INHALTSVERZEICHNIS
Die Zukunft der Unternehmen wird stark von technologischen Innovationen wie Künstlicher Intelligenz, Big Data und Cloud Computing geprägt sein. Das wirkt sich auch auf das Beratungsgeschäft aus. In unserem Artikel beleuchten wir, wie intensiv die Consultingbranche das bei ihren Kundenprojekten spürt und wie sich dadurch die Rolle der Consultants und die Anforderungen an Bewerberinnen und Bewerber wandeln.

„Bereits jetzt stehen technologische Innovationen im Zentrum vieler Kundenprojekte in der Beratungsbranche. Wir befinden uns mitten im Transformationsprozess, bei dem Künstliche Intelligenz, Big Data und Cloud-Technologien nicht nur als Vorboten, sondern als Haupttreiber fungieren“, stellt Anna Reiter, Managerin beim Beratungsunternehmen Deloitte Österreich, fest.
Ob klassische Prozess- und Strategieberatung, IT- und Technologie-Consulting oder Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung: Tatsächlich gibt es kaum noch ein Beratungsprojekt, bei dem die Digitalisierung keine Rolle spielt. Dabei kann es um digitale Services und Plattformen gehen, um die digitale Transformation einzelner Prozesse oder der Produktion oder um die Organisationsentwicklung. „Die Nachfrage nach Beratung zur Implementierung und Optimierung dieser Technologien wächst stetig. Das zeigt, dass Unternehmen erkannt haben, wie entscheidend sie für die Zukunft und für ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit sind“, hebt Anna Reiter hervor.
„Als Consultants begleiten wir genau diese Transformationsprozesse, sei es bei der Einführung neuer Technologien, der Optimierung bestehender Prozesse oder der Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle. Dabei geht es nicht nur um die Technologie selbst, sondern auch um Kulturwandel und neue Formen der Zusammenarbeit.“

Mehr als Problemlöser
Auf diese Weise analysieren Consultants nicht nur die Geschäftsprozesse und -modelle einzelner Unternehmen, sondern treiben zugleich den Transformationsprozess von Wirtschaft und Gesellschaft mit voran. Das macht ihre Arbeit so vielseitig und spannend.
Der technologische Wandel verändert auch die Rolle der Consultants. Dank zunehmender Unterstützung durch digitale Tools und KI können sie ihren Fokus stärker auf komplexere Aufgaben legen. „Früher waren Berater:innen oft ‚Troubleshooter‘, die punktuell Lösungen für konkrete Herausforderungen geliefert haben. Heute sind wir langfristige Partner:innen auf Augenhöhe, die im Innovationsprozess und bei der Transformation eine zentrale Rolle spielen. Unsere Kund:innen erwarten nicht nur fachliches Know-how, sondern auch Innovationskraft und die Fähigkeit, digitale Ansätze in die Unternehmenskultur zu integrieren“, erklärt Anna Reiter. Den Unternehmen können die Consultinggesellschaften so noch spezifischer auf sie zugeschnittene Lösungen bieten. Die Arbeit in virtuellen Teams ermöglicht es den Consultants zudem, effizienter und unabhängiger vom Standort mit ihren Kund:innen zu kommunizieren.

Neue Rolle der Consultants
Die sich wandelnde Rolle der Consultants verändert die Anforderungen an sie und das gewünschte Profil. „Früher lag der Fokus vor allem auf hervorragenden akademischen Leistungen und analytischen Fähigkeiten. Heute ist unser Ansatz vielseitiger. Wir suchen junge Talente, die mehr als nur technisches oder theoretisches Wissen mitbringen“, so Deloitte-Managerin Reiter. Das schlägt sich auch im Bewerbungsprozess nieder: „Wir setzen auf Case Studies mit einem stärkeren Fokus auf digitale Themen oder agile Problemlösungsansätze, um die Denkweise und Kreativität der Bewerber:innen besser einschätzen zu können.“
Shirin Kristin El-Tohamy stieg vor fünf Jahren – kurz vor Abschluss ihres Bachelor-Studiums in Internationaler Betriebswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität Wien – als Praktikantin bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Österreich ein. „Einerseits hat mich gereizt, Unternehmen dabei zu unterstützen, spezifische Herausforderungen zielgerichtet zu lösen. Andererseits war es die Möglichkeit, verschiedene Organisationen und unterschiedliche Industrien kennenzulernen“, sagt sie über ihre damalige Entscheidung.
Thema Künstliche Intelligenz
Sie blieb in der Gesellschaft und arbeitete dort unter anderem als Tax Technology Specialist und Business Process Management Consultant. Parallel absolvierte sie das Master-Studium „Strategy, Innovation & Management Control“ an der WU und ist heute Business Development Managerin im Bereich „Innovation & AI“ der Digital Factory bei PwC.
Der Fokus ihrer Beratungsprojekte liegt vor allem auf der digitalen Transformation durch den Einsatz transformativer Technologien, insbesondere KI und XR (Extended Reality): „Unser Team, PwC’s Digital Factory, beschäftigt sich inzwischen seit über sieben Jahren mit dem Thema Künstliche Intelligenz. Anfänglich ging es vordergründig darum, die Technologien bestmöglich zur Optimierung des Netzwerks zu nutzen. Mit steigender Relevanz und Präsenz wurde das Thema aber eine immer wichtigere Komponente unserer Kundenprojekte. Inzwischen ist der Einsatz von KI Kernbestandteil der meisten Projekte“, berichtet El-Tohamy.
Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung
Auch die Arbeit in der Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung wandelt sich durch die Digitalisierung. Papierlose Buchhaltung in den geprüften Unternehmen erlaubt es, immer mehr Routinetätigkeiten zu automatisieren. Die benötigten Daten werden über spezielle Schnittstellen importiert und anschließend geprüft. Die bei der Datenverwaltung eingesparte Zeit kann nun für anspruchsvollere Aufgaben und die Beratung der Kundinnen und Kunden genutzt werden. Dabei gibt es wie in anderen Consulting-Bereichen einen Trend in Richtung Spezialisierung. Spezielles Fachwissen ist etwa bei der Prüfung von Geschäftstransaktionen, der Beurteilung von Risikomanagementsystemen und im Bereich der internationalen Rechnungslegung gefragt, genauso wie im Immobilienrecht oder bei Existenzgründungen.
Ausgangssituation genau analysieren
Im Consulting geht es heute häufig nicht nur um neue Konzepte und Geschäftsmodelle, sondern um die Implementierung konkreter Technologien. Am Beginn eines Projekts müssen Consultants die Ausgangssituation genau analysieren. Anschließend geht es darum, gemeinsam mit dem Unternehmen gut umsetzbare Lösungen zu entwickeln. Vor allem bei digitalen Projekten wünschen die Kundinnen und Kunden häufig, dass die Projektteams sie bis zur Implementierung der Lösung begleiten.
„Wir unterstützen Unternehmen auf ihrer ganzen Digitalisierungs- und KI-Reise“, erläutert PwC-Consultant El-Tohamy. „Um rasch erste Ergebnisse und Optimierung zu ermöglichen und gleichzeitig die Anfangsinvestitionen und Risiken niedrig zu halten, teilen wir unsere Projekte häufig in kleinere Arbeitspakete. Dadurch gibt es KI-Projekte, die bereits nach drei Monaten abgeschlossen werden können und den Unternehmen somit erlauben, agil und rasch auf aktuelle Bedürfnisse zu reagieren.“
Besonders gefragt sind bei Unternehmen derzeit Beratungsleistungen in den Bereichen digitale Transformation, Nachhaltigkeit, KI-gestützte Geschäftsprozesse und datengetriebene Unternehmensstrategien, konstatiert Deloitte-Managerin Anna Reiter. „Zudem wächst die Nachfrage nach ESG (Environmental, Social und Governance) und Nachhaltigkeitsberatung, da Unternehmen verstärkt regulatorische Anforderungen erfüllen müssen. Auch im Bereich Cybersecurity spüren wir einen verstärkten Bedarf.“
Ergebnisorientiert und agil
Dabei spielen neue Beratungsmodelle eine zentrale Rolle, die auf Ergebnisorientierung – das heißt messbare Resultate und schnell umsetzbare Lösungen – sowie auf Agilität setzen. „Kund:innen verlangen schnelle, messbare Ergebnisse und erwarten von Berater:innen flexible, skalierbare Lösungen, die sich an veränderte Bedingungen anpassen können. Daher setzen wir auf ergebnisorientierte Modelle, etwa durch ‚Value-Based Consulting‘ oder ‚Co-Creation-Ansätze‘, bei denen Consultants und Kund:innen gemeinsam Lösungen erarbeiten“, erläutert Anna Reiter.
Auch Shirin Kristin El-Tohamy nimmt wahr, welch große Rolle Ergebnisorientierung und Agilität in der täglichen Projektarbeit spielen. „Vor allem in der Kommunikation und Zusammenarbeit mit unseren Kunden ist dies sehr ersichtlich. Um die Projekte sowohl entsprechend den Bedürfnissen unserer Kunden als auch unter den sich stetig ändernden Umständen voranzutreiben, findet regelmäßig ein ergebnisorientierter Austausch statt. Auch innerhalb des Teams ist es uns wichtig, immer am Ball zu bleiben und unseren Kunden stets den State-of-the-Art und qualitativ hochwertige Ergebnisse zu garantieren.“
Veränderte Erwartungshaltung
Die Erwartungshaltung der Unternehmen, die Beratung in Anspruch nehmen wollen, hat sich verändert. „Die Digitalisierung hat das Beratungsgeschäft beschleunigt und den Zugang zu Wissen demokratisiert. Kund:innen haben heute oft bereits viele Informationen und erwarten keine Standardlösungen, sondern individuelle, umsetzbare Konzepte gepaart mit viel Erfahrung“, so die Erfahrung von Deloitte-Consultant Reiter. „Was bleibt, ist die Notwendigkeit des Vertrauens und der persönlichen Interaktion. Trotz aller Technologien ist Beratung immer noch ein ‚People Business‘.“
Gefragte Skills
Gefragte Skills bei Einsteiger:innen ins Beratungsgeschäft sind heute neben analytischem Denken und strukturiertem Arbeiten vor allem eine Affinität zu digitalen Technologien. Denn die digitale Transformation und der Aufschwung, den die Bereiche IT- und Technologie-Consulting zuletzt erlebt haben, bringen in vielen Branchen ganz neue Themen auf die Agenda. Für Consultants wird es deshalb immer wichtiger, nicht nur betriebswirtschaftliche Hintergründe, sondern auch technologische Prozesse gut zu verstehen und analysieren zu können. Wichtig ist zudem, vermitteln zu können, wie Strategien und Lösungen konkret umsetzbar sind.
„Ein Grundverständnis für KI, Datenanalyse und agile Methoden ist von Vorteil. Die klassische Fachexpertise allein reicht jedoch nicht mehr aus. Wir suchen Personen, die sich in komplexen, interdisziplinären Teams durchsetzen möchten und hierfür das erforderliche Kommunikationsgeschick und die nötige Kreativität mitbringen“, betont Expertin Reiter. „Weniger relevant sind hingegen starres Hierarchiedenken oder klassische Powerpoint-Skills. Zusammenarbeit und die Erstellung schneller Prototypen zählen heute mehr als perfekte Folien.“ Flexibilität und eine hohe Lernbereitschaft müssen Absolvent:innen, die ins Consulting einsteigen möchten, ohnehin mitbringen.
Was erwarten Bewerber:innen?
Ebenfalls verändert hat sich die Erwartungshaltung von Berufseinsteiger:innen an ihren Job. Digitalisierung und neue Arbeitsweisen spielen auch hier eine große Rolle. „Die Unternehmenskultur wird für junge Talente immer wichtiger. Flexible Arbeitsmodelle, Remote-Optionen und eine klare Haltung zu Nachhaltigkeit und Diversität sind für viele entscheidende Faktoren bei der Wahl des Arbeitgebers“, stellt die Managerin fest. „Wer als Arbeitgeber attraktiv sein will, muss heute mehr bieten als nur ein attraktives Gehalt. Es geht um Entwicklungsmöglichkeiten, Sinnhaftigkeit der Arbeit und eine moderne, offene Unternehmenskultur.“
Ihre persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten waren auch für Shirin Kristin El-Tohamy ein zentrales Kriterium bei ihrem Einstieg bei PwC. „Mir ist es wichtig, mich stets weiterzuentwickeln und Herausforderungen lösungsorientiert und pragmatisch begegnen zu können. Unsere Kunden möchte ich dabei unterstützen, durch unsere Zusammenarbeit wichtige Probleme zu lösen, und dabei wertvolle und nachhaltige Beziehungen aufbauen. Es ist besonders spannend, die Kunden auf ihrer Digitalisierungsreise zu begleiten. Gerade in diesem Bereich ist jedes Projekt einzigartig, abhängig von den jeweiligen Anwendungsfeldern und Reifegraden der Organisationen hinsichtlich transformativer Technologien.“
Früh Praxiserfahrungen sammeln
Ihr wichtigster Tipp an Studierende und Absolvent:innen, die ins Consulting einsteigen möchten, ist, bereits früh erste Arbeitserfahrungen zu sammeln. „Unabhängig von Branche oder Arbeitgeber entwickelt man sich dadurch rasch weiter. Vor allem Neugierde, Reflektion und Proaktivität sind hier besonders wertvoll, um das eigene Wachstum und den Erfahrungsschatz zu maximieren“, so die PwC-Beraterin.
Anna Reiter von Deloitte findet, dass Absolvent:innen die Bedeutung von Soft Skills wie Kommunikation, Empathie und Teamfähigkeit häufig nicht hoch genug einschätzen und ihren Fokus zu einseitig auf den Ausbau des fachlichen Know-hows richten – nicht nur im Consulting. „Um dies zu ändern, sollten sie gezielt an diesen Fähigkeiten arbeiten, etwa durch praktische Erfahrungen in Projekten, Workshops oder durch Mentorings. Zudem wird oft unterschätzt, wie relevant es ist, sich kontinuierlich mit neuen Technologien und Markttrends auseinanderzusetzen. Es ist wichtig, sich früh ein eigenes Profil zu erarbeiten und ein Thema zu finden, für das man brennt.“
Gleichzeitig sollte niemand den Anspruch haben, von Beginn an alles zu wissen. Lernen gehört dazu, gerade im Consulting. „Ein starkes Netzwerk und der kontinuierliche Austausch mit Kolleg:innen und Kund:innen sind ebenfalls entscheidend. Bereitschaft für neue Aufgaben zeigen, Verantwortung übernehmen und sich Herausforderungen stellen – das sind die Schlüssel zum Erfolg im Consulting“, so der Rat von Anna Reiter.







