INHALTSVERZEICHNIS
- Höhere Arbeitgeberattraktivität
- Nachhaltigkeit in der globalen Lieferkette
- Steigenden Anforderungen an Ressourcenschonung
- Bachelor-Arbeit im Unternehmen
- Wertvolle Green Skills
- Wettbewerbsvorteil auf dem Arbeitsmarkt
- CO2-Fußabdruck verringern
- Lösungen der Zukunft
- Tägliches Zusammenspiel
- Theoretischen Hintergrund aufbauen
Die Bewältigung der Umwelt- und Klimakrise ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Unternehmen aus fast allen Branchen sind auf der Suche nach nachhaltigen Lösungen. Jungen Talenten bietet das die Chance, auch bei ihrer Karriere echte Veränderungen für eine grünere Zukunft zu bewirken.

Ob Technik-Talente, Naturwissenschaftler:innen, Wirtschaftsexpert:innen oder Vertreter:innen anderer Fachrichtungen: Die meisten Absolvent:innen suchen heute einen Job mit Sinn. Klar, der Einstieg nach dem Studium sollte den Weg in eine spannende und gerne auch lukrative Karriere ebnen. Doch die Themen Umweltorientierung und Nachhaltigkeit sind für Bewerbende in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden – und ein wesentliches Kriterium bei der Wahl des künftigen Arbeitgebers.
Das bestätigt eine Umfrage der Europäischen Investitionsbank (EIB) aus dem Jahr 2022, für die mehr als 28.000 Menschen in 30 Ländern befragt wurden. Dabei sagten 72 Prozent der unter 30-Jährigen in Österreich, dass für sie die Haltung eines potenziellen Arbeitgebers zum Klima ein wichtiges Kriterium bei der Jobwahl sei. Für 21 Prozent hat dieser Aspekt sogar oberste Priorität.
Höhere Arbeitgeberattraktivität

Für Deutschland kommt die Stellenbörse Stepstone zu ähnlichen Ergebnissen: Bei einer Umfrage für den „Hiring Trends Index“ im Jahr 2024 gaben 82 Prozent der Beschäftigten an, bei einem Jobwechsel gezielt nach einem nachhaltigen Unternehmen zu suchen. Glaubwürdige Nachhaltigkeit und „Green Jobs“ erhöhen vor allem für umweltbewusste junge Menschen die Arbeitgeberattraktivität und spielen deshalb für Unternehmen eine immer größere Rolle bei der Talentgewinnung und Mitarbeiterbindung.
Angesichts der großen ökologischen Herausforderungen, vor denen wir alle stehen, eröffnen sich besonders in den Bereichen Green Tech und Umweltschutz spannende berufliche Perspektiven. Die Umstellung auf erneuerbare Energien und Elektromobilität, die Gestaltung nachhaltiger Städte oder Recycling und Kohlenstoffabscheidung und -speicherung sind nur einige offensichtliche Beispiele. Doch an innovativen und nachhaltigen Lösungen wird in fast allen Branchen gearbeitet. Schließlich sind diese langfristig auch mit Kostenreduzierengen für die Unternehmen verbunden.
Nachhaltigkeit in der globalen Lieferkette

Laura Wolfschluckner arbeitet im Bereich „Globales Kapazitätsmanagement“ beim Maschinenbauunternehmen ENGEL Austria im oberösterreichischen Schwertberg. Hier ist sie für Nachhaltigkeitsthemen im Rahmen der globalen Lieferkette zuständig. Der Kontakt zu dem Unternehmen kam während ihres berufsbegleitenden Bachelor-Studiums „Prozessmanagement und Business Intelligence“ an der Fachhochschule Steyr durch einen Kommilitonen zustande, der bereits bei ENGEL tätig war.
Laura Wolfschluckner bewarb sich erfolgreich als Lean- und Prozessmanagerin und war zunächst drei Jahre in diesem Bereich tätig. „Erst vor Kurzem bin ich auf eine Position mit Nachhaltigkeitsbezug gewechselt. Grundsätzlich habe ich aber schon zuvor darauf geachtet, dass die Werte und Unternehmensphilosophie sich mit meinen eigenen Ansichten weitgehend decken.“
Steigenden Anforderungen an Ressourcenschonung
Nachhaltigkeit ist bei der Herstellung und Verarbeitung von Kunststoff zwangsläufig ein zentrales Thema. „Als einer der weltweit führenden Hersteller von Spritzgießmaschinen und Automatisierungslösungen für die Herstellung von Kunststoffprodukten stehen wir vor der Herausforderung, den steigenden Anforderungen an Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung gerecht zu werden“, heißt es aus der Unternehmenskommunikation bei ENGEL. „Der Klimawandel, der zunehmende Rohstoffverbrauch und die Forderung nach funktionierenden Materialkreisläufen stellen die Maschinenbau-, aber auch die Kunststoffbranche vor komplexe Aufgaben.“
Das Unternehmen versucht diesen Herausforderungen mit Lösungen zu begegnen, die energieeffizientes Produzieren, den Einsatz von Rezyklaten sowie geschlossene Wertstoffkreisläufe im Rahmen einer „Circular Economy“ erlauben. „Dazu zählen zum Beispiel intelligente Assistenzsysteme, die Spritzgießprozesse bei unseren Kunden stabilisieren und so einen optimalen Materialeinsatz ermöglichen, oder Technologien, die die Verarbeitung von recyceltem Kunststoff erleichtern“, so Laura Wolfschluckner.
Bachelor-Arbeit im Unternehmen
Laura Wolfschluckners Interesse für Nachhaltigkeit, insbesondere im Bereich der Industrie, wurde im Zuge ihrer Bachelor-Arbeit geweckt, die sie gemeinsam bei dem Unternehmen verfasst hat. „Dies war auch der Anstoß, mich mehr in diese Richtung weiterzuentwickeln.“ Das tat sie beruflich und an der Hochschule: Derzeit besucht die 26-Jährige das letzte Semester ihres Master-Studiums „Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement“ an der IMC Hochschule Krems. „Bei beiden Studiengängen habe ich mich für den berufsbegleitenden Modus entschieden. Mir war es von Anfang an wichtig, theoretisches Wissen mit praktischen Erfahrungen zu verknüpfen.“
Wertvolle Green Skills
Viele Branchen wollen und müssen in eine grüne Zukunft investieren – und suchen deshalb immer intensiver nach Fachkräften, die entsprechende Fähigkeiten erworben haben. Die UN-Organisation UNIDO (United Nations Industrial Development Organization) definiert diese dringend notwendigen „Green Skills“ als „Kenntnisse, Fähigkeiten, Werte und Einstellungen, die erforderlich sind, um in einer nachhaltigen und ressourceneffizienten Gesellschaft zu leben, sie zu entwickeln und zu unterstützen“.
Dass die EU bis 2050 – so die Vorgabe – klimaneutral sein soll, führt zu einer massiven und notwendigen Transformation quasi aller Wirtschaftsbereiche. So entwickeln sich „Green Jobs“ zu einem der großen Wachstumsbereiche der Wirtschaft. Neben der im Inland erzielten Wertschöpfung bringen sie einen enormen Schub für das technologische Know-how im eigenen Land und machen die Volkswirtschaft weniger krisenanfällig.
Wettbewerbsvorteil auf dem Arbeitsmarkt
Ein wachsendes Bewusstsein für Klimaschutz und Nachhaltigkeit sowie erfolgreiches Werben um die besten Talente werden deshalb zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil – auch auf dem Arbeitsmarkt. Für gut qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber sind „grüne“ Themen ein immer wichtigeres Kriterium beim Vergleich von Unternehmen. Für ausgewiesene Umweltsünder möchte ohnehin kaum noch jemand tätig sein.
CO2-Fußabdruck verringern
„In meinem Tätigkeitsbereich kann ich den CO2-Fußabdruck unserer Lieferkette aktiv mitgestalten. Nachhaltigkeit ist im Unternehmen tief verankert und spielt eine zentrale Rolle – nicht nur bei unseren Produkten, sondern entlang der gesamten Wertschöpfungskette“, hebt ENGEL-Mitarbeiterin Wolfschluckner hervor. „In der Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten achten wir darauf, ökologische, soziale und ökonomische Aspekte in Einklang zu bringen und so unseren Beitrag zu einer nachhaltigeren Industrie zu leisten. Entscheidend ist, dass man sich als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter engagieren möchte und selbstständig neue Ideen und Vorschläge einbringt. Ich habe auf jeden Fall das Gefühl, Prozesse und Lösungen aktiv mitgestalten zu können.“
Zum Thema Kunststoffe in der Umwelt ist der Absolventin wichtig zu betonen: „Kunststoff ist nicht per se schlecht – entscheidend ist der richtige Umgang. Durch seine Leichtigkeit, Leistungsfähigkeit und gute Recyclingfähigkeit hilft Kunststoff, Ressourcen zu schonen und CO2-Emissionen zu reduzieren. Am verantwortungsvollen Umgang mit Kunststoffen müssen wir allerdings alle gemeinsam arbeiten. ENGEL ist sich als Teil der Kunststoffindustrie dieser Verantwortung bewusst und setzt sich aktiv für Kreislaufwirtschaft und ressourcenschonende Prozesse ein.“
Lösungen der Zukunft
Tatsächlich ist Nachhaltigkeit viel mehr als nur ein Trend – die nachhaltige Transformation der Wirtschaft wird längst als dringende Notwendigkeit erkannt. Innovative Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Branchen arbeiten deshalb an den Lösungen der Zukunft, um die Umwelt- und Klimakrise zu bewältigen. Der jeweilige Fokus der Unternehmen bei der nachhaltigen Transformation hängt von der Branche und ihren Schwerpunkten ab.
Manche arbeiten an Lösungen zur Reduktion von Energieverbrauch und Emissionen, andere fokussieren sich auf Themen wie Kreislaufwirtschaft und Schonung von Ressourcen. Biodiversität ist ein weiterer Bereich, dem sich Unternehmen widmen.
Tägliches Zusammenspiel
Das Master-Studium „Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement“ ermöglichte Laura Wolfschluckner einen umfassenden theoretischen Überblick. „Es waren viele Facetten der Nachhaltigkeit abgedeckt. Wie jedoch zum Beispiel eine Regulatorik konkret in einem Unternehmen umgesetzt und angewandt wird, lässt sich im Studium kaum vollständig erlernen. Hierfür braucht es vielmehr Learning by Doing. In der Praxis zeigt sich zum Beispiel, dass in puncto Nachhaltigkeit eine enge Kommunikation zwischen verschiedenen Abteilungen – etwa Legal, Einkauf, Nachhaltigkeit und Qualität – unerlässlich ist, um die fachlichen Expertisen aller zu bündeln. In diesem Zusammenspiel lernen wir täglich dazu.“
Die Anforderungen an Berufseinsteiger:innen haben sich mit der digitalen und nachhaltigen Transformation bereits enorm gewandelt. Die Herausforderungen sind komplexer geworden, deshalb reicht es nicht mehr aus, isoliertes Fachwissen aus einem Nischenbereich mitzubringen. Neben fachlichem Know-how sind vor allem Kompetenzen wie Problemlösungsfähigkeit, interdisziplinäres Denken, Teamorientierung und ein ausgeprägtes Bewusstsein für nachhaltige Lösungen gefragt.
Theoretischen Hintergrund aufbauen
Wolfschluckner empfiehlt, sich zu verschiedenen Themengebieten einen theoretischen Hintergrund aufzubauen: „Gerade Fachhochschulen haben den Vorteil, dass großer Wert auf Praxisnähe und tatsächliche Anwendbarkeit gelegt wird. Dazu tragen auch Unternehmensprojekte und Case Studies bei, die wir als Studierende erarbeitet haben. Dabei bekommt man schon einen guten Einblick, wie die Dinge laufen und inwiefern Unterschiede zur Theorie bestehen.“ In der Praxis warten auf die Absolvent:innen dann sinnvolle, erfüllende und ausgesprochen abwechslungsreiche Aufgaben.







