BÜCHERBÖRSE

My first home - Von den Freuden des Studentenwohnens

Endlich die Schlüssel für die eigene Wohnung zu bekommen, ist die größte Belohnung für alle Strapazen. (c) Christian Schnettelker
Endlich die Schlüssel für die eigene Wohnung zu bekommen, ist die größte Belohnung für alle Strapazen.

Die Tage nach dem letzten Schultag, besser gesagt nach der Abschlussfeier vergehen wie im Flug, und ehe man sich versieht, fängt auch schon der Ernst des Lebens an. Ganz so dramatisch ist das Studium zwar nicht, aber auf jeden Fall wirft die neue Lebenssituation Fragen auf, mit denen man sich vorher noch nicht beschäftigen musste. Wenn man in seiner Heimatstadt einen Studienplatz bekommt, ist meistens die Wohnungsfrage aus dem Spiel. Verlässt man jedoch das familiäre Nest, muss man sich sehr wohl Gedanken um ein eigenes in einer neuen Stadt machen. Zwar gibt es unzählige individuelle Lösungen, doch bleiben die meisten Frischlinge an der gängigen Weggabelung stehen: Wohnung, WG oder Studentenheim. Bei Ersterem scheitert es wahrscheinlich am Finanziellen. Innsbruck, Salzburg und Wien waren 2010 die Top 3 teuersten Städte in Hinsicht auf Preis pro Quadratmeter. Günstiger ist es in Villach und vor allem Krems.

Urbane Legenden um Tellerberge

Obwohl die Wohngemeinschaft auch in einer Wohnung Platz findet, muss man sich da nicht mit den offiziellen Mietpreisen rumschlagen. In jeder WG herrschen eigene Regeln und Sitten, und überall wird das mit den Nebenkosten anders gehandelt. Deswegen gibt es auch keine Anleitung für das Zusammenleben mit den neuen Mitbewohnern. Nach Sympathie entscheiden die alteingesessenen Mitglieder wer in die Wohnung einziehen darf, da kann es schon sein, dass die Aufnahme bei den ersten Versuchen nicht klappt. Doch wenn man es dann geschafft hat, sind die Vorteile ganz klar. Man hat ein eigenes Zimmer, in einer hoffentlich intakten Wohnung. Wer in eine neue Stadt zieht und ein wenig Angst vor Vereinsamung hat, kann in einer WG gleich einen Anschluss finden, ohne dafür außer Haus gehen zu müssen. Natürlich kommt das aber darauf an, ob man sich eher ex- oder introvertierte Mitbewohner gesucht hat. Wenn es um Hygiene geht, ranken viele urbane Legenden um durch Putzpläne zerrüttete Wohngemeinschaften. Wenn man ehrlich ist, wird es einem doch lieber sein, eine halbwegs gepflegte Wohnung zu betreten, als einen Trümmerhaufen mit auffälligen Piepsen unter dem zweiten Tellerberg links. 

Gemeinschaftsraum –Gemeinschafts-Traum

Eine weitere Form des fast schon familiären Zusammenlebens ist das Studentenheim, das je nach Alter, Preis und Wohnlage verschiedenste Formen annehmen kann. Es wäre eine Binsenweisheit zu sagen, dass je größer ein Heim ist, desto anonymer ist es. Natürlich kann man in einem Haus mit über 500 Studenten nicht alle kennenlernen, doch sobald die BewohnerInnen durch eine Heimvertretung organisiert sind, ist das eine gute Grundlage für einen gewissen Zusammenhalt. Da hilft es natürlich auch, wenn es in jedem Stockwerk einen Gemeinschaftsraum oder gar eine Gemeinschaftsküche gibt. Ein negatives Gegenbeispiel wäre dann ein von der Personenzahl her kleineres Haus, in dem es weder den einen noch den anderen Ort gibt, wo die BewohnerInnen aufeinander treffen können. Nicht jede Person ist interessiert an zwischenmenschlichem Kontakt, nur weil sie in einem Studentenheim wohnt, aber zumindest die Möglichkeit dafür sollte gegeben sein.
Natürlich wäre es schön wenn man sich die Häuser wirklich aussuchen könnte, doch man sollte mit vollen Wartelisten rechnen, besonders wenn es sich um billige Zimmer handelt. Pi mal Daumen sollte man mehr als ein halbes Jahr vor Einzug mehr als zwei Heime anschreiben, dann hat man eine solide Chance auf einen Heimplatz. Im Notfall auch für Doppelzimmer bewerben, obwohl es nicht jedermanns Sache ist. Studentenheime sind oft Franchise-artig vernetzt, so dass ein Umzug zwischen den Heimen viel leichter ist, als überhaupt einmal hineinzukommen. Wer dann so schnell wie möglich ausziehen möchte, sollte mit einer Kündigungsfrist von um die drei Monate rechnen. In eiligen Fällen, kann man es natürlich auch persönlich bettelnd versuchen.

WahlwienerInnen begünstigt

Man jetzt nehme mal an, man hätte die ersten Jährchen in der neuen Unistadt in einem Heim oder einer WG verbracht. Nun fühlt man sich finanziell und – oder geistig bereit, in eine eigene Wohnung zu ziehen. Vielleicht ist man sogar ein glückliches Pärchen bereit für den nächsten gemeinsamen Schritt. Klar ist, dass solche Entscheidungen nicht von heute auf morgen getroffen werden können. Vor allem wenn man eine kostengünstige Wohnung sucht, muss man sicher ein halbes Jahr einrechnen. Wienspezifisch gibt es zwei Möglichkeiten um an billiges und meist auch Öffi nahes Wohnen zu kommen: Genossenschafts- und Gemeindebauwohnungen. Letzteres ist eine Maßnahme, die nur WienerInnen helfen soll. Das hat aber nichts mit der Staatsbürgerschaft zu tun – EU /EWR BürgerInnen haben genauso eine Chance wie ÖsterreicherInnen – sondern mit dem konstanten wohnen in Wien. Man muss für eine Anmeldung zwei Jahre am Stück an der Einreichadresse gemeldet sein, Zweitmeldungen ausgeschlossen.

Lasst uns wohnen, Genossen!

Somit ist diese Variante wirklich etwas für WahlwienerInnen, die vorausplanen. Mit den Genossenschaftswohnungen läuft das ein wenig anders. Dabei handelt es sich um geförderte Wohnprojekte in Wien, wo man bei Einzug einen gewissen Genossenschaftsanteil entrichtet, der zwischen ab 1000 Euro aufwärts anzusetzen ist. Dieser Anteil ist eine einmalige Kaution, die in den Finanzierungstopf der gesamten Anlage einfließt. Die Mieten sind am Wiener Wohnungsmarkt gemessen sehr niedrig. Die Einkommensgrenze von 62.960 Euro für zwei Personen darf dabei nicht überschritten werden. Über Wohnservice-Wien.at kann man sich kostenfrei anmelden und die Förderungswürdigkeit berechenen lassen. Für beide Wohnformen gilt: Es gibt Wartelisten. Deswegen zahlt es sich aus auf den gängigen Immobilienseiten nach Genossenschaftswohnungen zu suchen, und sich nicht nur auf die städtischen Services zu verlassen.

Wer eher spontan umziehen muss oder möchte, für den gibts immer noch den Mietwohnungsmarkt. Dabei kann man versuchen Wohnbeihilfe zu ergattern. Wiederum sind EU-BürgerInnen gleichgestellt und sogar WGs können förderungswürdig sein. Vorraussetzung ist der Bezug der Wohnung, Meldung in der Wohnung und die Entrichtung des Mietzinses. Ähnlich wie bei der Studienbeihilfe wird das Einkommen der im Haushalt lebenden Personen berechnet, wobei Familien mit Kindern begünstigt werden.

WG Börsen:
Der Standard
Schwarzes Brett der ÖH
http://www.wg-gesucht.de
Wohnbörse

Liste aller österreichischen Studentenheime:
Studentenheime

Nützliche Adressen zum Thema Wohnen in Wien:
http://www.wienerwohnen.at
http://www.wien.gv.at/wohnen
https://www.wohnservice-wien.at

Seiten zur direkten Wohnungssuche:
http://www.wohnnet.at
http://www.willhaben.at/iad/immobilien
http://www.jobwohnen.at/wohnungen
http://www.bazar.at

Anne-Marie Darok

Anne-Marie Darok | Redakteurin

Musik, Mode und auch ein bisschen Film - solange Adjektive nicht verboten sind, wird gerne über das (fast) komplette Kulturspektrum berichtet

anne-marie.darok (ät) unimag.at

bei UNIMAG seit: Mai 2011

 

 

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