Der Digitalisierung zum Trotz: Der stationäre Handel bleibt eine feste Größe mit vielfältigen Karrierechancen für ganz unterschiedliche Talente. Digitale Lösungen helfen, Kundenbedürfnisse zu verstehen und Produkte über verschiedene Kanäle an die Kundinnen und Kunden zu bringen. Gefragt sind hier teamfähige Expert:innen, die die Herausforderungen annehmen – strategisch in der Zentrale oder direkt bei den Kund:innen am Point of Sale.

Einzelhandel Point of Sale
© iStockphoto / filadendron

„Für mich ist der Handel weit mehr als nur Beruf. Er begegnet uns auf einer sehr persönlichen und emotionalen Ebene, sowohl im Alltag als auch im privaten Leben. Jede:r geht einkaufen, doch die Wahl der Geschäfte ist so individuell wie wir selbst.“ – So beschreibt Janine Landl, was für sie das Besondere am Einzelhandel ist. Nach ihrem Studium in „International Business Management“ an der IMC Fachhochschule Krems bewarb sie sich erfolgreich auf eine Position im Bereich Category Planning beim Lebensmitteleinzelhändler HOFER und startete so 2019 ihre Karriere in der lebendigen Branche.

In Österreich gibt es etwa 52.000 Einzelhandelsunternehmen mit insgesamt mehr als 305.000 Beschäftigten – davon knapp die Hälfte in Großunternehmen mit mindestens 250 Mitarbeitenden. Das geht aus einer Studie hervor, die das Institut für Österreichs Wirtschaft (iföw) im Auftrag der Wirtschaftskammer Österreich erstellte. Der Einzelhandel bleibt damit einer der wichtigsten Arbeitgeber des Landes.

Offline- und Online-Services

Multichannel im Handel
© iStockphoto / Vladimir Razguliaev

Die Branche steckt mittendrin in der digitalen Transformation, auch die Umsetzung von Multichannel-Konzepten ist noch längst nicht abgeschlossen. Der Verknüpfung von Offline- und Online-Services soll den Kund:innen ein nahtloses Einkaufserlebnis bieten. In Verbindung mit dem Einsatz eigener Apps mit Bonusprogrammen ermöglicht sie zudem, mehr und systematischeres Wissen über die Vorlieben der Verbraucher:innen zu gewinnen. Auch SB- bzw. Self-checkout-Kassen bis hin zu kassenlosen „Smart Stores“ werden im Einzelhandel intensiv getestet oder sind bereits etabliert.

Bereiche wie der Modehandel setzten besonders früh auf die Optionen „Click&Collect“ und „Return to Store“ und reagierten so auf den Trend zum Onlineshopping. Wer sich für ein Kleidungsstück interessiert, hat die Möglichkeit, es online auszuwählen und anschließend in der Filiale abzuholen, anzuprobieren und es dort gleich wieder zu retournieren, falls es nicht gefällt. Einen großen Schritt weiter gehen ebenfalls die Modebranche oder Möbelhäuser mit der Integration von 3D-Simulationen und Augmented Reality in die Onlineshops.

Einkauf als Erlebnis

Janine Landl, Supply Chain Management HOFER
© HOFER

Eine weitere Herausforderung: Die Ausgaben der Konsument:innen verschieben sich spürbar von Warenkäufen zu hin zu Dienstleistungen. Das betrifft besonders die Bereiche des Handels zwischen den Segmenten Diskont und Luxus. Für Handelsunternehmen bedeutet dies: Der Einkauf muss immer stärker auch zum Erlebnis werden. Dafür muss jedes Unternehmen eigene, auf die angesprochenen Zielgruppen ausgerichteten Ideen und Konzepte entwickeln, ob im Lebensmittel- oder Modehandel, Sportfachhandel oder Baumarkt, in der Innenstadt oder auf der grünen Wiese.

Ein Beispiel: Die Supermarktkette Rewe testet in einigen Filialen in Deutschland kochende Roboter. Die Kunden bestellen per Touchscreen ihr Gericht und können beobachten, wie die Robo-Kochs in wenigen Minuten ihre Gerichte zubereiten. Ausgewählt wurden für den Versuch Filialen mit Bürogebäuden oder mehreren Schulen in der Umgebung.

Spezialist:innen aus vielen Disziplinen

Wer solch innovative Konzepte entwickeln, umsetzen und testen will, braucht findigen, gut ausgebildeten Nachwuchs. Denn um all das umzusetzen, arbeiten Spezialist:innen aus verschiedenen Disziplinen zusammen. Doch obwohl vom Handel fast jeder eigene (Alltags-)Vorstellungen hat, ist oft wenig bekannt, welch vielfältigen Aufgabenfelder und Herausforderungen er zu bieten hat. Das gilt auch für Studierende und Absolvent:innen, die vor ihrem Berufseinstieg stehen.

Spannende Einstiegsmöglichkeiten finden Absolventinnen und Absolventen in allen Bereichen des Handels – in den Zentralen wie in den Filialen. Das gilt für so unterschiedliche Bereiche wie Vertrieb, Einkauf, E-Commerce, Finance und Controlling, Logistik, Category Management, Marketing, Kommunikation, Human Resources, Recht, Technik oder IT. Gefragt sind deshalb fast alle Studienrichtungen.

Verschiedene Einstiegsmöglichkeiten

Janine Landl war als gebürtiger Oberösterreicherin schon länger bekannt, dass die Hauptniederlassung von HOFER in Sattledt verschiedene Einstiegsmöglichkeiten in den Handel bot. „Während meines Studiums gab es einige persönliche Vorstellungstage. Der Handel hat mich von Anfang an fasziniert, weil er für mich greifbar und nachvollziehbar ist. Nach meinem Abschluss und einer längeren Reise entschied ich mich für eine Position in der Hauptniederlassung“, berichtet sie.

Landl stieg direkt in den Bereich NSCM Purchasing im Aktionsartikel-Team des Category Plannings ein. „Seit meinem ersten Arbeitstag bin ich Teil derselben Abteilung. Beim National Supply Chain Management Purchasing beschäftigen wir uns mit dem reibungslosen Ablauf von Aktionsbestellungen, der Verteilung der Produkte in die Filialen sowie Filialänderungen und Prozessoptimierungen. Dabei sind wir laufend im Austausch mit allen relevanten Abteilungen und Partner:innen. Trotz der vielen komplexen und sich ständig weiterentwickelnden Prozesse im Supply Chain Management gelang es mir schnell, die Abläufe zu durchschauen und ein Verständnis für das Unternehmen als Ganzes zu entwickeln“, erinnert sich die heute 30-Jährige.

„Bei meinem Einstieg lag unser Fokus vor allem auf Vorbereitungen: Wir übernahmen viele Testaufgaben im Hinblick auf den Go-Live von SAP, für den HOFER als Pilotland innerhalb der ALDI-Gruppe fungierte. Zudem wurden Trainingsunterlagen erstellt und Kolleg:innen geschult, sodass wir optimal für die Einführung gerüstet waren.“

Früh Verantwortung übernehmen

Gerade Berufseinsteiger:innen lockt die lebendige Branche mit der Chance, deutlich schneller als in anderen Wirtschaftsbereichen Verantwortung zu übernehmen und rasch aufzusteigen. So bereiten sich Trainees direkt auf eine Position im Einkauf oder die Leitung eines Bereichs, Marktes oder Verkaufshauses vor. Neben der Verantwortung für die Ladenfläche und den Umsatz gehört dann auch die Mitarbeiterführung zu ihren Aufgaben. Weitere typische Karriereschritte sind der Aufstieg zum Regional- oder Vertriebsmanager oder internationale Karrieren im Einkauf.

Um im Handel erfolgreich zu sein, ist ein tiefgreifendes Verständnis der Kundenbedürfnisse und lokalen Marktbedingungen erforderlich. In direktem oder indirektem Kontakt zu den Kund:innen stehen fast alle im Handel Beschäftigten. Auch wer eine Funktion in der Zentrale eines Handelsunternehmens übernimmt, muss bei allen strategischen Entscheidungen verstehen, wie der Vertrieb funktioniert. Nur dann ist es möglich, die Systeme und Prozesse im Handel nachzuvollziehen und mitzugestalten. Für Berufseinsteiger:innen ist es oft faszinierend, was alles im Hintergrund passiert, bis ein Produkt im Regal präsentiert werden kann.

Flexibilität und Offenheit

Wie dynamisch sich der Handel entwickelt, erlebt Janine Landl bei HOFER: „Die Arbeit in meiner Abteilung war von Anfang an von starkem Wandel geprägt, der viel Flexibilität und Offenheit erforderte. Innerhalb von sechs Jahren wuchs das SCM Purchasing Team von rund 15 auf über 100 Mitarbeitende. Wichtige Meilensteine waren die SAP Go-Lives in Österreich und seit heuer auch in den südosteuropäischen Ländern. Große SCM-Projekte wie unser neues modernes Logistikzentrum in Lieboch, das neue Distributionszentrum in Liebenau und weitere Systemänderungen prägten unseren Alltag. Gleichzeitig wurden neue Strukturen etabliert, um das schnelle Wachstum des Teams zu bewältigen.“

Die Anforderungen an Berufseinsteiger:innen haben sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Flexibilität, Kundennähe und eine ausgeprägte Hands-on-Mentalität sind im Handel weiterhin erforderlich. Praktika oder Werkstudententätigkeiten während des Studiums vermitteln bereits einen guten Eindruck von der Branche. Hilfreich bei der Bewerbung sind auch Marketingkenntnisse sowie Auslandserfahrung und Sprachkenntnisse. Denn das Handelsgeschäft spielt sich oft auf internationalen Märkten ab, etwa im Einkauf oder in der Logistik. Wichtig sind auch Freude am Umgang mit Menschen, Teamgeist und Verständnis für Zahlen – und immer stärker die Fähigkeit, sich mit digitalen Lösungen auseinanderzusetzen. Verstärkt im Fokus stehen auch Kenntnisse im Bereich Nachhaltigkeit, etwa wenn es um umweltfreundliche Prozesse und die Umsetzung entsprechender Strategien geht.

Praxiswissen unerlässlich

„Praxiswissen ist nach dem Studium unerlässlich, denn ein Abschluss allein sagt oftmals wenig über die tatsächlichen beruflichen Fähigkeiten aus“, so die Erfahrung von Janine Landl. „Für mich sind Neugier und Wissbegierde entscheidend, ebenso wie die Fähigkeit, Dinge bewusst zu hinterfragen und Eigeninitiative zu zeigen. Teamgeist, Fremdsprachenkenntnisse und das Verständnis für das große Ganze sind in allen Bereichen wertvoll.“ Und ein weiterer hilfreicher Tipp, den Einsteiger:innen nicht nur im Handel beherzigen dürfen: „Der Spaß an der Arbeit sollte nicht zu kurz kommen – gerade in herausfordernden Zeiten ist er der Schlüssel, um motiviert und engagiert zu bleiben!“

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