In den Wirtschaftswissenschaften ist der Bologna-Prozess umgesetzt – Absolventen kommen von den Hochschulen als Bachelor oder als Master in die Praxis. Für Führungspositionen ist ein Masterabschluss langfristig die bessere Basis.

Die Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge sollte aus Sicht der Wirtschaft vor allem die Mindeststudienzeit verkürzen. Der Bachelor ist ein vollwertiger, berufsqualifizierender Studienabschluss, der bereits nach einer vergleichsweise kurzen Regelstudienzeit erworben wird. Die Arbeitgeber stehen dem inzwischen nicht mehr völlig neuen System grundsätzlich positiv gegenüber – die frischgebackenen Bachelors sind begehrte Arbeitskräfte. Trotzdem ist für Wirtschaftsabsolventen ein Masterabschluss oft die bessere Wahl – langfristig eröffnet er bessere Karrierechancen.

Der Bachelor – in der Wirtschaft akzeptiert

In Großkonzernen stellen Bachelors heute den Großteil der neu eingestellten Hochschulabsolventen. Viele kleinere und mittlere Firmen präferieren in ihrer Einstellungspolitik die Bachelors sogar gegenüber den Masterabsolventen. Schon vor einigen Jahren gaben Personaler und fachliche Vorgesetzte in diversen Befragungen zu Protokoll, dass die formalen Abschlüsse für sie nur eine sekundäre Rolle spielen, wichtiger sind ihnen die fachlichen

Kompetenzen und die sozialen Fähigkeiten von Bewerbern.

Zum Zeitpunkt des Berufsstarts gibt es hier praktisch keine Unterschiede zwischen Bachelor- und Masterabsolventen. In einer deutschen Studie mit 1.500 befragten Unternehmen gaben 80 Prozent der Personalentscheider an, dass Bachelorabsolventen mit wirtschaftswissenschaftlichem Profil über fundiertes Wissen und Problemlösungskompetenz verfügen, sich gut in neue Fachgebiete einarbeiten sowie Wissenslücken eigenständig erkennen und schließen können. Traineeprogramme für Wirtschaftswissenschaftler stehen heute in so gut wie allen Unternehmen Bachelor- und Masterabsolventen gleichermaßen offen.

Der Master – oft Voraussetzung für eine Führungsposition

Anders sieht es meist im Hinblick auf die langfristigen Karriereperspektiven aus. In vielen Unternehmen wird der Bachelor als akademische Basisqualifikation für operative Tätigkeiten angesehen, für den Aufstieg ins Management ist jedoch irgendwann der Master nötig. Auch für Expertenpositionen – beispielsweise in der strategischen Planung oder im Risiko-Controlling – reichen das Wissen und die Methodenkompetenz aus dem Bachelorstudium nicht aus.

Der reguläre Master oder ein berufsbegleitender MBA werden als Voraussetzung für den nächsten Karriereschritt von den Unternehmen als gleichwertig betrachtet. Wenn die Qualifikation im betrieblichen Interesse liegt, können studierende Mitarbeiter oft mit zeitlicher und/oder finanzieller Unterstützung durch den Arbeitgeber rechnen. Einige größere Unternehmen unterhalten Hochschulkooperationen, die auch ein Master-Programm umfassen.

Bachelor, Master oder PhD: Welcher Abschluss passt?

Seit der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge müssen Studierende relativ früh eine Entscheidung treffen, mit welchem Abschluss sie ins Arbeitsleben starten wollen. Für einen erfolgreichen Berufseinstieg reicht der Bachelor oft völlig aus.

In Österreich machen rund 80% aller Studierenden einen Masterabschluss. Im Sinn der Firmen ist das nicht immer: Viele Unternehmen wollen weg von diesem Modell, wonach der formale Abschluss über Karriere entscheidet und setzen stattdessen auf permanente Weiterbildung.

Akademische Basisqualifikation: Bachelor

Ein wirtschaftswissenschaftlicher BA ist eine gute Basis für den Karriereeinstieg. Firmen suchen zum Teil gezielt nach Absolventen mit diesem Profil, die auf dem Arbeitsmarkt jedoch relative Mangelware sind. In operativen Bereichen ist der Aufstieg in eine Führungsposition zum Teil auch ohne MA-Abschluss möglich.

Master und MBA – Sprungbrett in die Chefetage

Wirtschaftswissenschaftler, die eine Managementkarriere anstreben, kommen um den MA nicht herum. Bei einem direkt an den BA anschließenden MA ist ein Studiengang mit Vertiefung optimal. Auf der Basis erster beruflicher Erfahrungen kann die Studienwahl konkreter auf die Anforderungen der Branche oder Unternehmens zugeschnitten werden.

Eine Alternative zum regulären MA ist der MBA (Master of Business Administration). Diese Studiengänge sind berufsbegleitend und werden von Unis, FHs und privaten Hochschulen/Business Schools angeboten. MBA-Programme vermitteln managementwissenschaftliche Kenntnisse und Methoden von Controlling über Marketing, Personalarbeit und Wirtschaftsrecht bis zu Entrepreneur- und Leadership und fokussieren stark auf die Praxis.

Wann lohnt sich ein wirtschaftswissenschaftlicher PhD?

Auch ein PhD kann zum Karrieresprungbrett werden – rund zwei Drittel der Top-Manager in größeren Unternehmen haben promoviert. Allerdings ist wichtig, dass Doktoranden, die keine wissenschaftliche Karriere planen, ihren vergleichsweise späten Berufseinstieg durch praktische Erfahrungen und/oder unternehmensrelevante Themen kompensieren. Besondere Karrierechancen haben promovierte Wirtschaftswissenschaftler im Consulting, in Research-Abteilungen und in der öffentlichen Verwaltung. Für eine Karriere im mittleren Management ist der Titel jedoch alles andere als unabdingbar.

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