Der Handel bleibt eine hochdynamische Branche. Auf Absolvent:innen warten zahlreiche Einstiegsmöglichkeiten und spannende Aufgaben, die von außen oft gar nicht erkennbar sind. Engagierte Talente mit kreativen Ideen haben alle Chancen, aktiv am Wandel von Handel und Diskont mitzuwirken, ob vor Ort bei den Kund:innen oder in der Zentrale.

© iStockphoto / MilanMarkovic

„Der stationäre Handel ist beliebter als gedacht“, titelt die Wirtschaftskammer Österreich in einem Beitrag über eine aktuelle Handelsstudie. Das Überraschende: Die Headline bezieht sich nicht auf ältere Semester, die an ihren hergebrachten Einkaufsgewohnheiten hängen. Sondern es geht speziell um junge Österreicher:innen im Alter von 16 bis 24 Jahren, auf die das Forschungszentrum für Handelsmanagement der Universität St. Gallen in seiner Studie „Omni-Channel Management in Deutschland, Österreich und der Schweiz 2024“ einen besonderen Fokus legte.

Start der Einkaufsreise

25 Prozent der Vertreter:innen der Generation Z in Österreich starten ihre „Einkaufsreise“ demnach am liebsten im stationären Ladengeschäft. 22 Prozent suchen bevorzugt zunächst den Onlineshop des Händlers auf, zehn Prozent beginnen den Einkauf mithilfe einer Suchmaschine, neun Prozent bei Amazon und fünf Prozent in Social-Media-Kanälen.

© iStockphoto / PeopleImages

Der stationäre Handel ist also nicht nur äußerst lebendig, er hat auch Zukunft und gute Aussichten, weiterhin das Herzstück der Innenstädte im Land zu bleiben. Die nicht weit auseinanderliegenden Werte für die einzelnen Einkaufskanäle zeigen aber auch: Eine Herausforderung bleibt, die verschiedenen Vertriebs- und Marketingkanäle geschickt miteinander zu verknüpfen.

52.000 Einzelhandelsunternehmen in Österreich

Fast 52.000 Einzelhandelsunternehmen gibt es in Österreich und sie beschäftigen 310.000 Menschen – davon knapp die Hälfte in Großunternehmen mit mindestens 250 Beschäftigten. Das geht aus einer Studie hervor, die das Institut für Österreichs Wirtschaft (iföw) im Auftrag der Wirtschaftskammer Österreich erstellte. Damit ist der Einzelhandel einer der wichtigsten Arbeitgeber des Landes.

Stationärer Handel und Online-Geschäft

Stationärer Handel und Online-Business müssen aufeinander abgestimmt werden, ohne dass sie einander kannibalisieren. Ziel ist, das Online-Geschäft auszubauen und gleichzeitig die stationären Filialen zu modernisieren. Um all das umzusetzen, arbeiten Spezialist:innen aus verschiedenen Disziplinen zusammen. Die Branche benötigt deshalb weiterhin gut ausgebildete Nachwuchskräfte, die die Prozesse meistern.

Doch obwohl vom Handel fast jeder eigene (Alltags-)Vorstellungen hat, ist oft wenig bekannt, welch vielfältigen Aufgabenfelder und Herausforderungen er zu bieten hat. Das gilt auch für Studierende und Absolvent:innen, die vor ihrem Berufseinstieg stehen.

Mehr als nur Verkauf: Technische Innovationen

„Hochschulabsolvent:innen haben möglicherweise eine vereinfachte Sicht auf den Handel, die häufig auf direkten Verkaufs- und Kund:innenkontakt fokussiert ist. Sie sind oft überrascht von der Vielfalt der Aufgaben, etwa in Bereichen wie Supply Chain Management, Marketingstrategien, Datenanalyse und den ökologischen Herausforderungen im Rahmen der Nachhaltigkeit“, bestätigt Hatice Akyokus, Employer Branding Specialist beim Lebensmitteleinzelhändler BILLA. „Auch die Bedeutung technologischer Innovationen, wie der Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Vorhersage von Kund:innenbedarfen oder zur Optimierung von Lagerbeständen, bleibt häufig unbemerkt, obwohl dies wesentliche Herausforderungen der Branche sind.“

Typische Einstiegsbereiche

Spannende Einstiegsmöglichkeiten finden Absolventinnen und Absolventen in allen Bereichen des Handels – in den Zentralen wie in den Filialen. Das gilt für so unterschiedliche Bereiche wie Vertrieb, Einkauf, E-Commerce, Finance und Controlling, Logistik, Category Management, Marketing, Kommunikation, Human Resources, Recht, Technik oder IT. Gefragt sind fast alle Studienrichtungen.

Auch BILLA sucht Talente aus verschiedenen Fachrichtungen, insbesondere aus Betriebswirtschaft, Marketing und Umweltmanagement. „Diese Bereiche sind entscheidend, um die strategischen und operativen Anforderungen im Handel zu erfüllen. Zudem gewinnen Fachkräfte im Bereich Datenanalyse immer mehr an Bedeutung, da sie zur digitalen Transformation und zur Entwicklung innovativer Lösungen beitragen“, erklärt Hatice Akyokus. „Marketing-Expert:innen, die sich auf nachhaltige Kommunikation spezialisiert haben und Erfahrung im Umgang mit sozialen Medien mitbringen, sind ebenfalls sehr gefragt, um das Bewusstsein für nachhaltige Prozesse und Produkte zu stärken und die Kund:innen bei ihrem Einkauf zu unterstützen“, so Akyokus weiter.

„Der stationäre Handel bietet Absolvent:innen die Chance, in einem lebendigen Umfeld zu arbeiten, in dem sie schnelle Rückmeldungen erhalten und persönliche Interaktionen mit Kund:innen pflegen können. So legen wir bei BILLA großen Wert auf exzellenten Kund:innenservice und individuelle Beratung, was die Arbeit vor Ort besonders bereichernd macht“, betont Akyokus. „Darüber hinaus ermöglicht der stationäre Handel zum Beispiel, Nachhaltigkeitsinitiativen direkt umzusetzen und die Kund:innen über die Vorteile nachhaltiger Produkte aufzuklären. Absolvent:innen haben die Möglichkeit, aktiv positive Veränderungen in der Gemeinschaft zu bewirken und in einem Umfeld zu arbeiten, das Kreativität und Innovation fördert.“

Zentrale oder Filiale

Aufgaben am Verkaufsort – also direkt am „Point of Sale“ – zu übernehmen, empfiehlt die Personalerin Absolvent:innen, die gerne unmittelbar mit Kund:innen in Kontakt treten und Wert auf zwischenmenschliche Kommunikation legen. „In diesen Positionen hat man die Chance, sofortige Rückmeldungen zu erhalten und Kund:innen direkt über die Produkte sowie deren Vorteile aufzuklären.“

Ein Einstieg in der Zentrale ist hingegen empfehlenswert für Talente, die gerne strategisch denken und aktiv an der Entwicklung und Umsetzung von Strategien im gesamten Unternehmen mitwirken möchten. „Diese Positionen bieten außerdem die Möglichkeit, Innovationsprojekte und umfassende nachhaltige Initiativen zu entwickeln, die sich auf die gesamte Unternehmensstruktur auswirken“, so Hatice Akyokus.

Trend zur Nachhaltigkeit

Ein Trend, der sowohl Kundschaft als auch die Handelsbranche und nicht zuletzt Bewerber:innen umtreibt, ist das Thema Nachhaltigkeit. Der Wechsel zu nachhaltigen Verpackungen, die Reduzierung von Einwegplastik und der Fokus auf regionale Produkte gewinnen in der Handelslandschaft zunehmend an Bedeutung.

„Bei BILLA stellen wir einen steigenden Bedarf an Produkten fest, die unter ökologischen Gesichtspunkten hergestellt werden. Das Kund:innenverhalten hat sich hier in den vergangenen Jahren stark verändert. Verbraucher:innen sind heute besser informiert und verlangen Transparenz über die Herkunft von Produkten sowie über die nachhaltigen Praktiken der Unternehmen. Viele sind bereit, höhere Preise für biologische und nachhaltig produzierte Lebensmittel zu zahlen. Dies hat dazu geführt, dass Handelsunternehmen ihre Sortimente anpassen und verstärkt auf die Kommunikation von Nachhaltigkeit achten. Bei BILLA bieten wir beispielsweise bereits zu 100 Prozent Frischfleisch aus Österreich an“, erläutert Employer Branding Specialist Akyokus.

„Zudem ist das Thema Lebensmittelverschwendung von großer Relevanz und es gibt einen hohen Bedarf an Lösungen, um Waren effizient zu verwalten und Abfälle zu reduzieren. Ein weiterer Trend ist die Digitalisierung, die ebenfalls neue Möglichkeiten schafft, um Nachhaltigkeitsinitiativen voranzutreiben“, fügt Hatice Akyokus hinzu.

Offline- und Online-Services

Die digitale Transformation und die Umsetzung von Multichannel-Konzepten vollziehen sich ausgesprochen dynamisch und sind noch längst nicht abgeschlossen. Den Handelsunternehmen helfen diese Entwicklungen zudem, mehr und systematischeres Wissen über die Vorlieben der Verbraucher:innen zu gewinnen. „Bei BILLA kombinieren wir Offline- und Online-Services, um unseren Kund:innen ein nahtloses Einkaufserlebnis zu bieten. So können sie in unseren Filialen einkaufen und gleichzeitig die Vorteile unserer Online-Plattform nutzen, etwa durch Click&Collect-Services. Die Entwicklung von Omnichannel-Konzepten hilft uns, die Kund:innen in ihrem Kaufprozess zu unterstützen und auf ihre individuellen Einkaufsgewohnheiten einzugehen“, berichtet Akyokus.

Vorreiter Modehandel

Besonders früh setzte etwa der Modehandel auf Optionen wie „Click&Collect“ und „Return to Store“ und reagierte so auf den Trend zum Onlineshopping. Wer sich für ein Kleidungsstück interessiert, hat die Möglichkeit, es online auszuwählen und anschließend in der Filiale abzuholen, anzuprobieren und es dort gleich wieder zu retournieren, falls es nicht gefällt.

Einen großen Schritt weiter geht die Modebranche mit der Integration von 3D-Simulationen und Augmented Reality in die Onlineshops. Hier kann die Kleidung virtuell zu Hause „anprobiert“ werden. Das gestaltet den Online-Kauf emotionaler – sonst ein Manko gegenüber dem Shopping-Erlebnis im Store – und soll zudem helfen, die gerade im Modehandel hohen Retourenquoten zu reduzieren.

Gekauft wird Mode in Österreich weiterhin gerne und dies ebenfalls vorwiegend im stationären Handel. Bei einer Befragung für die Studie „Modehandel: Einkaufsverhalten und Zukunftsperspektiven“, die die Wirtschaftskammer Österreich (WKO) Ende 2024 durchführen ließ, gaben 38 Prozent der Befragten an, Kleidung in den vergangenen zwölf Monaten in Geschäften gekauft zu haben, 16 Prozent taten dies online und 40 Prozent sowohl in Geschäften als auch im Internet. Bei Schuhen und Lederwaren waren die Präferenzen für den Einkauf im stationären Handel noch deutlicher ausgeprägt, bei Sportartikeln etwas geringer, so die WKO.

Veränderte Anforderungen

Die Anforderungen an Berufseinsteiger:innen haben sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Flexibilität, Kundennähe und eine ausgeprägte Hands-on-Mentalität sind im Handel weiterhin erforderlich. Immer ausgeprägter muss die Bereitschaft ausfallen, sich mit digitalen Lösungen auseinanderzusetzen. „Die Unternehmen legen auch immer mehr Wert auf Kenntnisse im Bereich Nachhaltigkeit, insbesondere, wenn es um umweltfreundliche Prozesse und die Umsetzung entsprechender Strategien geht. Berufseinsteiger:innen sollten bereit sein, interdisziplinär zu arbeiten, und eine positive Einstellung zum kontinuierlichen Lernen mitbringen“, hebt Hatice Akyokus hervor. Dafür lockt die lebendige Branche engagierte Talente dann mit der Chance, deutlich schneller als in anderen Wirtschaftsbereichen Verantwortung zu übernehmen und rasch aufzusteigen.

Spannende Artikel für dich:

Unimag Network
THE FIZZ – Student Housing. Just Better.

Du suchst die passende Unterkunft während deines Studiums oder sammelst gerade erste Berufserfahrungen in Wien? Das bedeutet für viele: Neue Freundschaften, räumliche Unabhängigkeit und die beste Zeit deines Lebens. Um all dies zu verwirklichen, brauchst du natürlich das perfekte Studentenwohnheim! Im THE FIZZ ist für dich garantiert etwas dabei. Denn dich erwartet ein Komplettpaket, welches de...[weiterlesen]

Unimag Network
Wirtschaftsprüfer/in – das ist genau das Richtige für dich!

Die Prüfung der Rechnungslegung und Berichterstattung von Unternehmen steht im Zentrum der Tätigkeiten von Wirtschaftsprüfer/innen. Dabei werden nicht nur Zahlen kontrolliert und verglichen, sondern man taucht tief in die jeweiligen Unternehmen ein, bekommt einen detaillierten Einblick in die Funktionsweisen und lernt alle wichtigen Prozesse kennen – und die Menschen, die hinter den Z...[weiterlesen]

Traineeprogramme
Direkteinstieg oder Traineeprogramm

„Das Traineeprogramm bot mir die Möglichkeit, ein Unternehmen über Jobrotations ganzheitlicher kennenzulernen als bei einem Direkteinstieg in einer Fachabteilung.“ So begründet Marlene Huber, warum sie sich nach ihrem Studium für einen Einstieg als Trainee bei der Erste Group Bank AG entschied und ihre Karriere nicht direkt auf einer festen Position startete. „Außerdem hatte ich Gelegenheit,...[weiterlesen]

Unimag Network
Das große UNI & FH ABC

Die Matura in der Tasche, hinter dir liegt der Sommer deines Lebens und jetzt ist es endlich soweit: Die Uni beginnt. Herzlichen Glückwunsch! Dir stehen ein paar richtig coole Jahre bevor! Um dir den Einstieg etwas zu erleichtern, haben wir den ultimativen Survival-Guide inklusive praktischer Checklisten für dich erstellt. So bist du für jede Situation gerüstet! PS: Auch ältere Semester können hier...[weiterlesen]

UNIMAG in deinen Posteingang?

Gewinnspiele, Karrieretipps, Studentenleben, Festivals uvm,

UNIMAG-Handy
UNIMAG Lap Top