Informationstechnologie hat goldenen Boden. So würde das Sprichwort heißen, wenn es im 21. Jahrhundert entstanden wäre. Doch ist ein Informatikstudium keineswegs ein Spaziergang. Und die Beschwerlichkeiten fangen sogar schon davor an: Für welches Fach sollte ich mich als IT-Ambitionierter überhaupt entscheiden? Die Auswahl an IT-Studiengängen wird schließlich immer länger…

Der Landwirt als Beruf der Zukunft – auf diese Idee muss man erst einmal kommen. Doch haben moderne Technologien längst auch ihren Weg auf die Höfe gefunden. Mit technischer Hilfe lassen sich Erträge steigern, Felder besser bewirten, Arbeitsaufwände verringern. Wie das geht, soll der Studiengang Smart Farming an der FH Wiener Neustadt vermitteln. Er startet im Herbst 2018 und ist der bundesweit einzige seiner Art. Eine Mischung aus Informatik, Mechatronik, Agrartechnik und BWL.

Informatik: Weniger Anfänger, mehr Abbrecher

Die Fachhochschule verspricht Studierenden gute Chancen,
später eine Führungsposition bei Agrardienstleistern, im Agrarhandel oder der Landmaschinenindustrie einzunehmen – oder eben in einem landwirtschaftlichen Betrieb. Zeitgleich fällt auch der Startschuss für Bio Data Science, einem berufsbegleitenden Master-Studiengang am Standort Tulln. Programmierung ist Teil des Lehrplans, hinterher sollen Jobs in der Lebens- und Futtermittelindustrie winken. Die Beispiele zeigen: Informationstechnologie dringt in nahezu alle Wirtschaftsbereiche ein.

Und sie verspricht gute Perspektiven. Nach Schätzungen des Fachverbands für Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie (UBIT) fehlen aktuell 5.000 Fachkräfte für wichtige IT-Jobs in Österreich. Insgesamt werden sogar 10.000 qualifizierte IT-Fachkräfte gesucht. Gleichzeitig entscheiden sich immer weniger Studienanfänger für ein Informatikstudium. Seit nur noch gesicherte und finanzierte Studienplätze zur Verfügung gestellt werden, ist die Zahl der Studienanfänger in Österreich um 19,6 Prozent auf rund 1.800 gefallen – an der TU Wien um 27,5 Prozent und der Universität Wien sogar um 57,7 Prozent. Auch die Abbruchquoten sind erschreckend hoch. 53,6 Prozent aller Infomatiker schmeißen während des Bachelorstudiums hin und 53,3 Prozent im Master.

Ein Mitgrund: IT-Talente werden oft direkt aus dem Hörsaal rekrutiert. Auch von Atos, einem der größten IT-Unternehmen des Landes. Der IT-Dienstleister beschäftigt 100.000 Mitarbeiter in 73 Ländern und ist in Österreich Branchenführer. „Es herrscht ein regelrechter Kampf um IT-Talente“, sagt Bernd Schauer, Head of Human Resources bei Atos Österreich. Der gehe sogar soweit, dass schon Schüler höherer Schulen abgeworben werden, noch bevor sie einen Abschluss in der Tasche haben. „Hinzu kommt, dass die meisten Firmen nicht den Luxus haben, aus einer Vielzahl von Bewerbern wählen zu können. Denn in der Regel müssen sich diese nicht bewerben – sie werden abgeworben.“

FH Hagenberg auf der Pole Position

Eine akademische Ausbildung hält er trotzdem für eine wichtige Basis. „Ich persönlich bin der Meinung, dass sich ein Studium immer lohnt“, so Schauer. „Denn neben dem Fachwissen werden auch andere wichtige Skills erlernt, die gerade in der IT-Branche essenziell sind.“ Beispiel IT-Consultants: Für einen Einstieg als technischer Berater wird in der Regel ein Hochschulstudium vorausgesetzt. Aber welches darf es denn konkret sein? Speziell im Bereich der IT-Studiengänge fächert sich das Angebot immer weiter auf. Vor allem Schnittstellenfächer gewinen an Popularität. Fächer, die die Welten von Ingenieuren und Informatikern zusammenführen oder wirtschaftliches mit technischem Wissen verknüpfen.

So auch an der FH Oberösterreich in Hagenberg. Von allen Fachhochschulen des Landes stellt sie die neun besten Informatik-Studienangebote. Das besagt das Ranking des Industriemagazins. Ganz vorne stehen Sichere Informationssysteme, Software Engineering, Hardware-Software-Design, Mobile Computing, Medizin- und Bioinformatik, Medientechnik und -design – in dieser Reihenfolge. Und in Kürze kommen schon wieder neue hinzu. Am Campus Wels steht „Agrartechnologie und -management“ in den Startlöchern, in Steyr „Digitales Transport- und Logistikmanagement“ und in Hagenberg „Automotive Computing“.

Ein Aufsteiger im Ranking ist die FH Krems. Westlich von Wien liegt der Fokus traditionell auf den Themen Gesundheit und Wirtschaft, doch wollen die Kremser in Zukunft auch Data Scientists ausbilden. Ein Berufsbild, das vom Harvard Business Review vor Jahren schon einmal als „Sexiest job of the 21st century“ geadelt wurde. Im Herbst 2019 starten die ersten Studenten ins Bachelor-Fach „Data Science and Analytics“. Der englischsprachige Studiengang sei „eine wichtige Ergänzung zum bereits bestehenden Masterstudiengang Digital Business Innovation and Transformation“, meint die Rektorin Eva Werner.

„Österreich hat mehrere sehr gute Universitäten wie etwa die FH Hagenberg oder die Technische Universität Wien“, sagt Bernd Schauer von Atos. Ein entscheidendes Kriterium ist der Name der Hochschule aber eigentlich gar nicht. „Da wir in Österreich eine Reihe an guten Schulen und Hochschulen haben, spielt deren Reputation bei der Auswahl von Bewerbern praktisch keine Rolle.“ Einen Grundstock an Fähigkeiten und technischem Verständnis – den müssten Berufsanfänger mitbringen, das sei die Hauptsache. Ein klassisches Informatikstudium scheint demnach nicht die schlechteste Wahl zu sein.

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