Häufig besser ausgebildet als ihre männlichen Kollegen, doch auf Führungspositionen seltener vertreten: Das ist die Situation, vor der Frauen immer noch stehen, die in ihrer Karriere vorankommen wollen. Wir nennen mögliche Gründe und geben Tipps, wie Berufseinsteigerinnen selbstbewusst in ihre berufliche Laufbahn starten, Hindernisse überwinden und die weitere Karriere erfolgreich gestalten können – damit weibliche Talente auch auf den oberen Ebenen in Unternehmen ankommen.

Frauen in Führungspositionen
© iStockphoto / Daria Nipot

„Wir wollen schon vor dem Studienabschluss dazu beitragen, dass junge Frauen erste Berufserfahrung und vor allem Kontakte und Vorbilder erhalten, auf die sie nach ihrem Abschluss zurückgreifen können – und die ihnen zeigen, wie vielfältig die Möglichkeiten sind.“ So begründet Hannah Thier, verantwortlich für Employer Branding & People Experience bei PwC Österreich, warum die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft sich in Projekten zur Förderung von Absolventinnen und Berufseinsteigerinnen engagiert. „Wir unterstützen zum Beispiel bundesweite Frauenförderungsprojekte, die Berufseinsteigerinnen speziell für eine Karriere in der Digitalisierung begeistern sollen, arbeiten mit Studierenden-Clubs zusammen, in denen junge Frauen im Vorstand sitzen, oder wählen gezielt weibliche Kolleginnen als Unternehmensvertreterinnen bei Events aus.“

Unterrepräsentiert auf Führungspositionen

Frauen haben immer noch oft sperrigere Karrierewege. Vor allem höhere Führungspositionen werden weiterhin häufiger von Männern besetzt. Je höher man in die Führungsetagen der Unternehmen schaut – Stichwort „gläserne Decke“ –, desto seltener sind dort Frauen zu finden. So werden in den 200 umsatzstärksten Unternehmen Österreichs nur 28 Prozent der Sitze in den Aufsichtsräten und 14 Prozent der Posten in den Geschäftsführungen von Frauen besetzt. Das geht aus dem „Frauen.Management.Report.2025“ der Arbeiterkammer Wien hervor.

Hannah Thier, PwC Österreich
© PwC

An einer schlechteren Ausbildung kann dies nicht liegen. Im Gegenteil: Über die Hälfte der jungen Frauen in Österreich hat die Matura erfolgreich abgelegt, während der Wert bei den Männern nur bei 36 Prozent liegt. Und der Frauenanteil an den Studienabschlüssen an den öffentlichen Universitäten in Österreich lag zuletzt bei 55 Prozent.

Als eine Ursache identifiziert die Arbeiterkammer Wien in ihrem Report das sogenannte „Ähnlichkeitsprinzip“: „Ähnlichkeit macht attraktiv und gibt Sicherheit – die Folge ist, dass Männer gerade für Führungsposition gerne immer wieder Männer rekrutieren. „Wir leben nach wie vor in einer Gesellschaft mit patriarchalen Strukturen – einem System, das von Männern für Männer geschaffen wurde“, sagt Hannah Thier und zeigt auf, wie es anders gehen kann: „PwC Österreich hat aktuell einen Frauenanteil von über 55 Prozent. Auf der Führungsebene ab Grade Manager sind es rund 45 Prozent. Gerade in Einstiegspositionen rekrutieren wir sehr ausgeglichen.“

Chancen ergreifen

Ob Absolventinnen Karriere machen, hängt jedoch nicht allein von den passenden Rahmenbedingungen ab. Es kommt auch darauf an, dass Frauen sich bietende Chancen ergreifen oder auch erzwingen. Viele haben immer noch die Tendenz, sich eher einordnen zu wollen als sich selbst als potenzielle „Chefin“ zu sehen. Ihre Arbeitsergebnisse präsentieren sie nur zurückhaltend – etwa, weil sie diese selbst für so selbstverständlich halten, dass sie kein großes Aufheben davon machen wollen. Ihren männlichen Kollegen fällt der offensive Auftritt oft leichter. Deren Leistungen nehmen Vorgesetzte deshalb häufig stärker wahr.

Tipp 1: Selbstbewusstsein entwickeln

Präsentiere dich und deine Arbeitsergebnisse offensiv und selbstsicher. Gerade in den ersten Berufsjahren ist das Auftreten oft genauso wichtig wie Qualifikation. „Frauen haben höhere Qualitätsstandards“, so die Erfahrung von Hannah Thier, „das darf nicht zum Hindernis werden. Oft muss man es einfach mal probieren und merkt dann, dass alle nur mit Wasser kochen.“

Tipp 2: Sichtbar sein

Zu trainieren, die eigenen Ergebnisse pointiert vorzustellen oder Präsentationen in Meetings zu übernehmen, lohnt sich gerade für Berufseinsteigerinnen. Je öfter dies gelingt, desto sicherer wird das eigene Auftreten. Sich auf diese Weise einen guten Namen zu machen, ist nie mehr so leicht wie nach dem Berufseinstieg, wenn die Situation offen und die eigene Rolle noch nicht festgefahren ist.

Tipp 3: Karriereziele definieren

Mach dir klar, wo du hinmöchtest. Nur dann kannst du den Weg dorthin verfolgen und entsprechende Entscheidungen treffen. Flexibilität und Umwege sind dabei erlaubt. Es kann sich zum Beispiel lohnen, dich auf attraktive Stellen zu bewerben, bei denen du nicht alle Anforderungen hundertprozentig erfüllst. Persönliches Engagement und Lernwille können das oft schnell wettmachen.

Knackpunkt Kinderbetreuung

Der Effekt verstärkt sich noch, wenn Männer familiär weniger eingebunden sind und sich beruflich ausgiebiger präsentieren können, auch über den Feierabend hinaus. Vor allem das Thema Kinderbetreuung wird oft zum Knackpunkt, an dem sich die Karrierewege von Männern und Frauen trennen. Es mangelt häufig immer noch an familienfreundlichen Arbeitszeitmodellen und Angeboten zur Kinderbetreuung. Dies hindert weiterhin vor allem Frauen daran, sich so in ein Unternehmen einzubringen, dass die Karriere bis in eine Führungsposition reicht. Und die Väter übernehmen nur selten mehr als zwei Monate Karenz. Neben gesellschaftlichen Reformen ist ein kultureller Wandel erforderlich.

„Natürlich führen die Nachwirkungen einer Geburt und die Bedürfnisse eines Neugeborenen dazu, dass eine Mutter anfangs mehr Zeit zur Heilung und für das Kind braucht. Aber es liegt auch in der Verantwortung des anderen Elternteils, der Politik, der Gesellschaft und des Arbeitsgebers, wie es dann weitergeht. Es muss echte Entscheidungsfreiheit im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Kind und Karriere geben – für beide Elternteile“, lautet die Forderung von Hannah Thier. „Zwischen Frauen und Männern gibt es Unterschiede – aber biologische ‚Nachteile‘ sind nur solange tatsächliche Nachteile, wie sie gesellschaftlich als solche behandelt werden.“

Tipp 4: Familienarbeit teilen

Denn Spagat zwischen Familie und Beruf nehmen mehrheitlich weiterhin Frauen auf sich. Wenn sie eine längere Zeit beruflich kürzertreten oder pausieren, ziehen andere währenddessen häufig an ihnen vorbei und lukrative Posten sind schon besetzt sind – oft von Männern, die sich auf ihre berufliche Laufbahn konzentrieren und weniger Rollen gleichzeitig ausfüllen müssen. Für Frauen sind eigene Karrieresprünge dann umso schwieriger zu schaffen. Dagegen hilft nur, die Familienarbeit in der Partnerschaft wirklich zu teilen und dies auch einzufordern.

Tipp 5: Rollenbilder hinterfragen

Vermeide das „Fleißige-Lieschen-Syndrom“. Zwar freut sich das gesamte Büro, wenn lästige Alltagsaufgaben an die neue Kollegin abgegeben werden können – beruflich weiter bringt dies aber nicht und die Lorbeeren werden woanders geerntet. Auch alles bis in den späten Abend allein erledigen zu wollen, fördert nicht die Karriere. Gegen solche Perfektionsfallen hilft nur zu lernen, dass Delegieren sinnvoll ist – Männern fällt das meist weniger schwer. „Nicht jede:r muss alle Fähigkeiten immer vorab mitbringen, jede:r macht irgendein Projekt zum ersten Mal, bei allen geht mal etwas schief“, weiß Hannah Thier. „Eine positive Fehlerkultur hilft dabei, mehr Mut zu haben.“

Karriere in technischen Berufen

Weiterhin unterrepräsentiert sind Frauen in technischen Berufen, obwohl hier ebenfalls spannende Karrieremöglichkeiten warten. Unternehmen finden in ihrem Pool von Bewerbungen häufig nur wenige Absolventinnen mit Abschluss in einem MINT-Studienfach.

Der Anteil von Studentinnen in MINT- oder technisch-naturwissenschaftlichen Studiengängen an Österreichs Universitäten und Fachhochschulen liegt derzeit immerhin bei 39 bzw. 29 Prozent. Ein annähernd ausgeglichener Anteil von männlichen und weiblichen Studierenden ist aber weiterhin nicht in Sicht – trotz aller Versuche, MINT-Studiengänge und -Berufe durch Projekte und Initiativen für Frauen attraktiver zu machen. Das Problem beginnt oft schon in der Schule, wo Mädchen sich eher in anderen Fächern hervortun. Bei der Wahl der Kurse, der Berufsausbildung oder des Studiengangs setzt sich diese Tendenz dann fort.

Tipp 6: Keine Angst vor technischen Berufen

Niedrige Frauenquoten in manchen technischen Berufen sollten nicht abschrecken, sondern ein Anreiz sein, etwas daran zu ändern. Wenn das Interesse für ein Thema da, ist das Geschlecht nicht relevant. Frauen, die ein MINT-Studium absolvieren und sich anschließend um einen technische Stelle bewerben, haben sehr gute Karrierechancen. Und die Universitäten und Hochschulen unterstützen in der Regel das Studium von Frauen in technischen Fächern.

Netzwerke helfen

Wer sich unsicher über den eigenen Karriereweg ist, kann sich an weiblichen Role Models orientieren, die viele Unternehmen auf ihren Webseiten vorstellen. Das gilt für technische wie andere Berufe.

Funktionierende berufliche Netzwerke sind gerade für Frauen überaus wertvoll, um die Karriere gemeinsam voranzubringen. Dazu müssen gar keine männlichen Feierabendrituale imitiert werden. Netzwerke lassen sich auch nach Meetings, auf Konferenzen, beruflichen Weiterbildungen oder schlicht in der Kaffeeküche knüpfen und pflegen.

Dann kappt es fast automatisch mit dem „Match“, wenn wichtige Aufgaben oder Posten verteilt werden – ob im eigenen oder in einem anderen Unternehmen. Tipps und gegenseitige Unterstützung können sich Frauen auch in verschiedenen organisierten Netzwerken und Initiativen holen.

Human-Resources-Expertin Thier berichtet aus eigener Erfahrung: „Als Teil des PwC Women Networks bin ich stolz auf die Gemeinschaft, die wir im und über das Unternehmen hinaus haben. Die Mitglieder unseres Women Networks setzen sich aktiv dafür ein, den Austausch unter Frauen zu fördern und alle Kolleg:innen dabei zu unterstützen, das Beste aus sich herauszuholen und Erfolgsgeschichten zu schreiben. Durch Networking Events, Formate zum Wissensaustausch und zur Weiterbildung sowie themenspezifische Arbeitsgruppen versuchen wir, allen die Möglichkeit zu geben, ihre Stimme zu nutzen und die Zukunft mitzugestalten.“

Tipp 7: Netzwerke aufbauen

PwC-Expertin und -Netzwerkerin Hannah Thier: „Ein starkes Netzwerk kann helfen, Situationen in Perspektive zu setzen und sich gegenseitig zu stärken, Erfahrungen zur Karriereentwicklung auszutauschen und aus den Lebenswegen der anderen zu lernen.“

Gerechte Entlohnung

Zur Wertschätzung der eigenen Leistung gehört eine gerechte Entlohnung. Der offene Austausch in Netzwerken kann auch zu mehr Transparenz beim Thema Gehalt beitragen, genauso wie die Recherche in Online-Portalen oder anderen Quellen. Die Gründe für den nach wie vor existierenden Gender Pay Gap sind vielschichtig. „Frauen verbleiben oft länger in einer niedrigeren Gehaltsstufe oder werden in ihrem Aufstieg von Karenzen unterbrochen. Umso wichtiger kann für sie deshalb beim Berufsstart eine Position mit höherem Einstiegsgehalt sein“, erklärt Hannah Thier.

Ein weitere Chance, strukturelle Unterschiede wie längere Karenzen und Gehaltsunterschiede auszugleichen, ist kontinuierliche Weiterbildung. Weiterbildungen fördern nicht nur die fachlichen und persönlichen Skills. Sie ermöglichen, sich in neuen beruflichen Bereichen zu etablieren, die eigene Persönlichkeit und „Marke“ zu stärken und Führungsverantwortung zu übernehmen. Die Chance, sich persönlich weiterzuentwickeln, sollte ohnehin ein zentrales Kriterium bei jeder Jobwahl sein, und das von Anfang an. „Der erste Job muss nicht der letzte sein, aber sollte genug Möglichkeiten für die eigene Weiterentwicklung mit sich bringen“, rät Thier schon Berufseinsteigerinnen.

Tipp 8: Gehaltstransparenz einfordern

Wissen ist Macht. „Deshalb ist es wichtig, Gehaltstransparenz zu verlangen, über Branchenstandards Bescheid zu wissen, sich über die nötige Absicherung in verschiedenen Lebensabschnitten (Teilzeit, Pension) zu informieren und auf Basis dessen passende Gehälter zu fordern“, betont Hannah Thier.

Tipp 9: Verhandeln lernen

Niemand sollte zu hoch pokern, aber Frauen sollten sich darüber bewusst sein, dass sie auch auf vergleichbaren Positionen oft weniger verdienen als Männer. Stelle deshalb selbstbewusst deine Forderungen und lasse dich nicht von schiefen Vergleichen aus dem Konzept bringen – sondern verweise souverän auf deine Leistungen und Kompetenzen.

Tipp 10: Auf Weiterbildung setzen

Weiterbildungen helfen, die Qualifikation zu verbessern, in besser bezahlte Positionen aufzusteigen und sich Führungs-Skills anzueignen. Außerdem verschaffen sie neue Perspektiven und Motivation, wenn die berufliche Laufbahn stagniert.

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