Irgendwann ist es so weit – deine ersten Bewerbungen gehen auf die Reise. Bei den Personalentscheidern punktest du mit einem Bewerberprofil, das passgenau auf die angestrebte Stelle zugeschnitten ist.

Bestnoten, ein Studienabschluss in der Regelstudienzeit, Fremdsprachenkenntnisse, Praxiserfahrung, mindestens ein Semester im Ausland und insgesamt ein makelloser Lebenslauf – die meisten Karriereseiten definieren den idealen Bewerber anhand dieser Punkte. Viele Unternehmen formulieren ihre Anforderungen an geeignete Kandidaten heute jedoch etwas differenzierter.

Welche Bewerber wünschen sich die Unternehmen?

Wichtig ist vor allem, dass aus deiner Bewerbung klar hervorgeht, warum du bestimmte Entscheidungen getroffen hast. Ein Gap Year zwischen Bachelor und Master oder vor der Stellensuche gehört heute zum akzeptierten Standard. Gut ist, wenn du belegen kannst, dass du in dieser Zeit auch dein berufliches Profil geschärft und/oder deine Soft Skills entwickelt hast. Eine schlechte Note kannst du in der Regel durch interessante Praktika und eine gute Abschlussarbeit kompensieren. Generell gilt: Die Personalentscheider schauen schon längst nicht mehr ausschließlich auf die Noten, sondern interessieren sich für ganzheitliche Bewerberprofile und die Sozialkompetenz der Kandidaten. In großen Firmen spielen auch der Ruf der Hochschule sowie Praktika in Unternehmen vergleichbarer Größenordnung eine Rolle. Ein Plus sind oft Abschlussarbeiten zu konkreten Unternehmensthemen. Mit einer solchen In-House-Arbeit beweist du Problemlösungskompetenz und die Fähigkeit, dein theoretisches Wissen in der Praxis anzuwenden.

Das Bewerbungsverfahren – Entscheidungsfindung von beiden Seiten

Im Bewerbungsverfahren prüfen die Unternehmen geeignete Kandidaten auf Herz und Nieren. Wenn du eine Einladung zum Interview erhältst, hast du die wichtigste Hürde auf dem Weg zum Job bereits genommen. Das Bewerbungsgespräch dient jedoch der Entscheidungsfindung von beiden Seiten. Von deiner Seite ist daher auch etwas Gelassenheit gefragt. Durch intensives Beobachten und gezieltes Nachfragen gewinnst du einen Eindruck von den Abläufen und der Kultur des Unternehmens. Mit intelligenten Fragen beweist du außerdem, dass du an der ausgeschriebenen Stelle wirklich interessiert bist.

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1. Gute Selbstdarstellung und ein „roter Faden“

Auf ein „Rundmail“ mit identischen Bewerbungsunterlagen solltest du grundsätzlich verzichten. Die Personalentscheider sind geschult darin, solche Standardbewerbungen zu erkennen und umgehend auszusieben. Die eingereichten Unterlagen müssen deine Motivation für die Bewerbung, deine fachlichen und persönlichen Stärken sowie deine Karriereziele klar erkennen lassen. Überzeugend wirken sie, wenn du im Motivationsschreiben, in der inhaltlichen Gewichtung deines Lebenslaufes und eventuell auf einer „dritten Seite“ einen direkten Bezug zur ausgeschriebenen Stelle und zum Unternehmen herstellst.

2. Professionell gestaltete Bewerbungsunterlagen

Bewerbungsunterlagen folgen einem recht strikten Standard – trotzdem lieferst du damit deine erste Arbeitsprobe ab. Strukturierte, auf den Punkt gebrachte Informationen sind hier ein absolutes Muss. Mit einer individuellen Gestaltung der Bewerbungsmappe hebst du dich auch visuell von deinen Mitbewerbern ab. Allerdings spielt hier auch der Charakter des Unternehmens, bei dem du dich bewirbst, eine wesentliche Rolle. Bei einer Bank oder anderen eher konservativ auftretenden Firmen bist du mit einer klassischen Bewerbungsmappe auf der sicheren Seite. In Start-ups oder der Werbebranche sind auch kreative, unkonventionelle Bewerbungen willkommen. Jedoch solltest du dann auch das Handwerkszeug dafür professionell beherrschen.

3. Bewerbungsvorgaben der Firmen einhalten

Viele Unternehmen geben die Form für die Bewerbung vor. Eine klassische Bewerbung auf Papier ist heute nur noch in wenigen Firmen Pflicht. Üblich sind E-Mail-Bewerbungen oder die Nutzung von digitalen Bewerberformularen. Eine vollständige Bewerbungsmappe wird von den Unternehmen jedoch auch auf digitalem Wege eingefordert. Deine Bewerbungsunterlagen (Lebenslauf, Zeugnisse, Referenzen) lädst du als E-Mail-Anhang oder in der Bewerbermaske hoch. Auch bei E-Mail- oder Formularbewerbungen ist ein aussagefähiges und an den in der Stellenausschreibung genannten Ansprechpartner adressiertes Motivationsschreiben Pflicht. Wenn du dir unsicher bist, welche Anforderungen das Unternehmen im Hinblick auf die Bewerbungsformalitäten hat, hilft ein Anruf in der Personalabteilung weiter.

4. Deine eigenen Stärken kennen

In den schriftlichen Bewerbungsunterlagen und im Interview kommt es darauf an, deine eigenen Stärken gezielt herauszuarbeiten und an konkreten Beispielen zu belegen. Welche stellenrelevanten Praktika hast du absolviert? Gab es dabei herausragende Erfahrungen und Erfolge? Bist du an der Uni bereits in Forschungsprojekte involviert? Welche außeruniversitären Kenntnisse und Fähigkeiten sind für die ausgeschriebene Stelle von Bedeutung. Zur Vorbereitung bietet sich eine klassische Stärken- und Schwächen-Analyse an.

5. Authentizität und Selbstbewusstsein

Ein Vorstellungsgespräch bedeutet für alle Bewerber Stress, den die Personaler zum Teil auch noch durch einige knifflige Fragen schüren. Trotzdem hast du allen Grund, im Interview sicher und authentisch aufzutreten – die Einladung zum Interview ist ein Beleg dafür, dass das Unternehmen an deiner Einstellung Interesse hat und du alle wesentlichen Anforderungen an einen geeigneten Bewerber mitbringst. Jetzt geht es den Personalentscheidern darum, herauszufinden, ob du ins Team und ins Unternehmen passt, welche mittel- und langfristigen Karriereziele hinter deiner Bewerbung stehen und wie es mit deinen sozialen Fähigkeiten aussieht. Dein Auftreten im Interview kannst du anhand von Standardfragen und möglichen Reaktionen darauf trainieren. Auch mit Wissen über das Unternehmen, die angestrebte Stelle sowie klaren Vorstellungen, wie und warum du zum Erfolg der Firma beiträgst – kannst du im Interview natürlich punkten.

6. Assessment Center – der Kompetenz- und Soft-Skill-Test

Hochschulabsolventen werden oft nicht nur zu einem Bewerbungsgespräch sondern auch zu einem Assessment Center eingeladen. Für Traineeprogramme sind die ein- bis dreitägigen Auswahlverfahren Standard. Bei den Tests stehen vor allem deine Problemlösungskompetenzen, deine Teamfähigkeit und andre Soft Skills auf dem Prüfstand. Die Prüfer wollen wissen, wie du in klassischen Prozessen (Präsentationen, Priorisierungen, Gruppendiskussionen …), die dir auch im Job begegnen, reagierst und wie du in einem professionellen Kontext kommunizierst.

7. Initiativbewerbungen von Wirtschaftsabsolventen – sinnvoll oder nicht?

Initiativbewerbungen von Wirtschaftsabsolventen lohnen sich vor allem mit einer Spezialisierung, die perfekt zum Profil und zum aktuellen Status des Arbeitgebers – beispielsweise durch vertiefte Sprach- und Landeskenntnisse bei Auslandsexpansionen – passt.

Fotos: © sturti / iStock

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