Zsuzsa Bánk hat mit ihrem Debütroman Der Schwimmer, der bereits 2002 erschienen ist, ein Werk geschaffen, das tief unter die Haut geht. Es geht unter anderem um Flucht, um Heimatlosigkeit, um Trauer und Unglück, aber auch um unausgesprochene Träume und Hoffnungen. Die Geschichte spielt zeitlich gesehen zwischen dem gescheiterten Volksaufstand in Ungarn 1956 und dem Prager Frühling. Doch spielen die politischen Ereignisse keine große Rolle – vielmehr steht die persönliche Geschichte einer zerrüttelten Familie im Vordergrund.

Ein Wanderleben

Auf einmal war sie weg. Kata, die Ich-Erzählerin des Romans, ist noch ein junges Mädchen, als ihre Mutter die Familie wortlos zurücklässt. Gemeinsam mit ihrem Bruder Isti und ihrem Vater Kálmán, der sich kaum um seine Kinder kümmert, zieht sie von nun an durch das Land und kommt immer wieder für kurze Zeit bei Verwandten und Bekannten unter, bis etwas passiert, das sie erneut forttreibt. So etwas wie ein Zuhause kennen die Kinder nicht. Sie führen ein Wanderleben.

Die anziehende Kraft des Wassers

Lediglich ein kleiner Ort am See schafft es, der Familie einige Jahre hindurch ein Zuhause zu bieten. Kálmán lehrt seinen Kindern das Schwimmen und fortan wird vor allem Isti immer wieder vom Wasser angezogen. Er verliert sich in einer anderen Welt und beginnt Dinge zu hören, die gar kein Geräusch machen. Über die verschwundene Mutter spricht in der Familie niemand, doch als Leser spürt man jeden Gedanken an sie, ohne dass er ausgesprochen werden muss. Eines Tages zerstört ein Brand das Haus am Ufer des Sees, weshalb sie erneut Abschied nehmen und weiterziehen müssen. Und so nimmt die Geschichte ihren Lauf…

Das Werk zeichnet sich nicht durch eine komplexe Handlung, sondern vielmehr durch das Ungesagte aus – die Gefühle und Details, die nur zwischen den Zeilen stehen. Die Zeit scheint still zu stehen, obwohl man herauslesen kann, dass in Wirklichkeit einige Jahre vergangen sein müssen. Auch die sich nicht verändernden Charaktere verstärken das Gefühl der Zeitlosigkeit. Kata und Isti behalten bis zum Ende ihr kindliches Verhalten bei. Da es sich bei der Ich-Erzählerin um ein junges Mädchen handelt, werden die Geschehnisse auch bloß aus der Sicht des Kindes erzählt, was wohl vieles im Verborgenen lässt, aber sicherlich auch Dinge zeigt, die einem aus der Sicht eines Erwachsenen entgehen würden.

Buch-Informationen
„Der Schwimmer“
Zsuzsa Bánk
Fischer Verlag
Taschenbuch: 9,30 Euro

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