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Frauen & Karriere - Wo geht’s hier nach oben?

  • geschrieben von Sebastian Wolking
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Frauen haben die besseren Noten, sind engagierter, legen Wow-Abschlüsse hin,  um hinterher doch wieder den Männern den Vor- tritt auf der Karriereleiter zu lassen. Foto: (c) Pekic - istock.com
Frauen haben die besseren Noten, sind engagierter, legen Wow-Abschlüsse hin, um hinterher doch wieder den Männern den Vor- tritt auf der Karriereleiter zu lassen.

Frauen sind auf ihrem Weg durch die Schulen und Universitäten nicht aufzuhalten. Sie haben die besseren Noten, sind engagierter, legen Wow-Abschlüsse hin, um hinterher doch wieder den Männern den Vortritt auf der Karriereleiter zu lassen. Zementierte Machtstrukturen und gläserne Decken gelten als Hauptgründe. Aber wie können Frauen ihre berufliche Laufbahn selbst vorantreiben?

Alexandra Niessen-Rünzi kennt das Erfolgsrezept für Frauen, die Karriere machen wollen. Es ist ganz einfach und lautet: „Schaut euch Serena Williams im Fernsehen an!“ Wer mit Sport nicht so viel am Hut hat, darf sich auch gerne von Private Equity-Managerin Nour Al Nuaimi inspirieren lassen. Das ist keineswegs ein Scherz. Weibliche Vorbilder beflügeln. Und sie sorgen dafür, dass sich Frauen dem Wettkampf stellen.

Denn eigentlich meiden Frauen Wettbewerb, das belegen Studien immer wieder. Zuletzt auch jene von Finanzprofessorin Niessen-Rünzi von der Universität Mannheim in Deutschland. Die Forscherin hatte rund 500 US-amerikanische Männer und Frauen dazu aufgefordert, so viele Kopfrechenaufgaben wie möglich zu lösen. Danach wollte sie von ihnen wissen, ob sie ausschließlich auf der Basis ihrer eigenen Leistungen bezahlt werden wollen oder ob sie in einen Wettbewerb mit anderen Teilnehmern eintreten möchten, von denen aber nur der oder die Beste entlohnt wird. Ergebnis: Für die Teilnahme am Wettbewerb entschieden sich deutlich mehr Männer als Frauen – und das, obwohl sie ungefähr gleich viele Aufgaben richtig gelöst hatten. „Selbst die Männer mit dem schlechtesten Ergebnis haben sich häufiger für den Wettbewerb entschieden als die besten Frauen“, so Niessen-Rünzi.

Frauen: Häufiger in der Uni, seltener arbeitslos

Es sei denn, die Probandinnen konnten vorher ein weibliches Vorbild beobachten. Niessen-Rünzi spielte ihren Versuchskaninchen Powerfrauen aus unterschiedlichen Bereichen vor – wie eben Tennis-Superstar Serena Williams. In den eingespielten Videos schilderte Williams ihre Erfolgserlebnisse und betonte, was für ein erhebendes Gefühl es sei, zu gewinnen. Offenbar war das ein Aha-Erlebnis für viele Zuseherinnen. Mehr Frauen entschieden sich daraufhin für den Wettkampf.

Auch männliche Vorbilder servierte Niessen-Rünzi ihren Probandinnen – zum Beispiel in Form eines Filmchens von Tennis-Ass Roger Federer. Was passierte? Die Frauen wurden von den Alphatieren offensichtlich abgeschreckt, von ihnen entschieden sich nun sogar noch weniger für den Wettbewerb als zuvor. Die männlichen Zuseher ließen die Einspieler im Übrigen völlig kalt. Sie hatten keinerlei Einfluss darauf, ob sie den Fight annahmen oder nicht.

Es ist keineswegs so, als ob Frauen in der Arbeitswelt nicht schon sehr erfolgreich wären. Schon zur Jahrtausendwende hatte das weibliche Geschlecht den Aufholprozess im Hörsaal abgeschlossen: Nun gab es an den Hochschulen genauso viele Frauen wie Männer. Seitdem ziehen sie ihren männlichen Artgenossen davon. Im Wintersemester 2015/16 gab es an den öffentlichen Universitäten in Österreich rund 280.000 Studierende — davon ca. 148.000 Frauen und 132.000 Männer. Folgerichtig finden Frauen heute laut Statistik Austria vor allem neue Jobs in akademischen Berufen, während die Jobpalette bei Männern breiter gestreut ist. Von der Führungskraft bis zum Hilfsarbeiter ist alles dabei. Schon bei den 15- bis 34-Jährigen sind Frauen seltener arbeitslos als Männer. Die weibliche Arbeitslosenquote liegt in diesem Alter bei 7,3 Prozent, die männliche bei neun Prozent.

Die Ära der Frauen?

All das scheint die These von Christiane Funken zu stützen. Die Soziologin von der TU Berlin hatte 2016 in ihrem Buch Sheconomy die Ära der Frau vorhergesagt. Die moderne Arbeitswelt verlange Kommunikation, Empathie, Emotionalität. Alles Dinge, in denen die Frauen vorne liegen würden. Zuvor hatte schon die US-Amerikanerin Hanna Rosin für Aufregung gesorgt. Der Titel ihres Werkes – The End of Men – war ein Affront. Die Frauen würden den Kampf der Geschlechter gewinnen, so Rosin im Jahr 2013.

Bestätigen lässt sich das aber nur sehr bedingt. Die Konzernspitzen sind weiterhin männlich dominiert. Immerhin gibt es in Österreich Frauen wie Sabine Herlitschka, Vorstandsvorsitzende von Infineon Austria, Elisabeth Stadler, Vorstandsvorsitzende der Vienna Insurance Group oder Martha Oberndorfer, Generalsekretärin der Österreichischen Bundes- und Industriebeteiligungen (ÖBIB), die den Weg bis zum Schluss gegangen sind. Ein Ereignis der besonderen Art erlebte Technologiekonzern IBM im Oktober 2017. Eine Frau an der Konzernspitze wurde ausgetauscht – und durch eine andere Frau ersetzt. Generaldirektorin Tatjana Oppitz verließ nach 29 Jahren das Unternehmen, die zweifache Mutter Patricia Neumann setzt die weibliche Tradition bei IBM Österreich fort. IBM wirbt damit, den Frauenanteil in Führungspositionen auf 30 Prozent gesteigert zu haben. Das sei auch durch Mentoring-Programme gelungen. So hat der Technologiekonzern etwa ein eigenes Frauennetzwerk, das Women International Networking, ins Leben gerufen.

In der Tat kann schon ein kleiner Impetus von außen Großes bewirken. Diese Erkenntnis haben auch Wissenschaftler der Southern Methodist University gemacht. Die aktuelle Studie der Texaner besagt: Eine junge Studentin wagt sich schon dann mit größerer Wahrscheinlichkeit in eine Männerdomäne, wenn sie eine kurze Bekanntschaft mit einer gestandenen Frau gemacht hat, die in ihrem Metier sehr erfolgreich ist. Vorbildfrauen als Karriereturbo. „Diese besonderen Frauen, die gekommen sind und mit den Studentinnen gesprochen haben, waren der Schlüssel zum Erfolg“, so Studienautorin Danila Serra über ihr Experiment. „Wie charismatisch und enthusiastisch sie waren und über ihre Karriere sprachen, war ausschlaggebend dafür, wie ihre Jobs auf die jungen Frauen wirkten.“ Ein kurzes Gespräch, ein informelles Treffen – und schon stiegen Motivation und Selbstbewusstsein. Bei Männern war dieser Effekt wiederum nicht zu beobachten.

Für Frauen scheint es also wichtig zu sein, Unterstützung zu haben, Mitstreiter und Inspiration zu finden. Als einsame Wölfe, die ihr Ding ohne Rücksicht durchziehen, machen nur Männer Karriere, aber keine Frauen. Oder? Marion Büttgen sieht das etwas anders. Ihre Erfolgsstragie für Frauen lautet: Seid einfach so wie die Männer! Die Wirtschaftswissenschaftlerin von der Universität Hohenheim führte eine Studie mit 300 Männern und Frauen in Top-Führungspositionen durch.

Ihr Befund: Die erfolgreichen Frauen sind genauso selbstbewusst, eitel, abgebrüht und hart wie ihre männlichen Kollegen. Mehr noch, sie sind sogar weniger hilfsbereit, unterstützend und kooperativ als ihre männlichen Managerkollegen. Wer sich weiblich verhalte, werde nicht als Führungskraft wahrgenommen, meint Büttgen. Wer sich durchbeißen will, müsse maskuline Züge annehmen.

Selbstkritik: Bei Männern schwach ausgeprägt

Eine Botschaft, die ihr selbst unangenehm ist. Tatsächlich aber könnte eine Eigenschaft, die als typisch männlich gilt, Frauen durchaus voranbringen, ohne dass sie andere dadurch verprellen müssten. Die Fähigkeit, nicht zu kritisch mit sich selbst ins Gericht zu gehen. Überzogene Selbstkritik ist eher weiblich. Frauen verhandeln schlechter, grübeln häufiger, haben oft Selbstzweifel. Und: Sie bewerben sich zumeist nur auf Stellenprofile, die exakt auf sie zugeschnitten sind. All das sind keineswegs Klischees, meint auch Kurt Jeschke, Prorektor der Internationalen Hochschule in Bad Honnef (IUBH). „Weil sie ihre Kompetenzen selbst eher niedrig einstufen, halten sie sich bei Gehaltsverhandlungen oder bei der Bewerbung um Führungspositionen stärker zurück als ihre männlichen Kollegen.“ Bei Männern sei es genau anders herum, sie neigen zur Selbstüberschätzung. Und das sehr häufig mit Erfolg. Polemisch gesagt lautet der Ratschlag also: Auch mal den Fehler bei den anderen suchen!

 

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