„Hello Friends, Michael Buchinger hier. Willkommen zu meiner Hass-Liste.“ Mit einem Glas Wein sitzt der Wiener Student Michi vor der Kamera und zählt Dinge auf, die ihn diesen Monat so richtig auf die Palme gebracht haben. Die Hass-Listen kommen gut bei seinen Zuschauern auf YouTube an. Seine Abonnentenzahl: Ganze 70.000. Das beliebtestes Video: Mehr als eine Millionen Klicks!
Seit einigen Monaten lebt Michi nun in Berlin und produziert dort seine Videos. Mein Mit-Redakteur Michael Haller und ich konnten uns vor Kurzem mit ihm in Wien treffen und ein wenig plaudern. Ein Interview von Doppel-Michi und Alessa.
 

UNIMAG: Du hast ja eine ziemlich große Reichweite auf YouTube, wie erklärst du dir diesen Erfolg?
Michael: Ich mach das Ganze genau genommen seit sechs Jahren und bin schon ziemlich lange dabei. Dazu gehört Durchhaltevermögen und am allerwichtigsten für mich ist die Regelmäßigkeit. Und ich finde, man sollte halt auch darauf achten, dass man authentisch ist. Das sind so ziemlich meine Tricks.

 

Hast du denn einen genauen Wochen- oder Zeitplan für deinen Kanal, den du einhältst?
Ich hab momentan meine drei festen Upload-Tage, aber das Filmen mache ich immer unterschiedlich. Normalerweise versuche ich, einige Videos auf Vorrat zu produzieren. Manche Videos sind dann mal aufwendiger als andere. Es kommt auch immer darauf an, wo ich bin. Wenn ich zum Beispiel in Wien bin, habe ich ja auch nicht immer mein ganzes Equipment dabei.

„Ich will so sein wie ihr!“

 

Was gehört denn zu deiner Ausrüstung und was brauchst du alles zum Filmen?
Eigentlich mein Stativ, meine Softbox und eben die Kamera und zwei Linsen. Das Schneiden mache ich immer am iMac. Bei meinem letzten Video, das ich hier in Wien gedreht habe, musste ich ziemlich improvisieren. Ich hab dann die Kamera auf eine Vase und auf eine Leiter gestellt (lacht).

Wie kam‘s denn eigentlich dazu, dass du Videos gemacht hast und die dann sogar online gestellt hast?
Ich war einfach ein ziemlich gelangweilter Schüler im Burgenland. Ich habe damals eben auch selber viele YouTuber angeschaut und da dachte mir: „Ich will so sein wie ihr!“ Erst hab ich auch nur ganz selten und heimlich meine Videos gefilmt. Und ab 2013 habe ich das wirklich regelmäßig gemacht und auch mehr Zuschauern bekommen. Meine Familie und meine Freunde finden das eigentlich auch ganz cool, glaube ich.

Warst du nervös vor dem erstem Video?
Ja total! Ich war sogar schon nervös beim Filmen und konnte nicht direkt in die Kamera schauen. Deshalb habe ich immer nur so Sketche gedreht.

Wie kommst du denn eigentlich auf die ganzen Ideen für deine Videos?
Oft kommen die durch Gespräche mit Freunden oder ich schaue selber was gerade bei YouTube Trend und beliebt ist. Und wenn ich mal keine Ideen habe, dann greife ich auf meine festen Formate zurück. Ich versuche aber oft, mich von den klassischen YouTubern abzugrenzen und deren Themen dann in meinen Videos auf meine eigene Art zu interpretieren.

Ganz besonders sind ja deine monatlichen Hass-Listen, wie kommst du auf so etwas?
Es gibt ja Unmengen von Videos mit Monats-Favoriten, in denen die Leute sagen: „Oh ich liebe diesen Lippenstift so sehr!“ und da hab ich mir einfach gedacht, dass das Gegenteil doch viel lustiger ist. Und die Reaktionen waren super positiv, deshalb mache ich die Hass-Liste jetzt für jeden Monat. Auf meinem Handy hab ich auch immer so eine Liste, auf der ich dann nervige Dinge sammle, die mich stören.

Hast du denn ein Skript, an das du dich hältst oder probst du, bevor du dann deine Videos aufnimmst?
Ich mache halt mehrere Takes und schneide dann alles Lustige zusammen. Manchmal schreibe ich mir aber schon Witze auf, denn auch ich bin nicht jeden Tag ein Feuerwerk der Energie. Aber das ist ja eh niemand… Mich stört es aber, dass immer alles so makellos auf YouTube ist. Ich möchte alles authentisch machen! Dann geht halt auch mal was schief, beispielsweise in meinen Backvideos.

Du machst ja auch manchmal mit anderen YouTubern zusammen Videos. Mit wem würdest du denn mal am liebsten ein Projekt starten?
Miranda Sings! Da muss man selbst nicht so viel machen, weil sie einfach so witzig ist. Ich guck auch viele Videos von ihr.

Wie gut kennst du denn deine Zuschauer?
Ich schau ab und zu mal in die Statistik, um zu sehen, wer diese Menschen so sind. Aber am ehesten versuche ich so ein bisschen Marktforschung zu machen, wenn mich Leute auf der Straße ansprechen. Dann frage ich sie auch, wie sie auf mich aufmerksam geworden sind. In letzter Zeit sind meine Zuschauer auch älter, besonders in Berlin. So dreißig plus mit Kinderwagen. In Wien sind die Meisten 14 bis 24 Jahre alt.

Erinnerst du dich an ein krasses Erlebnis mit einem Zuschauer?
Mir hat mal tatsächlich jemand Tickets für ein Madonna-Konzert geschenkt. Der hatte die Tickets selber gewonnen aber leider keine Zeit. Das war schon sehr nett von ihm und sehr selbstlos!

Als YouTuber wird man ja immer öfter gebeten, in seinen Videos auf Produkte aufmerksam zu machen. Ist dir da schon mal eine dubioses Placement unter gekommen?
Also generell kann man ab und zu diese Produkt Platzierungen machen. Aber nur, wenn man wirklich dahinter steht! Dann mach ich das auch gerne. Es kam auch schon mal ein Angebot mit Intimpflege und das kann ich ja nun wirklich schlecht in meinem Video zeigen. Das war total komisch. Das habe ich dann nicht gemacht. Es ist einfach wichtig, dass man da sehr ehrlich ist. Ich kennzeichne Produkt-Platzierungen auch genau in meinen Videos und damit sind dann auch meine Zuschauer glücklich.

In deinen Videos bastelst du ja auch oder kochst. Was machst du denn am liebsten, wenn die Kamera mal aus ist?
Ich backe tatsächlich gerne. Aber das ist dann viel entspannter und am Ende auch leckerer, als in meinen Videos. Gleichzeitig zu filmen ist halt immer etwas schwierig. Ich geh auch manchmal joggen, ich lese gerne Autobiografien und ich gehe auf Konzerte oder ins Kino. Alles, ich mache wirklich alles.

Guckst du auch manchmal Fernsehen?
Zählt es als Fernsehen, wenn es Netflix ist? Also ich gucke schon sehr gerne Serien auf Netflix.

Bist du denn der Meinung, dass YouTube und das Internet das Fernsehen ersetzten werden?
Da bin ich mir nicht so sicher. Ich habe letztens tatsächlich einen Vortrag gehört und da wurde gesagt, dass der Fernseher wie die Faxmaschine ist. Irgendwann kommen halt andere Medien. Nur ich denke mir, dass das Fernzusehen schon ganz wichtig ist, beispielsweise für Live-Übertragungen. Wobei, wenn ich dann mal Fernsehen gucke, dann fall ich da richtig rein und schaue stundenlang Sixx oder so was. So merkwürdige Styling-Sendungen.

Du hast ja mal in einem Video angesprochen, dass du selber gerne mal ein Buch schrieben würdest. Steht das immer noch an?
Hmmmmm es könnte irgendwann man passieren. Aber ich denk mir, ich bin noch zu jung. Ich glaube, ich bin einfach noch nicht im richtigen Lebensabschnitt, um das zu realisieren. Ich habe mich aber tatsächlich schon einmal mit einem Verlag getroffen, das war aber nicht so toll. Da hab ich viel über das harte Buch-Business gelernt.

So, du hast ja den Deutschen Webvideopreis 2015 In der Kategorie Lifestyle für deine Hass-Listen gewonnen…
Ja, das war witzig (lacht)!

Du bist bestimmt richtig stolz oder? Hat das deine Arbeit nicht zusätzlich gekrönt?
Ich fühl mich schon bestätigt aber nicht so, dass ich mich jetzt auf meinen Lorbeeren ausruhe. Ich fand auch die anderen Nominierten in der Kategorie super. Aber ich hab mich natürlich sehr gefreut. Ich bin dann in eine Hotelbar mit ein paar Freunden gegangen und habe im kleinen Kreis gefeiert und dann bin ich schlafen gegangen. Der Preis steht jetzt am Fenstersims. Aber der ist echt schwer, manchmal fällt der auch runter und ich hab dann direkt Angst, dass ein Loch im Boden ist.

Hast du denn auch noch Ziele im Bereich YouTube?
Hm, ich möchte vielleicht ein bisschen weg von YouTube. Ich denk mir: „YouTube ist schön und gut, aber wenn ich irgendwann mal 30 bin…“ Man hat halt ein gewisses Ablaufdatum. Ich würde mich gern ein bisschen auf das Schreiben fokussieren.

Hast du denn zu guter Letzt noch Tipps für Leute, die mit YouTube anfangen möchten oder ist das mittlerweile schon zu spät?
Nein, es ist nie zu spät. Mir schreiben aber schon oft Menschen und fragen nach Ideen für ihr erstes Video. Aber genau das ist eben wichtig! Wenn dir schon am Anfang nichts einfällt, dann ist das vielleicht der falsche Ansatz. Man darf aber auch nicht versuchen, wie jemand anderes zu sein und andere kopieren. Sei einfach du selbst und mach regelmäßig Videos. Besonders am Anfang würde ich auf kurze Videos setzten, die eben nicht 20 Minuten lang sind.

Vielen Dank Michael. Das war’s schon. Trinken wir noch einen Spritzer?
Ja, supergerne!

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