Der Anteil von Frauen in technischen Berufen beträgt in Österreich nur 15 Prozent. Können sich die Unternehmen den Verzicht auf qualifizierte Frauen wirklich leisten? Und welche Unterstützung brauchen Frauen für eine technische Karriere?

Der Anteil von Hochschulabsolventinnen in Technik und IT dürfte nochmals geringer sein – in diese 15 Prozent sind auch alle Frauen ohne Hochschulabschluss eingerechnet, die in technischen Bereichen tätig sind. Fast scheint es, als ob die Technik eine der letzten Männerdomänen sei. Gleichzeitig suchen viele Unternehmen händeringend nach Fachkräften mit technischen Qualifikationen. Der Verzicht auf die Expertise von Frauen in Technik und IT könnte sich in absehbarer Zeit als Wettbewerbshindernis erweisen.

© iStock – michaeljung

MINT-Frauenförderung – bisher mit limitierter Wirksamkeit

Staat, Bildungsinstitutionen und Unternehmen betonen immer wieder, wie wichtig es sei, bei jungen Frauen frühzeitig das Interesse an einer technischen Ausbildung zu wecken. Der sogenannte „Girls Day“ mit technischem Schwerpunkt gehört in vielen Unternehmen heute zum Programm, in den Schulen gibt es MINT-Förderungsprogramme speziell für Mädchen. Die Hochschulen warten mit Mentoring-Angeboten für Frauen in technischen Berufen auf. Und natürlich betonen die Unternehmen unisono, dass sie sich der Frauenförderung verschrieben haben.

In der Praxis scheinen diese Programme nicht allzu viel zu helfen. Bildungsforscher stellen dazu gern die These auf, dass die meisten Frauen aufgrund ihrer Sozialisation nur ein begrenztes Interesse an technischen Fragestellungen haben. Traditionelle Rollenmodelle und das Fehlen gegenläufiger Vorbilder sind jedoch nur ein Teil der Wahrheit.

Männlich besetzte Territorien und die „gläserne Decke“ in den Firmen

Zwar erreichen die vergleichsweise wenigen Technikerinnen oft einen schnelleren – und besseren – Abschluss als ihre männlichen Kommilitonen, in vielen Unternehmen treffen sie danach jedoch auf ein „männlich besetztes Territorium“. Ihr beruflicher Aufstieg scheitert oft von Anfang an an der „gläsernen Decke“ – sie nachhaltig zu durchbrechen, schaffen bisher nur die allerwenigsten Frauen. An den Hochschulen sieht es kaum anders aus, beispielsweise ist eine technikwissenschaftliche Professorin nicht ganz leicht zu finden. Dagegen ist das Risiko von Ingenieurinnen und IT-Expertinnen, arbeitslos zu werden, doppelt so hoch wie für ihre männlichen Kollegen.

Frauen brauchen gleiche Karrierechancen in der Technik

In absehbarer Zeit werden die Unternehmen durch den demografischen Wandel dazu gezwungen sein, qualifizierten Frauen in technischen Berufen die gleichen Karrierechancen einzuräumen, wie sie Männer heute schon genießen. Dafür sind ein Umdenken im Hinblick auf die praktizierten Einstellungs- und Beförderungsverfahren, aber auch bessere Bedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nötig – von letzteren würden übrigens auch Männer profitieren. Bis dahin benötigen Frauen in technischen Berufen einen langen Atem und Konsequenz, um ihre Karriereziele durchzusetzen. Und: Auch die Unternehmen, die Frauen in technischen Berufen wirklich fördern, gibt es.

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