Die umfassende Digitalisierung von Produktion und Kommunikation ist eine der Herausforderungen, vor denen Unternehmen heute stehen. Technik- und IT-Experten bietet die Industrie 4.0 zahlreiche neue Karriereperspektiven.

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Der Begriff des „Internets der Dinge“ (Internet of Things) wurde bereits im Jahr 1991 geprägt. Seinerzeit beschrieb der US-amerikanische IT-Experte und Internet-Pionier Mark Weiser in seinem Essay „The Computer for the 21st Century“, wie er sich die digitale Vernetzung im 21. Jahrhundert vorstellt. Seine Prognose bezog sich auf eine Welt, in der immer kleinere Rechner Menschen sowohl in der Produktion als auch bei ihren Alltagstätigkeiten Hilfestellung leisten. Herkömmliche Computer werden dabei durch „intelligente Gegenstände“ abgelöst, die eigenständig miteinander kommunizieren und in der Lage sind, ihre Interaktionen dezentral zu regulieren.

Was ist Industrie 4.0?

Mark Weisers Vision der autonomen, intelligent vernetzten Gegenstände lässt sich im Bereich der Verbraucherelektronik zum Teil schon recht eindrucksvoll erleben. Smartphones und Smart Watches kommunizieren miteinander, das TV-Gerät merkt sich unsere Präferenzen, Smart Homes spielen im oberen Segment des Hausbaus eine immer größere Rolle…

Perspektivisch werden sich auch die Wertschöpfungsketten in der Industrie immer stärker über die Grenzen einzelner Unternehmen hinaus vernetzen. Entscheidend für die Implementierung der Industrie 4.0 ist die Entwicklung cyberphysischer Systeme, die über digitale Kommunikationsschnittstellen sowohl mit ihren eigenen Komponenten als auch mit vergleichbaren Systemen kommunizieren können. Sie bilden die Voraussetzung für dezentral gesteuerte Prozesse, in denen das einzelne Werkstück / Produkt vorgibt, welche Aktion zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erfolgen hat. Gleichzeitig entgrenzt Industrie 4.0 den produktiven Raum – entsprechende Interaktionen können in einer globalen Dimension erfolgen.

Big Data und Cloud Computing – Basis für die Industrie 4.0

Das „Internet der Dinge“ im heutigen Verständnis stellt die Gesamtheit solcher intelligenten, dezentral vernetzten Prozesse und Gegenstände dar. Unter anderem ermöglichen sie – unter Festhalten am Prinzip der großen Stückzahl – eine stark individualisierte Produktion, die nicht mehr auf den Bedarf der „Masse“, sondern einzelner Kunden fokussiert ist. Für ihre bedarfsgerechte Steuerung wird unter anderem Social Media künftig als Datenquelle im Hinblick auf den Lebenszyklus und die Nutzung von Produkten immer größere Relevanz gewinnen – die Fertigung wird auf dieser Basis fortlaufend sowie in Echtzeit optimiert und angepasst.

Die Themen Big Data und Cloud Computing sind in diese Prozesse eingeordnet: Die Cloud ermöglicht nahezu unbegrenzte Datenmengen ohne zeitliche oder räumliche Limits auszutauschen. Auf dieser Basis ist es beispielsweise möglich, eine Produktionsanlage in Südamerika von Wien aus zu überwachen und hochindividualisierte Serviceplattformen für die eigenen Systeme in einem globalen Rahmen aufzubauen.

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Die Implementierung der Industrie 4.0 wird perspektivisch wettbewerbsentscheidend

Die Entwicklung der Industrie 4.0 in Europa steht noch ganz am Anfang. Laut einer deutschen Umfrage aus dem Jahr 2015 spielt sie bisher nur für etwa die Hälfte der großen Konzerne und 43 Prozent der Mittelständler eine planungsrelevante Rolle. In Österreich dürfte die Situation kaum anders sein. Trotzdem sind sich alle Beteiligten – Technologieexperten, Analysten und Firmenlenker – einig, dass die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und ganzen Volkswirtschaften auf lange Sicht ohne Industrie 4.0 nicht zu haben ist.

Techniker/innen – die Gewinner auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft

In der Arbeitswelt werden das „Internet der Dinge“ und Industrie 4.0 gravierende Veränderungen bewirken. Dabei werden Techniker/innen – Ingenieure aller Fachrichtungen sowie IT-Experten – die eindeutigen Gewinner sein. Sie stehen an vorderster Front, wenn es darum geht, die Komplexität der neuen Systeme zu verstehen, zu beherrschen und nachhaltig zu entwickeln. Perspektivisch kann es durchaus sein, dass Betriebswirte und Controller durch die Industrie 4.0 wieder in die zweite Reihe treten. Gleichzeitig werden sie in noch stärkerem Umfang als bisher an den Schnittstellen von IT und Hardware tätig werden. Entsprechende Trends zeichnen sich bereits – noch vage und ganz am Anfang – in den Anforderungsprofilen des Arbeitsmarktes von heute ab.

50 Millionen Euro für die Industrie 4.0

Am 19. April 2016 präsentierte EU-Kommissar Günther Oettinger ein Strategiepapier, das einen Fahrplan zur Implementierung der Industrie 4.0 in der Europäischen Gemeinschaft darstellt. Die EU-Kommission will mit insgesamt 50 Millionen Euro nationale Digitalisierungsinitiativen unterstützen, die Vernetzung europaweiter Wertschöpfungsketten branchenübergreifend fördern und dafür Investitionsanreize schaffen. Dabei geht es insbesondere um einen verbesserten Zugang zu digitalen Technologien in der EU durch Kompetenzcenter und Innovation Hubs, um die Förderung von Digital Skills in allen Stufen der nationalen Bildungssysteme sowie um die Schaffung innovationsfördernder EU-Gesetze. Ein weiterer Schwerpunkt des strategischen EU-Digitalprogramms liegt auf der Implementierung und Priorisierung neuer ICT-Standards in den Bereichen 5G, Big Data, Cloud Computing und Datensicherheit sowie der Entwicklung einer European Cloud Initiative. Weitere Maßnahmen- und Förderungspakete sollen im Laufe des Jahres 2016 folgen.

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