Das Wirtschaftsleben ist von ständigem Wandel geprägt. Sowohl in der Produktion, als auch in der Dienstleistung, helfen Innovationen und neue Technologien Unternehmen, sich gegen die mittlerweile globale Konkurrenz zu behaupten. Die hohe Komplexität von Markt, Produkten und Prozessen führt dazu, dass Kausalitäten für Erfolg im Nachhinein erkannt werden können, aber nicht immer so, wie es sich Unternehmen vorstellen. „Rezepte“, die in einem Jahr als „heiliger Gral“ bewundert werden, können im Jahr darauf schon wieder verteufelt werden. Ursache und Wirkung lassen sich verwechseln, und das Neue ist schwer greifbar.

In der klassischen Betriebswirtschaftslehre geht es um Optimierung und Rationalisierung. Kosten werden gemanagt und Prozesse verbessert. Controlling, Kennzahlen, Ziele – wer nach bewährten Methoden vorgeht, erhöht seine Chancen, im Wettbewerb zu bestehen. Die Ansätze sind zu einem hohen Grad standardisiert. Unternehmen können in Bezug darauf verglichen und zertifiziert werden.

Wenn Organisationen erfolgreich sind, eine Nische gut besetzt zu haben, laufen sie, einem großen Schiff vergleichbar, auf Kurs, und kleine Fehler wirken sich kurzfristig nicht gravierend aus. Mit bekannten Methoden funktioniert das Geschäft ohne allzu große Anstrengungen. Auch lässt sich durch inkrementelle Optimierungen und Einsparungen das Ergebnis zumindest eine Zeit lang verbessern, ohne dass es einer allzu großen Kunst bedarf.

Das Phänomen der „Innovation“ passt nicht in das klassische Bild vieler Betriebe, und so zeigt sich, dass Innovationen und Technologien häufig nicht die Beachtung erhalten, die sie haben sollten, zumal ein systematischer Umgang mit Innovationen der Schlüssel zum Erfolg sein kann. Oft kommt es „zufällig“ zu Innovationen und dem Einsatz bestimmter Technologien. „Glück bei der Auswahl von Innovationen und Technologien kann man haben – aber nicht auf Dauer“, so Dr. Maximilian Lackner, Studiengangsleiter Master „Innovations- und Technologiemanagement“ an der FH Technikum Wien.

Bekannt sind die vielen Fehleinschätzungen von Technologien. So erkannte AT&T das Potential des Transistors, der sich als eine der wichtigsten Erfindungen des letzten Jahrhunderts herausstellte, nicht [1], ebenso wie Kodak die Digitalfotografie „übersah“ [2]. Dass Digitalisierung ein Megatrend ist, der die nächsten Jahre bestimmen wird, ist heute Allgemeinwissen, doch wie erkennt man eine Innovation, bevor es andere tun? – Henry Ford wird folgendes Zitat zugeschrieben: „Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt schnellere Pferde“.

Am Anfang werden neue Ideen gerne belächelt und ignoriert. Eine der Ursachen ist, dass Menschen und Unternehmen zur Beharrung neigen – und es fehlt häufig an Werkzeugen. Dies hat der Psychologe Abraham Maslow treffend ausgedrückt: „Wenn das einzige Werkzeug, das Sie haben, ein Hammer ist, dann neigen Sie dazu, jedes Problem für einen Nagel zu halten.“

In diesem Sinn benötigen Organisationen „InnovationsmanagerInnen“, die über passende Methoden verfügen, um Innovationen und Technologien erfolgreich zu managen. Innovationen betreffen nicht nur Produkte, sondern auch Verfahren und Geschäftsmodelle.

Das betriebliche Innovations- und Technologiemanagement befasst sich damit, das Neue systematisch vorzubereiten, zu planen und umzusetzen. Das Ohr haben Innovations- und TechnologiemanagerInnen nicht nur innerhalb der Organisation, sondern auch außerhalb des Unternehmens. Neue Technologien bergen wie alle Veränderungen Risiken, aber auch Chancen. Schlagworte sind Big Data, künstliche Intelligenz und 3D-Druck – sie alle dürfen nicht ignoriert werden. Peter Drucker führte bereits 1959 in seinem Buch „The Landmarks of Tomorrow“ den Begriff des „Wissensarbeiters“ ein. Wissensarbeiter sind anders zu führen als Managementlehren es für beispielsweise angelernte Produktionsmitarbeiter empfehlen. Innovation kann über Inputs und Outputs gemessen werden. Wer eine Ausbildung in Innovations- und Technologiemanagement besitzt, wie sie von Fachhochschulen angeboten wird, kann in unterschiedlichen Bereichen beruflich tätig werden, beispielsweise als Berater, Projekt-, Produkt-, Qualitäts- oder Beteiligungsmanager, aber auch als UnternehmerIn. Das Aufgabengebiet ist bunt, verantwortungsvoll und gestalterisch. Organisationen benötigen das innovative und kreative Potential aller ihrer MitarbeiterInnen – und die Leitung der Organisation benötigt eine/n Innovations- und TechnologiemanagerIn, der oder die die Tätigkeiten kanalisiert und orchestriert.

Maria von Ebner-Eschenbach sagte: „Ein Gedanke kann nicht erwachen, ohne andere zu wecken.“ Innovationen müssen systematisch entwickelt werden, damit sie in Organisationen funktionieren. „InnovationsmanagerInnen bereiten den Boden für Neues – sie bestimmen entscheidend mit, ob das Pflänzchen einer Idee keimen und sich entwickeln kann“, so Sabine Zangl, stellvertretende Studiengangsleiterin Master „Innovations- und Technologiemanagement“ an der FH Technikum Wien.

Innovationsmanagement umfasst sowohl neuen Technologien als auch nicht-technische Innovationen, während sich Technologiemanagement v.a. mit der Erhaltung und Fortführung bestehender Technologien beschäftigt. An der Schnittstelle ist das F&E-Management (Forschung und Entwicklung) situiert. (Grundlagen)-Forschung per se und eine Idee alleine stiften für eine Organisation bzw. die Gesellschaft noch keinen Nutzen, dies erfolgt erst durch die Umsetzung.

Innovationsmanagement [3] ist eine Schlüsselkompetenz, deren Bedeutung vielerorts noch unterschätzt wird. Schlagen Sie daraus einen Vorteil, indem sie Ihre Ideen, Innovationen und Technologien systematisch bewirtschaften!

Quellen:

[1] Ursula Schwarzer, Peter Drucker, „Manager tun mir Leid“, Manager Magazin, https://www.manager-magazin.de/unternehmen/karriere/a-190796-5.html, 22.04.2002

[2] Stefan Schultz, Kodak-Pleite, Geisel verblasster Erfolge, Spiegel Online, https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/kodak-pleite-geisel-verblasster-erfolge-a-810016.html, 19.01.2012

[3] Dietmar Vahs, Alexander Brem, Innovationsmanagement: Von der Idee zur erfolgreichen Vermarktung, Verlag Schäffer Poeschel, 5. Auflage, ISBN: 978-3791034201

Ein Gastartikel von Maximilian Lackner, Kerstin Ganzera, Sabine Zangl, FH Technikum Wien

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