Über Langeweile können sich Unternehmensberater in der Regel nicht beschweren. Sie sind ständig unterwegs, arbeiten sich in immer neue Themengebiete ein und rollen ihre Erkenntnisse vor erwartungsfrohen Kunden aus. Dies gilt in der IT- und Technologieberatung noch mehr als anderswo.

Im Sommer verkündete KPMG Austria eine gute Nachricht für seine Beschäftigten. Alle Jahresgehälter sollten zum 1. Juli 2022 pauschal um 3.000 Euro angehoben werden. Das entspricht 215 Euro mehr im Monat – für jeden. Der Angriff der Inflation auf den Geldbeutel soll dadurch abgeschwächt werden.

Von der Gießkanne profitieren insbesondere Berufseinsteiger:innen, für die der Pauschalbetrag einen größeren prozentualen Anteil am Gehalt ausmacht. Auch die Einstiegsgehälter für Masterabsolvent:innen wurden um bis zu 3.000 Euro erhöht. Die IT-Consultants von KPMG an den insgesamt acht Standorten in Österreich zählen zu den Nutznießern, obwohl sie auch vorher nicht an Hunger litten.

Nach Angaben der Jobplattform Stepstone können IT-Consultants in Österreich mit einem Durchschnittsgehalt von rund 50.000 Euro brutto pro Jahr rechnen. Die Gehälter sind also durchaus üppig – aber oft nur für Männer.
Nach Angaben der Arbeitgeber-Bewertungsplattform Kununu ist der Gehaltsabstand zwischen Männern und Frauen in der Beraterbranche überproportional groß. Schon die Berufsanfänger unter den Männern mit bis zu drei Jahren Erfahrung verdienen 14 Prozent mehr als die Frauen – nur in der Finanzbranche ist der sogenannte Gender Pay Gap unter Neueinsteiger:innen größer.

Bei routinierten Berater:innen mit sechs bis zehn Jahren Berufserfahrung steigert sich der Gehaltsabstand sogar auf 22 Prozent – auch das der zweithöchste Wert hinter der Finanzbranche. Die Zahlen beziehen sich zwar auf Deutschland, dürften aber in Österreich mutmaßlich nicht viel anders aussehen.

„Zwar besteht schon zu Karrierebeginn in vielen Branchen ein signifikanter Gehaltsunterschied, doch steigt dieser erst recht an, sobald ein Alter erreicht wird, in dem der Nachwuchs kommt. Es ist daher ein naheliegender Schluss, dass Familienzuwachs noch immer eine Karrierebremse für Frauen ist“, so CEO Nina Zimmermann von Kununu.

Arbeitgeber seien in der Pflicht, so Zimmermann, aktiv gegenzusteuern. Wesentlich kleiner ist die Einkommenslücke demnach in der Immobilienwirtschaft, in Medien, Bildungsberufen, Marketing oder PR.

„Durch Corona entstandene Dynamik kann ein Game-Changer sein“

Vor allem virtuelle Beratungsmöglichkeiten scheinen das Potenzial zu haben, die Rahmenbedingungen für Frauen zu verbessern. „Ich bin davon überzeugt, dass die durch die Corona-Pandemie entstandene Dynamik, Beratungsprozesse verstärkt digital durchzuführen, ein ‚Game Changer‘ sein kann“, meint Ralf Strehlau, Präsident beim Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU). „Der Reiseaufwand und die damit verbundene Abwesenheit von zu Hause verringert sich erheblich.“

Bei Deloitte Österreich sind nach Unternehmensangaben 65 Prozent der Mitarbeiter:innen weiblich, im Consulting sind es 62 Prozent. „Wir sind stolz auf diese Zahlen, denn sie zeigen, dass der MINT-Bereich längst keine Männerdomäne mehr ist“, sagt Christine Donati, HR-Expertin bei Deloitte Österreich.

Wegzudenken ist das Homeoffice in den großen Beratungsunternehmen nicht mehr. Deloitte Österreich hat den persönlichen Arbeitsplatz im Büro abgeschafft.„Homeoffice ist der Teil der neuen Arbeitskultur, manche Projekte erfordern auch die Arbeit beim Kunden vor Ort“, sagt Christine Donati. „Gleichzeitig ist die gemeinsame Zeit im Büro aber auch sehr wichtig. Persönliche Begegnungen und informelle Gespräche sind essenziell für das Teamgefühl.“

Die einzelnen Teams entscheiden selbst, an wie vielen Tagen ihre Mitglieder im Büro erscheinen und wann sie zuhause arbeiten. „Komplett remote zu arbeiten wäre im Sinne eines guten Teamgefüges nicht zielführend“, meint Donati. Aus der AirBnB-Unterkunft in der Algarve lässt sich der Job nur schwer bewerkstelligen, daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Andererseits zählt der Beruf nach einer Indeed-Auswertung zu jenen, in denen man viel reisen und sich gleichzeitig über ein stattliches Gehalt freuen kann.

„IT-Affinität ist Voraussetzung“

Etwas weniger als 20.000 Unternehmen sind nach Angaben von Statistik Austria in Österreich beratend tätig. Insgesamt geben sie mehr als 36.000 Menschen Arbeit – die meisten von ihnen sind hochqualifiziert.

Ein Informatik-Studium ist für IT- und Technologieberater:innen der Königsweg. Auch Wirtschaftsinformatik, Mathematik, VWL, Digital Marketing oder IT-Projektmanagement sind attraktiv.

Das Fach Digital Marketing bieten zum Beispiel die FH Kufstein Tirol und die FH St. Pölten an, den Studiengang „Projektmanagement und IT“ hat die Fachhochschule des BFI Wien im Angebot.

„IT-Affinität ist in jedem Fall die zentrale Voraussetzung“, so Donati. Das Spezialwissen könne man sich auch im Job aneignen, über Seminare und Trainings. Gegenüber dem Vorjahr verzeichnet Deloitte Österreich einen leichten Bewerberrückgang, der Wettbewerb um fähige Köpfe werde zweifelsfrei größer. Allen Prognosen zufolge nimmt der Engpass an IT-Kräften in den kommenden Jahren weiter zu.

„Im IT-Consulting braucht es einen Mix aus unterschiedlichen Skills“, sagt Donati. „Eine logisch-analytische Denkweise, strukturiertes Arbeiten, einen grundsätzlichen Wissensdurst sowie eine starke Teamorientierung und Hilfsbereitschaft.“

Gute Technologie-Berater:innen bringen Fach- und Spezialwissen mit und sind gleichzeitig in der Lage, Kolleg:innen und Kunden ihre Lösungsvorschläge ansprechend zu präsentieren. Nicht selten sind sie Feuerwehrleute, die auf den Notfall eines Kunden reagieren und den Brand im IT-System schnell löschen sollen. Das kann stressig und fordernd sein, aber auch Erfolgserlebnisse – und große Dankbarkeit beim Kunden – auslösen.

„Der Job bringt vor allem zu Beginn eine steile Lernkurve mit sich. Bewerberinnen und Bewerber sollten sich dementsprechend gerne weiterentwickeln und offen für Neues sein“, sagt Donati. Die Weiterbildungsbudgets sind in der Beratung gemeinhin höher als in anderen Branchen. Denn Trends und Themen sind so wechselhaft wie das Wetter, erfordern ständige Anpassung. Den Beruf, das kann man mit Fug und Recht behaupten, macht das zu einem der abwechslungsreichsten überhaupt.

Mobile Wallets im Trend, VR-Brille nicht

Während manche Technologiethemen die Achterbahn hinauffahren, sausen andere wieder hinab. Aktuell ist das Metaversum in aller Munde. Beratungsbedarf haben die Kunden von Deloitte zwar noch nicht angemeldet, das Unternehmen behält die weitere Entwicklung aber nach eigenen Angaben genau im Blick.

Laut einer Studie der Pariser IT-Beratung Capgemini, die auch am Standort Wien aktiv ist, sind Mobile Wallets und Natural Language Processing Eisen, die ganz heiß geschmiedet werden.

Mobile Wallets sind digitale Brieftaschen, mit denen man an der Kasse bezahlen, ein Ticket vorzeigen oder sich Zugang zu einem Konzert verschaffen kann. Als Natural Language Processing wird die Fähigkeit von Rechnern bezeichnet, natürliche Sprache zu verarbeiten und in Texte umzuwandeln.

Oben auf der Agenda vieler Unternehmen stehen laut Capgemini auch Container-Technologien, die den Arbeitsaufwand senken und schnelleren Datenaustausch ermöglichen, sowie das Sicherheitskonzept „Zero Trust“, das die Rechte von Geräten und Anwendern im eigenen Netzwerk beschränkt.

Nicht zuletzt kann Informationstechnologie helfen, Emissionen einzusparen und den Klimaschutz zu stärken – ein übergeordnetes Ziel vieler Entscheider und ein weiteres mögliches Beratungsfeld für IT- und Technologieberater:innen.

Weniger wichtig sind hingegen Virtual und Augmented Reality. Zwar kommen VR-Brillen hier und da zum Einsatz – so manche Azubis lernen schon mit ihnen – doch die breite Masse taucht noch nicht in die virtuelle Realität ein. Auch Quantencomputing ist laut Capgemini weiterhin nicht mehr als ein Nischenthema. Zwar sorgen Quantenrechner mit ihren gigantischen Rechenleistungen regelmäßig für mediale Begeisterungsstürme, die Wirtschaft aber kann mit ihnen noch nicht allzu viel anfangen. Es bleibt weitgehend auf Forschungszwecke beschränkt, für die Zukunft versprechen die Monster-Rechner speziell für die Arzneimittelforschung Entwicklungsschübe.

Hohe Fluktuation: Alles im Fluss

Die Themen sind sprunghaft, die Kolleg:innen auch. Jede zweite Unternehmensberatung hat nach BDU-Angaben einen Zielwert für die Fluktuation definiert, will beständig frisches Blut in die Belegschaft pumpen.

Insgesamt liegt die Fluktuationsrate in der Branche laut BDU bei rund 13 Prozent. Jeder achte Mitarbeitende verlässt demzufolge das Unternehmen innerhalb eines Jahres. IT-Berater:innen kommen im Misserfolgsfall aber relativ leicht in anderen Unternehmen und auf anderen Positionen unter.

Die Berufsperspektiven sind aber auch in der eigenen Branche intakt. Dass die Unternehmen sich in Zukunft wieder aus dem Internet zurückziehen, ihre Daten aus der Cloud in staubige Aktenordner zurückverlegen, ist wohl nicht zu erwarten. Der Bedarf nach Beratung wird tendenziell steigen. Laut Capgemini-Studie glaubt eine überwältigende Mehrheit der IT-Entscheidenden, dass die Komplexität der Arbeit in den kommenden Jahren steigt und dass immer mehr Services extern eingekauft werden müssen. Dazu zählen Cloud-Dienste, Softwareentwickler:innen und andere IT Spezialist:innen wie eben IT-Berater:innen, die Probleme lösen und Antworten auf strategische Fragen geben. Wenn das gelingt, wird es auf Dauer auch nicht bei einem pauschalen Gehaltsplus von 3.000 Euro im Jahr bleiben.

Karrierechance SAP-Consulting

99 der 100 größten Unternehmen der Welt nutzen nach SAP-Angaben die Software der Walldorfer, mit der sich quasi die ganze Firma verwalten lässt – vom Personal bis zur Lieferkette. SAP-Berater:innen erklären den Mitarbeitenden, wie das geht. Sie haben meist einen IT-Background, manchmal aber auch nicht. Der Bedarf ist so groß, dass die Beratungsunternehmen auch Quereinsteiger:innen zu SAP-Consultants ausbilden. Laut einer Gehaltsstudie von Upstyle Consulting und Recruitingunternehmen Epunkt verdienen SAP-Berater:innen in Österreich durchschnittlich 66.500 Euro brutto im Jahr – und damit deutlich mehr als andere IT-Fachkräfte. Selbst Jahresgehälter von mehr als 100.000 Euro können mit der Zeit in Reichweite rücken.

Text: Sebastian Wolking
Fotos: (c) vgajic, courtneyk, alvarez – istock

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