Consultingunternehmen stellen sich viel breiter auf, als vielen bewusst ist. Neben Wirtschaftsabsolvent:innen suchen sie ganz aktiv Talente aus den Bereichen Mathematik, IT, Naturwissenschaft und Technik. Denn ihr Fachwissen, ihre analytische Denkweise und ihr lösungsorientiertes Handeln werden hoch geschätzt. In den Beratungsgesellschaften warten auf sie deshalb vielfältige Karrieremöglichkeiten und spannende Aufgaben in oft interdisziplinären Teams.

Beraterin am Whiteboard
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„MINT-Talente bringen oft ausgeprägte analytische und problemlösende Fähigkeiten mit. Diese Skills sind im Consulting unerlässlich, um komplexe Fragestellungen effizient zu bearbeiten“, stellt Theresa Glinzerer fest – und beschreibt so, was Talente aus den Bereichen Mathematik, IT, Naturwissenschaft und Technik besonders für einen Einstieg ins Consulting qualifiziert. „Außerdem sind diese Fähigkeiten in vielen Projekten ein zentraler Faktor, um eine erfolgreiche Umsetzung sicherzustellen“, ergänzt die Tech-Recruiterin beim Beratungsunternehmen Deloitte Österreich.

Viele Studierende verbinden das Consultinggeschäft in erster Linie mit Karrieremöglichkeiten für Absolvent:innen wirtschaftswissenschaftlicher Studiengänge. Schließlich scheinen für Consultants bei ihren Projekten die Türen zum Management der Auftraggeber weit offen zu stehen. Tatsächlich eröffnet auch ein guter Studienabschluss in einem der MINT-Fächer sehr gute Chancen in der Beratungsbranche. Denn die Absolventinnen und Absolventen haben im Studium gelernt, komplexe Sachverhalte rasch zu durchschauen, kleinere und größere Projekte selbstständig zu planen sowie Probleme strukturiert zu analysieren und zu lösen.

Neue Themen durch digitale Transformation

Digitale Transformation
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Dazu kommt der Aufschwung, den die Bereiche IT- und Technologie-Consulting zuletzt erlebt haben. Vor allem die digitale Transformation bringt in vielen Branchen ganz neue Themen auf die Agenda. Für Consultants wird es deshalb immer wichtiger, nicht nur betriebswirtschaftliche Hintergründe, sondern auch technologische Prozesse gut zu verstehen und analysieren zu können. „Derzeit sind vor allem Bereiche wie Cloud- und ERP-Technologien, Data Analytics, Cyber Security und Artificial Intelligence sehr gefragt. Aber auch Themen wie Nachhaltigkeit und ESG – gemeint ist ‚Environmental, Social, Governance‘, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung – gewinnen zunehmend an Bedeutung“, erklärt Theresa Glinzerer. Die dafür nötige fachliche Technik-Expertise können MINT-Absolvent:innen direkt in die Consulting-Projekte einbringen.

Die Diplom-Ingenieurin Emilia Bessonova hatte nach ihrem Studium viele berufliche Optionen, etwa Arbeit in der Forschung, ein PhD-Studium, Einstieg in ein Pharmaunternehmen oder jegliche Art von Laborarbeit. Entschieden hat sie sich jedoch für das Consulting: „Mich reizten der Einblick in viele unterschiedliche Branchen und Industrien, die abwechslungsreichen Tätigkeiten und ständig neuen Herausforderungen sowie die Möglichkeit, schnell eigenständig arbeiten und große Verantwortung übernehmen zu können“, erläutert die Beraterin, die heute als Managerin im Bereich Technology Consulting der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC tätig ist. „Daraus resultiert ein großer Learning-Effekt, nicht nur im Hinblick auf Hard Skills, wie technische und fachliche Aspekte, sondern auch auf Soft Skills, wie Kommunikation, Planung, Organisation und der Zugang zu unterschiedlichen Menschen und Charakteren“, so die 29-Jährige.

Einstieg während des Studiums

IT-Consulting
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Studiert hatte Emilia Bessonova Lebensmittel- und Biotechnologie an der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU Wien). Dem Bachelor schloss sie ein Diplomstudium in Biotechnologie mit dem Schwerpunkt Bioinformatik an. Zum Consulting kam sie durch eine Freundin, die bereits seit zwei Jahren in der Branche arbeitete. „Ich konnte parallel zur Uni bei PwC als Junior Consultant einsteigen, dies ist eine Form eines längerfristigen Praktikums. Ich hatte auch die Möglichkeit, nach dem Praktikum für eine gewisse Zeit die Zahl der Arbeitsstunden zu reduzieren, um meine Diplomarbeit zu finalisieren.“ Die Studentin startete im Bereich IT-Consulting ins Beratungsgeschäft und konnte auf Projekten schnell das Projektmanagement unterstützen und als Junior Developer tätig werden.

In der IT-Beratung kümmern sich die Beraterinnen und Berater nicht nur um die Implementierung oder Optimierung von Software-Systemen. Sie beraten die Kundinnen und Kunden bei Projekten zur IT-Infrastruktur oder der Optimierung und Vereinheitlichung von IT-Prozessen – zum Beispiel bei der Automatisierung bislang händisch ausgeführter Vorgänge, etwa im Rechnungswesen. Besonders gute Aussichten auf einen Einstieg ins IT-Consulting bietet ein Studium der Wirtschaftsinformatik oder ein anderes IT-Studium mit wirtschaftlichem Schwerpunkt.

Technisches Know-how als Grundlage

Interdisziplinäres Team
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Seit ihrer Festanstellung arbeitet Emilia Bessonova an Projekten im Bereich Cloud Computing und Data & Analytics. Hier halfen ihr das Basiswissen und das Verständnis für Programming, das sie sich bereits während ihres Praktikums bei PwC aneignen konnte: „Das technische Know-how war ein wesentlicher Grundstein für meinen weiteren Karriereverlauf und ein gutes Fundament für die Entwicklung meiner Management-Skills als Projektleiterin und Requirements Engineer.“ Dabei übernimmt die Diplom-Ingenieurin auch die Rolle als Kommunikatorin zwischen dem Business- und IT-Bereich – etwa als „Dolmetscherin“ bei technischen und fachlichen Fragestellungen.

Die Beratungsgesellschaften unternehmen einiges, um MINT-Talente auf sich aufmerksam zu machen und zu zeigen, wie sie ihre technischen und analytischen Kompetenzen im realen Geschäftsleben anwenden können. „Wir bieten auch spezielle Einstiegsprogramme und Weiterbildungsmöglichkeiten an, die auf MINT-Absolventinnen und -Absolventen zugeschnitten sind. Damit gelingt es uns sehr gut, diese Zielgruppe anzusprechen“, sagt Deloitte-Recruiterin Theresa Glinzerer. „Damit unsere MINT-Talente die notwendigen Business-Skills für eine erfolgreiche Karriere im Consulting erwerben, setzen wir außerdem auf Mentoring, die Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams und Projekten sowie eine ausgeprägte Feedback-Kultur.“

IT-Kompetenz für Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung

In der Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung ist vor allem IT-Kompetenz gefragt. „In der Steuerberatungsbranche sind Schnittstellen zu verschiedenen Buchhaltungssoftwaresystemen zu beherrschen, elektronische Archivierung und Datenanalyse spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. In der Wirtschaftsprüfung stehen IT-Compliance und Audits an der Tagesordnung. Auch bei forensischen Prüfungen sind IT-Experten und -Expertinnen gefragt“ erläutert Jürgen Sykora, Vorsitzender der Berufsgruppe der Steuerberater:innen in der Kammer der Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen (KSW).

Gerade in der Wirtschaftsprüfung können MINT-Absolvent:innen ihre analytischen Fähigkeiten einbringen. „Durch ihre Vertrautheit mit neuesten Technologien und Tools können sie ihre Talente in ganz unterschiedlichen Bereichen entfalten, etwa der Verwaltung von Datenbanken, Big-Data-Analysen, der Entwicklung automatisierter Prozesse, Risikomanagement und -bewertung, der Analyse von Finanzdaten und der Bewertung von Geschäftsmetriken“, betont Kristina Weis, die die Wirtschaftsprüfungsabteilung bei der RSM Austria Wirtschaftsprüfung leitete.

„Besonders die Fähigkeit zu kritischem Denken und die Interdisziplinarität sind Skills, die MINT-Talente in die Wirtschaftsprüfung einbringen. MINT-Studienrichtungen vermitteln hierfür zentrale Kompetenzen, etwa Muster zu erkennen, komplexe Daten zu verstehen und Lösungen für komplizierte Probleme zu finden“, so Kristina Weis weiter, die unter anderem als Ersatzmitglied des Vorstands der KSW fungiert.

Kernkompetenzen für Consultants

Für den Einstieg ins Consulting müssen MINT-Talente neben ihren technischen und analytischen Fähigkeiten vor allem eine hohe Motivation, Offenheit, Flexibilität und große Lernbereitschaft mitbringen – genauso wie Absolvent:innen anderer Studienrichtungen. „Die Branche ist dynamisch und erfordert, sich schnell neuen Umständen anpassen zu können. Neben dieser grundlegenden Eigenschaft sind auch Kernkompetenzen wie Kommunikationsfähigkeit und Teamarbeit wichtig für den Erfolg“, hebt Personalexpertin Theresa Glinzerer hervor. „Daneben gewinnen insbesondere agiles Arbeiten sowie Innovationstechniken wie Design Thinking immer mehr an Bedeutung.“

Im Bereich Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung sind Talente besonders gefragt, die ihr MINT-Studium mit betriebswirtschaftlichen Studien kombiniert haben. Neben einem Informatik-Studium bietet deshalb wie im Consulting ein Studium der Wirtschaftsinformatik hervorragende Voraussetzungen für die Wirtschaftsprüfung. „Mathematiker:innen sind in der Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung aufgrund ihrer analytischen Fähigkeiten gerne gesehen und Naturwissenschaftler:innen und Techniker:innen werden besonders für das Zukunftsthema Nummer 1, die Nachhaltigkeitsberichterstattung gesucht“, ergänzt Jürgen Sykora, der selbst Inhaber einer Steuerberatungskanzlei ist.

Rolle der Consultants wandelt sich

Der technologische Wandel verändert gleichzeitig die Rolle der Consultants. „Dank zunehmender Automatisierung und KI können Consultants ihren Fokus heute zunehmend auf komplexere Aufgaben richten“, erklärt Theresa Glinzerer. Die als reisefreudig bekannten Consultants arbeiten heute häufiger als früher remote und in virtuellen Teams, die Corona-Pandemie sorgte auch hier für Lernprozesse. „Mithilfe digitaler Tools können wir unseren Kundinnen und Kunden noch besser auf sie zugeschnittene Lösungen bieten und gleichzeitig effizienter und standortunabhängiger interagieren. Trotzdem sind der persönliche Kontakt sowie der Aufbau von Beziehungen und Vertrauen unverändert wichtige Bausteine für den Erfolg im Beratungsgeschäft“, so Theresa Glinzerer von Deloitte. Auch für Emilia Bessonova ist Kommunikation einer der wichtigsten Aspekte für den Erfolg: „‚Communication is key‘, man muss die Needs der Kunden verstehen und zuhören und sie dementsprechend umsetzen. Dabei helfen uns vor allem der direkte Face-to-face-Kontakt und physische Meetings, in denen wir ein Gefühl für das Projekt bekommen.“

Das macht das Consulting für Absolvent:innen aller Fachrichtungen so spannend, zusammen mit der Möglichkeit, sich immer wieder neue Kompetenzen aneignen zu können. „Es passiert viel unter Eigenverantwortung und wir haben die Möglichkeit, Unternehmen datentechnisch auf ein neues, innovatives Level zu heben“, sagt die PwC-Beraterin Bessonova. MINT-Studierenden und -Absolvent:innen, die ins Consulting einsteigen möchten, gibt sie deshalb mit: „Seid offen für neue Challenges, probiert es aus – es ist aufregend und man lernt sehr viel!“

Heinz Peter Krieger

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