authentizität oder "große Show"

In einem Assessment Center spielen beide Aspekte eine Rolle. Natürlich geht es dabei um Performance und somit auch um "Show" – im Fokus der Bewertung stehen neben Fachwissen auch dein Verhalten, deine sozialen Kompetenzen, deine Souveränität und deine Interaktion mit anderen. Trotzdem macht es wenig Sinn, als Vorbereitung auf das Assessment Center ein Rollenbild zu trainieren, von dem du annimmst, dass du damit die Erwartungen deines potentiellen Arbeitgebers optimal erfüllst. Die Assessoren - also die Personalentscheider, auf die du im Assessment Center triffst – sind erfahrene Führungskräfte, die eine solche Taktik recht schnell durchschauen würden. Außerdem geht es bei den Tests um deine langfristige Eignung für das Traineeprogramm und die Mitarbeit in dieser Firma – mit einer antrainierten Rolle wirst du im Unternehmensalltag nicht erfolgreich sein. Im Assessment Center selbst ist Authentizität ein Pluspunkt, sofern du in der Lage bist, in verschiedenen Situationen souverän und angemessen zu reagieren.

Mögliche Stationen des Assessment Centers

Auch ein Überblick über die Stationen eines Assessment Centers hilft dir bei der Vorbereitung. Viele Unternehmen entscheiden sich für einen Ablauf mit insgesamt sieben Komponenten, Einzel und Gruppenübungen wechseln miteinander ab.

© shironosov - istock

1. Vorstellung

Eine Vorstellungsrunde gibt es in jedem Assessment Center. Den Auftakt bildet in der Regel die Unternehmensvorstellung durch einen Moderator, der auch im weiteren Verlauf des Events eine Führungs- und Orientierungsrolle übernimmt. Danach stellen sich die Assessoren und die Bewerber vor. In manchen Fällen reichen hierfür einige kurze prägnante Sätze, wahrscheinlicher ist jedoch, dass du zu einer Selbstpräsentation deiner Person und deiner Vita aufgefordert wirst, die maximal fünf Minuten dauern sollte. Empfehlenswert ist, hierbei einen Bezug zum Unternehmen, zu deiner Bewerbung und deinen Karrierezielen herzustellen. Diese Präsentation kannst du zu Hause vorbereiten und vor dem Spiegel oder mit Freunden einige Male üben – besser ist die zweite Variante, da du zu deinem Vortrag dann auch Feedback erhältst.

Durch die Selbstpräsentation erhalten die Personalentscheider einen ersten Eindruck von den Profilen und den rhetorischen Fähigkeiten der Bewerber. In den Vorstellungsrunden sind allerdings auch andere Konzepte möglich: Bei Partnerpräsentationen interviewst du deinen Sitznachbarn und übernimmst dann seine Vorstellung in der Gruppe. Für Gruppenpräsentationen klären die Bewerber in einer Arbeitsrunde ihre beruflichen und persönlichen Hintergründe, erarbeiten eine Präsentation und stellen diese dann in Form eines ersten gemeinsamen "Projektergebnisses" vor.

2. Themenpräsentationen

Individuelle Themenpräsentationen sind in der Regel ebenfalls ein Bestandteil des Assessment Centers. Oft werden drei unterschiedliche Themen zur Auswahl vorgegeben, zwischen denen sich die Bewerber frei entscheiden können. Dabei kann es um Aufgaben mit einem inhaltlichen Bezug zur Branche, zum Unternehmen, aber auch um politische oder soziale Fragen gehen.

Ziel dieser Übung ist, die rhetorischen Fähigkeiten, die Strukturiertheit sowie die argumentative Überzeugungskraft der Kandidaten zu testen. Gegebenenfalls wird hier auch Fachwissen – beispielsweise Branchenkenntnisse oder Analysefähigkeiten – überprüft. Sofern es um kontroverse Themen geht, sind faktenbasierte, sachliche Argumente wichtig. Zum Teil wird Bewerbern als Belastbarkeitstest auch eine sogenannte Stresspräsentation mit sehr wenig Zeit zur Vorbereitung und kritischen Zwischenfragen abverlangt.

3. Postkorbübung

Die Postkorbübung – die heute auch eine E-Mail-Übung sein kann – gilt als die klassische Simulation der Assessment Center. Der Kandidat muss unter Zeitdruck eine Vielzahl von Dokumenten sichten, priorisieren und gegebenenfalls Aufgaben delegieren. Dazu gibt es weitere Stolpersteine: Simulierte Anrufe, Mitarbeiter- und Kollegenfragen, inhaltliche Überschneidungen, die eine Prioritätsentscheidung schwierig machen. Für das Sortieren der Aufgaben hast du eine halbe bis eine Stunde Zeit. Als Bestandteil des Tests bekommst du eine Situationsbeschreibung, die als Leitfaden für die Priorisierung dient. Rückfragen während der Übung sind nicht erlaubt.

Mit der Postkorbübung wird getestet, ob du auch unter Stress und starkem Zeitdruck entscheidungsfähig bist und einen kühlen Kopf bewahren kannst. Außerdem gibt sie Aufschluss über deine Fähigkeit zu delegieren, deine Selbstorganisation und deine analytischen Kompetenzen. Optimale – also lernbare – Lösungswege gibt es dafür nicht. Gut abschneiden wirst du, wenn du strukturiert arbeitest und gelassen bleibst. Dass die Zeit objektiv nicht ausreicht, um diese Aufgabe zu bewältigen, ist ein Teil des Tests – du solltest dich davon also nicht aus der Ruhe bringen lassen.

4. Gruppendiskussionen

Auch eine Gruppendiskussion wird in kaum einem Assessment Center fehlen. Die Assessoren wollen hier etwas über die sozialen Fähigkeiten (Empathie, Konfliktfähigkeit, Überzeugungskraft), Rhetorik, Denk- und Argumentationsstrukturen sowie das Aktivitätspotential ihrer potentiellen Mitarbeiter lernen. Das Thema der Diskussion wird vorgegeben und kann einen Bezug zum Unternehmen oder zu aktuellen Tagesthemen haben. Alternativ wird die Themenwahl der Gruppe überlassen, was sich durchaus als Härtetest erweisen kann – die beste Lösung ist hier eine Themensammlung und eine Abstimmung über den Diskussionsstoff. Eine andere Abwandlung des Tests besteht darin, dass jedes Gruppenmitglied eine vorgeschriebene Rolle übernehmen und bisher fremde Positionen vertreten muss, die den eigenen Überzeugungen möglicherweise auch zuwiderlaufen.

Wichtig ist, dass du in der Diskussion deinen eigenen Standpunkt offensiv vertrittst, dabei die Positionen der anderen Teilnehmer jedoch nicht übergehst und grundsätzlich sachlich bleibst.

5. Rollenspiele

Rollenspiele finden entweder zwischen einem Bewerber und einem der Assessoren oder zwischen zwei Teilnehmern der Gruppe statt. Dabei werden beispielsweise ein Verkaufsgespräch, ein Beschwerdegespräch oder ein Mitarbeitergespräch simuliert. Zum Teil erhält der Kandidat etwas Zeit zur Vorbereitung auf die Situation und seine Rolle. Auch bei dieser Übung geht es um deine sozialen Kompetenzen – du musst auch damit rechnen, dass dein Gesprächspartner dich provoziert oder aggressiv wird. Punkten wirst du in diesem Test, wenn du sachlich und gelassen bleibst, in kritischen Situationen mit Feingefühl agierst und eine konstruktive Lösung findest.

6. Fallstudie (Case Study)

Eine Fallstudie beinhaltet Gruppenarbeit an einer komplexen Fragestellung, die in der Regel einen Bezug zu konkreten Aufgabenstellungen im Unternehmen oder mindestens der Branche hat. Die Arbeitsergebnisse des Teams werden danach den Assessoren präsentiert. Eine hundertprozentige Lösung ist von den Assessoren bei dieser Aufgabe nicht unbedingt gefragt. Die Assessoren prüfen hiermit das Fachwissen, die Problemlösungsfähigkeit, die analytischen und organisatorischen Kompetenzen der Bewerber sowie ihre Fähigkeit zu Teamarbeit. Auch Konzentrationsfähigkeit und Belastbarkeit fließen in die Bewertung ein. Der zeitliche Rahmen für Fallstudien beträgt meist einige Stunden, in manchen Fällen jedoch auch einen kompletten Arbeitstag.

7. Interview

Das Interview in einem Assessment Center hat viel mit einem normalen Vorstellungsgespräch gemeinsam. Die Personalentscheider runden damit das Bild ab, was sie von einem Kandidaten während der Tests gewonnen haben. Im Vordergrund stehen Fragen zu beruflichen Erfolgen und Misserfolgen. Hier hast du auch die Möglichkeit, Lücken in deinem Lebenslauf abzuklären, deine Ziele und vielleicht auch deine Learnings aus Niederlagen zu erläutern. Gleichzeitig erhältst du in diesem Gespräch oft ein erstes Feedback zu deiner Performance im Assessment Center.

In einigen Fällen entscheiden sich die Assessoren stattdessen, mit den Bewerbern im Rahmen des Assessment Centers ein sogenanntes Stressinterview zu führen und zu testen, wie du auf provokante Fragen reagierst. Hier heißt es ein weiteres Mal, souverän zu bleiben und solche Fragen sachlich-argumentativ zu kontern. Aus der Ruhe bringen lassen musst du dich hierdurch nicht: Die Einladung zum Assessment Center hast du erhalten, weil dich die Personalverantwortlichen für die Traineeausbildung und eine spätere Karriere in ihrem Unternehmen grundsätzlich für geeignet halten.

Die Bewerbung als Trainee

Bei der Bewerbung als Trainee gelten die gleichen Regeln wie für den Direkteinstieg in den Job. Bevor du aktiv nach einer Traineeausbildung suchst, solltest du dir jedoch darüber klarwerden, welche Karriereziele du mit dem Programm verbindest.

Traineeprogramme gibt es heute fast schon wie "Sand am Meer" – die Kunst für Bewerber besteht darin, das persönlich passende Unternehmen und das richtige Programmprofil zu finden. Die meisten Unternehmen sind daran interessiert, ihre Trainees langfristig in die Firma zu integrieren und bauen mit den Programmen ihre künftigen Führungskräfte auf. Die Unterzeichnung des Traineevertrages ist also eine recht grundsätzliche Entscheidung für eine Branche, eine bestimmte Spezialisierung und oft auch schon für konkrete Karrierewege – viele Unternehmen schreiben ihre Traineeprogramme für bestimmte Fachbereiche aus.

© Wavebreakmedia - istock

Die passende Traineestelle finden

Wenn du deine persönlichen Karriereziele und deine Anforderungen an ein Traineeprogramm geklärt hast, geht es darum, den passenden Arbeitgeber zu finden. Traineeprogramme werden in der Regel ebenso wie offene Stellen auf den diversen Online-Jobportalen, auf den Karriereseiten der Unternehmen sowie in der Tagespresse ausgeschrieben. Ein Blick auf die Karriereseiten der Firmen, bei denen du dich als Trainee bewerben willst, lohnt sich vor dem Abschicken der Unterlagen auf jeden Fall – meist finden sich dort schon wichtige Hinweise auf Ausbildungsinhalte, den Ablauf des Traineeprogramms und seine Konditionen. Zur Bewertung der Qualität des Traineeprogramms empfiehlt sich außerdem etwas Internetrecherche. Wenn dann noch Unklarheiten über die Inhalte der Traineeausbildung bestehen, hilft ein Anruf in der Personalabteilung des Unternehmens weiter.

Die schriftliche Bewerbung als Trainee

Für eine Bewerbung als Trainee benötigst du die gleichen Bewerbungsunterlagen wie für jede andere qualifizierte Bewerbung auch. Der potentielle Arbeitgeber gibt in der Regel an, welche Form er sich dafür wünscht: Eine klassische Bewerbungsmappe, die per Post oder per E-Mail übersandt wird oder die Bewerbung über ein Online-Formular.

In die Bewerbungsmappe gehören:

– Das Anschreiben mit deiner Motivation für die Bewerbung.

Lebenslauf und Zeugnisse, aus denen dein akademisches und berufliches Profil sowie eventuell vorhandene berufliche Erfahrungen in prägnanter Weise deutlich werden. Wichtig: Bei einer Trainee-Bewerbung möchten die Unternehmen grundsätzlich auch das Abschlusszeugnis der Matura oder Berufs-Matura sehen. Zum Bewerbungszeitpunkt wirst du eventuell noch kein Zeugnis über deinen Hochschulabschluss haben – die Unternehmen wissen das und akzeptieren alternativ das letzte vorhandene Zwischenzeugnis in den von dir studierten Fächern. Das Abschlusszeugnis reichst du später nach.

– Eventuell eine sogenannte "dritte Seite" – ein Motivationsschreiben, in dem du erklärungsbedürftige Punkte oder spezielle Qualifikationen erläuterst, für die in deinem Lebenslauf nicht genügend Raum ist.

Welche Besonderheiten gibt es bei einer Bewerbung als Trainee?

Wichtig bei einer Trainee-Bewerbung ist oft der Faktor Zeit: Viele Unternehmen haben für die Bewerbungsverfahren feste Termine vorgesehen – wenn du sie verpasst, hast du zumindest im aktuellen Jahr für einen Einstieg als Trainee bei diesen Firmen keine Chance. Oft setzen die Unternehmen auch voraus, dass dein Studienabschluss nur eine bestimmte Zeit zurückliegt.

Idealerweise folgt der Beginn der Traineeausbildung relativ nahtlos nach dem Studienende – die Programme sind von den Firmen auch in dieser Art und Weise vorgesehen, obwohl meist auch ein späterer Einstieg möglich ist. Empfehlenswert ist daher, schon während des Studiums mit der Suche nach einer Trainee-Stelle zu beginnen und sich entsprechend zu bewerben. Auf der sicheren Seite bist du, wenn du damit mindestens sechs Monate vor deinem Studienabschluss startest.

Zum Teil sind die Traineeprogramme nur für Bewerber bestimmter Fachrichtungen und mit einem bestimmten Notenspiegel offen – als Faustregel kann gelten, dass eine Bewerbung sinnvoll ist, wenn du solche Muss-Kriterien sowie etwa zwei Drittel der Gesamtanforderungen an geeignete Bewerber erfüllen kannst. Wenn du eine Einladung zum Bewerbungsgespräch erhältst, hast du die erste und wichtigste Hürde deiner Bewerbung als Trainee bereits gewonnen. In vielen Firmen schließt sich an den ersten persönlichen Kontakt auch ein Assessment Center zur Kandidatenauswahl für die Traineeprogramme an.

Assessment Center für Trainees

Bestandteil des Bewerbungsverfahrens für ein Traineeprogramm ist oft ein Assessment Center. Die Unternehmen prüfen Bewerber hiermit "auf Herz und Nieren". Je nach Konzept und Inhalt können die Tests ein bis drei Tage dauern.

Wenn du dich für ein Traineeprogramm bewirbst, hast du neben der schriftlichen Bewerbung und der Einladung zu einem ersten persönlichen Vorstellungstermin oft noch eine weitere Hürde zu überwinden. In großen internationalen Konzernen, aber auch in vielen mittelständischen Unternehmen ist es recht wahrscheinlich, dass die Entscheidung über die Einstellung von Trainees im Rahmen eines Assessment Centers getroffen wird. Studien zeigen, dass ein Assessment Center in rund 50 Prozent der Firmen Bestandteil des Auswahlverfahrens für die Traineeprogramme ist.

© boggy22 - istock

Was ist ein Assessment Center?

Die ersten Assessment Center gab es beim Militär. Die ersten Tests dieser Art wurden in den 1920er-Jahren zur "ganzheitlichen Beurteilung" von Offiziersanwärtern eingesetzt. In der Mitte des 20. Jahrhunderts fand das Auswahlverfahren allmählich seinen Weg in die Wirtschaft, seit den 1970er-Jahren ist es zur Beurteilung von Bewerbern in den Unternehmen weit verbreitet.

Bei einem Assessment Center handelt es sich um eine komplexe und auch für die Firmen aufwändige Form der Personalauswahl. Die Tests können zwischen ein und drei Tagen dauern, mehrtägige Veranstaltungen sind bei der Auswahl von Trainees die Regel. Vertreter der Personalabteilung, der Fachabteilungen und oft auch des Managements prüfen die Bewerber dabei "auf Herz und Nieren". Zum Teil werden auch externe Personalberater mit psychologischer Qualifikation hinzugezogen. Bei einem Assessment Center geht es nicht nur um die Bewertung der fachlichen Kompetenz der Kandidaten, sondern auch um ihre sozialen Fähigkeiten sowie ihr Verhalten in gruppendynamischen Prozessen.

Welche Rolle spielen Assessment Center bei der Auswahl von Trainees?

Mit ihren Traineeprogrammen verfolgen die Unternehmen langfristige Ziele: Sie bilden im Rahmen der Programme ihren Führungsnachwuchs aus, sind also daran interessiert, dass ihre Trainees über ein entsprechendes Potential verfügen. Ein herkömmliches Bewerbungsgespräch liefert im Vergleich zu einem Assessment Center nur eine Momentaufnahme – im Rahmen der mehrtägigen Tests haben die Personalentscheider die Möglichkeit, eine 360 Grad Perspektive auf die Kandidaten zu entwickeln.

Bestandteile eines Assessment Centers

Ein Assessment Center ist in unterschiedliche Aufgabenblöcke unterteilt. Üblich sind:

– Vorstellung in der Gruppe
– Einzel- und Gruppenpräsentationen
– Die sogenannte Postkorbübung
– Gruppendiskussionen
– Rollenspiele
– Fallstudien
– Einzelinterviews

Mit diesen sieben Programmpunkten muss jeder Teilnehmer eines Assessment Centers rechnen. Je nach Konzept des Auswahlverfahrens können sich die Personalverantwortlichen auch für weitere Tests entscheiden. In Frage kommen hier beispielsweise IQ- und Persönlichkeitstests, Planspiele, Kreativspiele, ein Aufsatz zu einem vorgegebenen oder frei gewählten Thema sowie Leistungstests.

Wie erfolgt die Auswertung?

Assessment Center zielen auf eine direkte und möglichst objektive Vergleichbarkeit der Kandidaten. Die Bewertung ihrer Leistungen respektive ihrer Performance in den Tests erfolgt auf der Grundlage sogenannter psychometrischer Verfahren, die es erlauben, die einzelnen Testergebnisse im Hinblick auf vorgegebene Standardanforderungen an geeignete Bewerber zu skalieren.

Welche Unternehmen bieten Traineeprogramme an?

© Wavebreakmedia - istockTraineeprogramme werden von unterschiedlichen Unternehmen und in verschiedenen Branchen angeboten. Nicht zu unterschätzen sind Traineeausbildungen bei mittelständischen Unternehmen, die ihren Trainees später oft ebenfalls sehr gute Karrierechancen bieten.

Noch vor wenigen Jahren waren Traineeprogramme im Wesentlichen eine Domäne von Großkonzernen. Kandidaten für die Programme waren vor allem Absolventen wirtschaftswissenschaftlicher Studiengänge – aus Sicht der Unternehmen waren vor allem Betriebs- und Volkswirte für eine Karriere im Management geeignet. Dieser Ansatz hat sich inzwischen stark verändert, woran der demografische Wandel und der "Kampf um die Talente" ihren Anteil haben. Die Firmen sind darauf angewiesen, in allen Bereichen ihren Fach- und Führungskräftenachwuchs zu entwickeln und – wenn möglich – dauerhaft zu binden. Traineeprogramme gibt es heute auch für Informatiker, Ingenieure und Juristen. Da Soft Skills in einem zeitgemäßen Management eine immer größere Rolle spielen, haben in vielen Unternehmen auch Trainee-Bewerbungen von Geisteswissenschaftlern eine Chance.

Die klassische Variante: Ein Traineeprogramm in einem Großkonzern

Die klassische Variante für ein Traineeprogramm ist immer noch die Ausbildung in einem Großkonzern. Entsprechende Angebote gibt es in nahezu allen großen Unternehmen. Trainees haben hier gute Chancen, an internationalen Projekten mitzuwirken und eine oder mehrere Stationen ihrer Ausbildung im Ausland zu absolvieren. Außerdem können sie bei den Konzernen mit einer sehr hochwertigen Traineeausbildung und hervorragenden Karrierechancen rechnen. Nicht zu unterschätzen ist auch das persönliche Netzwerk, das Trainees während der Ausbildung in einem großen Unternehmen entwickeln können, oft schließt es auch Kontakte zu Fach- und Führungskräften in anderen Firmen ein. Außerdem bieten die "Großen" ihren Trainees umfassende Weiterbildungsprogramme an, auch der Umgang mit Hierarchien und Management-Strukturen lässt sich hier leichter erlernen als in kleineren Firmen.

Allerdings sind internationale Konzerne bei der Auswahl ihrer Trainees auch recht wählerisch. In der Regel erwarten sie von den Bewerbern einen sehr guten Master-Abschluss und einen exzellenten Lebenslauf, der neben Praxiserfahrungen oft auch Auslandserfahrung und fundierte Fremdsprachenkenntnisse enthalten soll. Der hochkarätigen Ausbildung und der Begleitung durch erfahrene und oft branchenbekannte Mentoren steht die Integration in strikt definierte Prozesse und Strukturen gegenüber.

© monkeybusinessimages  - istock

Hidden Champions: Eine Traineeausbildung im Mittelstand

Inzwischen haben auch viele mittelständische Unternehmen Traineeprogramme aufgelegt – für Bewerber können sie eine hervorragende Alternative sein. Oft haben hier auch Bewerber ohne Einser-Abschluss, Quereinsteiger und sogar Uni-Abbrecher gute Chancen. Auch für Absolventen praxisnaher Fachrichtungen – beispielsweise Ingenieure – kann sich ein Mittelstands-Traineeprogramm als die bessere Wahl erweisen. Sie treffen dort oft auf offene Prozesse und flache Hierarchien.

Eine Traineeausbildung im Mittelstand muss nicht weniger hochwertig sein als ein entsprechendes Programm bei einem Großkonzern. Hinzu kommt: Gerade unter mittelständischen Unternehmen gibt es viele "Hidden Champions", die bei Innovationen in der ersten Liga spielen und häufig sogar die globale Marktführerschaft in einem bestimmten Marktsegment besitzen.

Mit guten Karriereperspektiven können ehemalige Trainees auch bei mittelständischen Arbeitgebern rechnen. Nach dem Abschluss des Programms haben sie die Möglichkeit, als Führungskraft die Entwicklung des gesamten Unternehmens mit zu prägen. Oft winkt ein schneller Aufstieg in die Unternehmensleitung. Wer sich später anders orientieren und/oder zu einem großen Unternehmen wechseln will, hat mit einer Traineeausbildung in einer mittelständischen Firma dafür in der Regel ebenfalls eine gute Grundlage geschaffen.

 

Log in or create an account

fb iconLog in with Facebook