BÜCHERBÖRSE

Der Arbeitsmarkt für Wirtschaftsabsolventen

Ein Studium der Wirtschaftswissenschaften gilt als sichere Bank – allerdings treffen Wirtschaftswissenschaftler auch auf starke Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt. Gute Karrierechancen hast du mit einem klaren Studienschwerpunkt.

Das Portal absolventen.at gibt für das Jahr 2014 an, dass 80 Prozent der dort registrierten rund 21.800 Absolventinnen und Absolventen einen wirtschafts- oder technikwissenschaftlichen Abschluss haben. Wirtschaftswissenschaftler und Techniker halten sich dabei ungefähr die Waage. Die beruflichen Interessen der Bewerber aus den Wirtschaftsfakultäten konzentrieren sich vor allem auf vier Bereiche: Über 22 Prozent von ihnen suchen nach einer Stelle als Marketing- oder Kommunikationsexperten, weitere 16 Prozent sehen ihre berufliche Perspektive im Rechnungswesen und Controlling. Auf Platz 3 liegen Stellen für Wirtschaftswissenschaftler in produktionsnahen Arbeitsfeldern oder in der Materialwirtschaft, auf Platz 5 Jobs im Personalbereich sowie in Organisation und Verwaltung.

© iStock – sturti

Hohe Bewerberzahlen, Fokus auf wenige Arbeitsfelder

Hier liegen die wichtigsten Hürden, die Absolventen wirtschaftswissenschaftlicher Fachrichtungen bei der Stellensuche haben: Auf dem Arbeitsmarkt treffen sie auf starke Konkurrenz und Mitbewerber, die mehrheitlich in einige wenige Berufsfelder drängen. Zudem wünschen sich viele Wirtschaftsabsolventen eine Anstellung in einer größeren Stadt und bei bekannten Unternehmen – Karrierechancen im Mittelstand geraten damit häufig aus dem Blick.

Die Unternehmen brauchen Wirtschaftsabsolventen

Zunächst einmal die gute Nachricht: Die Unternehmen haben Bedarf an Wirtschafsabsolventen. In einer Staufenbiel-Studie für Deutschland gaben 70 Prozent der befragten Unternehmen an, dass sie planten, im Jahr 2016 genauso viele Berufsanfänger mit einem wirtschaftswissenschaftlichen Abschluss einzustellen wie im Vorjahr. 25 Prozent der Unternehmen rechnen mit einem stark oder sehr stark steigenden Bedarf an Wirtschaftswissenschaftlern. Auch in den nächsten Jahren dürfte sich daran nichts ändern.

Bei Unterschieden im Detail ist dieser Arbeitsmarkttrend in Österreich identisch. Auf jeden Fall belegen Wirtschaftsabsolventen auf den Recruiting-Wunschlisten der Unternehmen den ersten Platz. Allerdings wünschen sich viele Firmen Kandidaten, die bereits zum Berufseinstieg mit Spezialisierungen und erster Praxiserfahrung punkten.

© iStock – PeopleImages

Welche Absolventenprofile sind gefragt?

Ein Abschluss in allgemeiner BWL reicht auch mit guten Noten häufig nicht mehr aus, um bereits mit den ersten Bewerbungen Erfolg zu haben. Durch entsprechende Fächerkombinationen bieten die Wirtschaftswissenschaften jedoch vielfältige Möglichkeiten, das individuelle berufliche Profil zu schärfen. Wichtig dafür sind klar formulierte Karriereziele und deren Nachweis durch entsprechende Studienschwerpunkte und Praktika. Ausgezeichnete Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben Wirtschaftsabsolventen mit fächerübergreifenden Kenntnissen und Zusatzqualifikationen.

Besonders gefragt in den Bereichen Finance & Controlling sind beispielsweise Kandidaten, die neben einem BWL-Abschuss auch Wissen im Bereich der Wirtschaftsinformatik haben und aktuelle Unternehmenssoftware kennen. Im Marketing geht es längst nicht mehr ausschließlich um klassische Werbung – aus E-Commerce und Onlinemarketing ergeben sich neue kommunikative und technische Anforderungen an Bewerber. Die HR-Abteilungen wünschen sich häufig Nachwuchskräfte, die nicht „nur" einen BWL-Abschluss, sondern auch Qualifikationen in Wirtschaftspsychologie oder Wirtschaftspädagogik vorzuweisen haben.

VWL-Absolventen – zwischen strategischem Wissen und Betriebswirtschaft

Besonders wichtig ist sind Spezialisierungen für Volkswirte, die vergleichsweise selten explizit auf sie zugeschnittene Stellenangebote finden. In Unternehmen und in anderen Organisationen – beispielsweise im öffentlichen Dienst oder in NGOs – arbeiten sie im Spannungsfeld von Wirtschaftspolitik und "Mikroökonomie". Sie analysieren und gestalten Prozesse und die Interaktionen der darin handelnden Personen. Damit sind sie prädestiniert für eine Mitarbeit an der Strategieentwicklung ihrer Arbeitgeber. Je nach angestrebter Position wünschen sich die Personalentscheider von VWL-Absolventen jedoch auch zusätzliche Spezialisierungen und praxisrelevantes betriebswirtschaftliches Wissen.

Schlüsselqualifikationen für Wirtschaftsabsolventen

Bei aller Spezialisierung: In der Wirtschaft gewinnen Generalisten an Bedeutung. Zwar stehen für Berufsanfänger zunächst operative Tätigkeiten und damit der Nachweis von fachlichen Qualifikationen im Vordergrund – gerade von Absolventen wirtschaftswissenschaftlicher Fachrichtungen werden für eine erfolgreiche Karriere jedoch Flexibilität, die Bereitschaft zum Wechsel in andere Abteilungen und das Übernehmen von Führungsverantwortung erwartet.

Hinzu kommen Veränderungen in der Arbeitswelt. In der Ära von Globalisierung und Digitalisierung sind auch große Unternehmen auf agile Strukturen und Prozesse angewiesen. Zu den Schlüsselqualifikationen, die sich die Firmen von Wirtschaftsabsolventen wünschen, gehören Kenntnisse im Prozess- und Projektmanagement, aber auch die entsprechenden Soft Skills. In einer agilen Arbeitswelt, die sich auf das Marktgeschehen und die Bedürfnisse der Kunden fokussiert, und angesichts des Trends zum Arbeiten in wechselnden Projektteams sind Anforderungen wie Teamgeist, Kommunikationsfähigkeit oder Empathie keine Floskeln mehr. Vielmehr sind sie wichtige Voraussetzungen für das Funktionieren einer Organisation, individuellen beruflichen Erfolg sowie die Grundlage für die Ausbildung von Führungseigenschaften.

© iStock – Katarzyna BialasiewiczWie im "War of Talents" um Absolventen gebuhlt wird

Eine Folge des demografischen Wandels ist der "Kampf um die Talente" – in den kommenden Jahren wird das Reservoir an qualifizierten Hochschulabsolventen knapper. Um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, sind die Firmen darauf angewiesen, die besten Köpfe unter den Bewerbern langfristig an sich zu binden.

Allerdings gilt bei der Auswahl der jungen "High Potentials" das Leistungsprinzip in besonders hohem Maße. Exzellente Noten, gezielte Praktika, Sprachkenntnisse und oft auch internationale Erfahrung sind in den Unternehmen Standardanforderungen, um einen Bewerber als künftige Führungskraft einzustufen und entsprechend zu entwickeln.

Ebenso hochkarätig wie die Förderung sind für solche Kandidaten oft die Konditionen für den Einstieg – in einem Spektrum von überdurchschnittlichen Gehältern und Zusatzleistungen über zeitliche und räumliche Flexibilität bis zu einer ausgeglichenen Work-Life-Balance als Kompensation für exzellente Leistung.

Fotos: © sturti, PeopleImages, Katarzyna Bialasiewicz / iStock

 

Log in or create an account

fb iconLog in with Facebook