Sehr wahrscheinlich hast du dich um „Bürokratie“ bisher nicht allzu intensiv gekümmert. Mit dem ersten „richtigen Job“ beginnt jedoch ein neuer Lebensabschnitt. (Selbst-) Verantwortung und langfristige Planung gewinnen jetzt einen neuen Stellenwert.

„Bürokratie“ ist Stress? Richtig – trotzdem nimmt sie in bestimmten Lebensphasen zu. Während des Studiums spielten Versicherungen und Vorsorge nur eine Nebenrolle. Möglicherweise warst du in den letzten Jahren in der Krankenversicherung deiner Eltern mitversichert. Planungen über das Ende des Studiums hinaus betrafen vor allem deine Karriereziele. Mit dem ersten Job nach dem Studienabschluss startest du jedoch in eine völlig neue Lebensphase. In den kommenden Jahren wirst du dich beruflich etablieren und irgendwann eine eigene Familie gründen. Der Start in den Beruf ist auch der richtige Zeitpunkt, wichtige Vorsorgeentscheidungen zu treffen und die Grundlagen für langfristige finanzielle Sicherheit zu schaffen.

Welche Versicherungen brauchst du?

Beginnen wir mit den Versicherungen: Der Markt dafür ist kaum noch überschaubar – inklusive vieler überteuerter Produkte, die kaum praktische Bedeutung haben und vor allem Geld in die Kassen der Assekuranzen oder der Versicherungsvertreter spülen. Umgekehrt kann das Fehlen wirklich wichtiger Versicherungen im Ernstfall ausgesprochen teuer werden. Hierzu gehören:

Krankenversicherung

Die Frage nach einer Grundabsicherung stellt sich hierzulande nicht – die österreichische Krankenversicherung ist eine Pflichtversicherung, in die du als Arbeitnehmer automatisch aufgenommen wirst, wenn dein Arbeitseinkommen die Geringfügigkeitsgrenze von derzeit 405,98 Euro monatlich überschreitet. Die Versicherungsbeiträge werden von dir und deinem Arbeitgeber jeweils anteilig getragen. Bei welcher Krankenkasse (Gebiets- oder Betriebskrankenkasse) du versichert bist, richtet sich nach deinem Arbeitgeber. Für Selbstständige, öffentlich Bedienstete und Bauern gibt es jeweils eigene Krankenkassen.

Entscheiden musst du, ob du zusätzlich zur obligatorischen Krankenversicherung eine freiwillige Zusatzversicherung mit besseren und umfassenderen medizinischen Leistungen erwerben willst. Falls ja, wird ein frühzeitiger Abschluss dieser Polizze von den privaten Krankenversicherern mit günstigen Beitragssätzen honoriert. Für eine ausreichende Absicherung zwingend erforderlich ist sie jedoch nicht.

Berufsunfähigkeits
versicherung

Der Abschluss einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung ist grundsätzlich empfehlenswert. Falls du wegen einer Krankheit oder eines Unfalls deinen Beruf nicht mehr ausüben kannst, ergänzt sie die Leistungen der staatlichen Berufsunfähigkeitspension und sichert je nach Versicherungssumme deinen Lebensstandard weitgehend ab. Hinzu kommt, dass die Leistungen der staatlichen Versicherung für berufsunfähige Personen sukzessive schlechter werden. Wichtig ist, dass der Vertrag keine Ausschlussklauseln – beispielsweise für Berufsunfähigkeit infolge eines Burnouts – enthält und die Versicherung unmittelbar auf deinen ausgeübten Beruf bezogen ist. Alternativ kann eine Versicherung für „Dread Deseases“ – besonders schwere Erkrankungen – abgeschlossen werden. Da das Kleingedruckte der Verträge oft einige Fallstricke enthält, ist vor dem Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung eine professionelle und möglichst auch unabhängige (nicht an ein bestimmtes Versicherungsunternehmen gebundene) Beratung empfehlenswert.

Haftpflichtversicherung

Falls du bisher deinen Hauptwohnsitz bei deinen Eltern hattest, warst du möglicherweise über die Haftpflichtversicherung deiner Eltern gegen Schadensersatzansprüche Dritter abgesichert. Spätestens mit dem Berufseinstieg ist dieser Versicherungsschutz nicht mehr gegeben. Im Extremfall kann das Fehlen dieser Versicherung jedoch existenzbedrohend werden. Versichert sind Sach-, Personen- und Vermögensschäden, für die du schadensersatzpflichtig bist. Die Versicherungssumme für Sach- und Personenschäden sollte mindestens drei Millionen Euro betragen. Für Kraftfahrzeuge muss eine separate KFZ-Haftpflicht abgeschlossen werden.

Weitere Versicherungen benötigst du nur dann, wenn deine Lebensumstände sie erfordern. Einmal abgesehen von der KFZ-Versicherung können diese Polizzen meist noch warten. Beispielsweise ist eine Risikolebensversicherung nur sinnvoll, wenn es darum geht, andere Familienangehörige in finanzieller Hinsicht abzusichern.

Sparprogramm und Altersvorsorge

In den kommenden Jahren wirst du zu vielen Gelegenheiten ein materielles Polster brauchen können – als Sicherheit, für die Erfüllung persönlicher Wünsche oder für „große Anlässe“ wie Hochzeit, Familiengründung oder Hausbau. Optimal ist also, wenn du zeitgleich mit dem Start ins Arbeitsleben auch ein Sparprogramm beginnst. Welche Anlage- oder Sparformen sich dafür am besten eignen, hängt von deinen eigenen Präferenzen ab.

Auch eine langfristige Altersvorsorge sollte eventuell schon jetzt ein Thema sein. Welche Leistungen die gesetzliche Alterspension in einigen Jahrzehnten liefert, weiß heute niemand – im Zweifelsfall kompensiert ein privates Vorsorgeprogramm gravierende Versorgungslücken. Wer sich vor allem auf die gesetzliche Alterssicherung verlassen will, hat dort die Möglichkeit, seine Pensionsbeiträge auf freiwilliger Basis aufzustocken, was außerdem Steuern sparen hilft. Viele Unternehmen bieten als zweite Säule der Altersvorsorge betriebliche Vorsorgemodelle an. Seit 2003 gibt es die sogenannte prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge als ein staatlich gefördertes Modell – verfügbar ist sie derzeit in Form von Rentenversicherungen sowie Pensionsinvestmentfonds. Die Aktienquote – also das Risiko der Geldanlage – sinkt mit dem Lebensalter. Die Rentenauszahlung bleibt nach heutigem Stand der Dinge steuerfrei.

Auf dem freien Markt sind zahlreiche weitere Anlagemodelle für die private Altersvorsorge verfügbar, durch lange Ansparzeiten sind die aus heutiger Sicht erzielbaren Erträge besonders attraktiv. Allerdings wirkt sich der demografische Wandel auch auf kapitalgedeckte Vorsorgeanlagen aus – in welchem Maße die Anbieter ihre heutigen Renditeversprechen über einen längeren Zeitraum halten können, ist heute noch nicht einmal ansatzweise absehbar.

Die Sache mit der Steuer

Möglicherweise wirst du mit dem Berufsstart nach dem Studium erstmalig steuerpflichtig. Österreich hat einen in drei Stufen gestaffelten Einkommenssteuersatz, Jahreseinkommen bis 11.000 Euro bleiben steuerfrei. Darüber hinausgehende Einkommensanteile bis 25.000 Euro jährlich werden mit 36,5 Prozent versteuert, für Einkommensanteile zwischen 25.000 und 60.000 Euro gilt ein Steuersatz von 43,21 Prozent. Für Einkommensanteile über 60.000 Euro gilt der Spitzensteuersatz von 50 Prozent.

Steuern fallen für alle Einkünfte aus unselbstständiger und selbstständiger Arbeit, Vermietung, Verpachtung sowie Kapitalvermögen an. Falls du in einem nicht selbstständigen Arbeitsverhältnis tätig bist, wird die Steuer direkt von deinem Arbeitgeber an den Fiskus abgeführt. Dabei handelt es sich um eine Vorauszahlung auf die Jahressteuer, deren endgültige Höhe anhand deiner Steuererklärung ermittelt wird. Falls du neben deinem Gehalt noch andere Einkünfte beziehst, sind diese ebenfalls in der Steuererklärung anzugeben. Steuererleichterungen gibt es in Form von Pauschalen (beispielsweise für Werbungskosten) oder Absetzbeträgen (beispielsweise für außergewöhnliche Belastungen, Alleinerziehende oder Alleinverdiener mit Kindern).

Einkommenssteuererklärungen in Papierform sind jeweils bis zum 30. April des Folgejahres beim Finanzamt einzureichen, die elektronische Steuererklärung über FinanzOnline ist am 30. Juni des Folgejahres fällig.

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