INHALTSVERZEICHNIS
Diversity, Equity & Inclusion – das sind längst Faktoren, die darüber entscheiden, ob sich junge Talente für ein Unternehmen begeistern. Wer Vielfalt aktiv lebt, schafft ein Arbeitsumfeld, das Innovationen, Kreativität und Zusammenhalt fördert. Wir zeigen, warum Diversität in Teams messbare Vorteile für alle bringt und was Führungskräfte und Mitarbeitende dafür tun können.

„Pssst! Einkaufen in Stille“ – so bewirbt der Lebensmitteleinzelhändler die „Stille Stunde“, die Personen mit Autismus in 48 BILLA- und „BILLA PLUS“-Märkten in Österreich ein stressfreieres Einkaufsumfeld bieten möchte. Dazu werden dort täglich von 14 bis 15 Uhr akustische und visuelle Reize wie Lichter, Marktdurchsagen, das Piepsen an der Kassa soweit wie möglich reduziert.
Die gemeinsam mit zertifizierten Vereinen für Menschen mit Autismus entwickelte Initiative ist ein Beispiel, wie vielfältig das Feld on Diversity ist und wie viele Möglichkeiten es gibt, Arbeits- und sonstige Umgebungen für alle sinnvoll zu gestalten.
„Wir beschäftigen uns seit 2015 intensiv mit Diversität und vor allem der Inklusion von Menschen mit Behinderungen. Davor gab es immer wieder einzelne Initiativen und Maßnahmen. Seit 2015 haben wir das Thema jedoch strategisch konzernweit verankert“, berichtet Julia Miller, Expert Diversity Management, People & Culture bei BILLA. „Als österreichweit agierendes Unternehmen sehen wir die Inklusion von Menschen mit Behinderungen als gesellschaftliche, aber auch als unsere unternehmerische Verantwortung. Wir sind überzeugt, dass wir als einer der größten Arbeitgeber Österreichs als positives Beispiel vorangehen und die Inklusion von Menschen mit Behinderungen proaktiv mitgestalten müssen.“

Diverse Teams erfolgreicher
Von Vielfalt in Unternehmen profitieren alle – auch die Unternehmen selbst. Dass Unternehmen umso erfolgreicher arbeiten und wirtschaften, je vielfältiger sie sich zusammensetzen, belegen seit Jahren zahlreiche Studien und Umfragen.
Die Unternehmensberatung McKinsey beschäftigt sich regelmäßig dem Thema Diversity. In der zuletzt 2024 veröffentlichten Studie „Diversity Matters even more“ stellen die McKinsey-Expert:innen zum Beispiel fest, dass Unternehmen mit mehr Frauen in Führungspositionen weltweit eine um 39 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit haben, überdurchschnittlich profitabel zu sein, als Unternehmen mit der geringsten Diversität. Auch beim Faktor ethnische Diversität liegt die Aussicht auf höhere Gewinne bei 39 Prozent. Analysiert wurden für die Studie Daten von mehr als 1.200 Unternehmen in 23 Ländern.

Scarlet Ianc, die als Expert Diversity, Equity & Inclusion Management sowie Barrierefreiheitsbeauftragte bei BILLA fungiert, teilt diese Einschätzung: „Wir sind fest davon überzeugt, dass Vielfalt unsere Stärke ist. Wir beschäftigen zum Beispiel Mitarbeitende aus über 100 Nationen, in ganz unterschiedlichen Lebensphasen, sowie rund 900 Mitarbeitende mit Behinderungen. Daher ist es unser Ziel, ein positives und gesundes Arbeitsklima zu schaffen, in dem alle gerne arbeiten und leben wollen. Studien belegen, dass diverse Teams erfolgreicher sind“, betont Ianc.
„Aber Vielfalt alleine reicht nicht. Erfolg braucht Diversität und eine inklusive Kultur. Deshalb setzen wir uns für eine Arbeitswelt ein, in der Mitarbeiter:innen sich zugehörig fühlen und an einem Strang ziehen, authentisch so sein dürfen, wie sie sind, auf Chancengerechtigkeit vertrauen dürfen und ihre Perspektiven einbringen können.“
Diversität kein Selbstzweck

Gründe, sich mit dem Thema Diversity auseinanderzusetzen, gibt es genügend. Denn Vielfalt ist nicht bloß ein Etikett, das Unternehmen sich anheften, und schon gar kein Selbstzweck – Diversität ist ein echter Wettbewerbsvorteil. Je diverser ein Team aufgestellt ist und je mehr unterschiedliche Gruppen in ihm vertreten sind, desto wahrscheinlicher ist zum Beispiel, dass bislang verborgene Marktpotenziale und Bedürfnisse verschiedener Kundenkreise erkannt werden. Diversen Unternehmen gelingt es viel besser, die komplexen Welten ihrer Kund:innen zu verstehen.
„Diverse Teams in einem inklusiven Arbeitsumfeld eröffnen viele Möglichkeiten: Wir erhalten neue Blickwinkel und unterschiedliche Ideen, welche wiederum die Basis für eine fundierte Entscheidungsfindung bieten. Diverse Teams spiegeln unsere Kund:innenvielfalt besser wider“, so die Erfahrung von Scarlet Ianc. „Studien zeigen positive Effekte auf die Innovationskraft eines Unternehmens, die Produktivität von Mitarbeitenden, Auswirkungen auf Marktanteile und die erfolgreichere Erschließung neuer Märkte.“
Das bestätigt auch die Wirtschaftskammer Wien auf ihrer Website: „Wer vielfältig ist und Vielfalt lebt, kann auch auf verschiedene Kund:innen, Stakeholder, Mitarbeiter:innen und Partner:innen eingehen und so auch einen Wettbewerbsvorteil generieren.“
Innovative Ideen unterstützen
Damit, dass divers aufgestellte Teams innovative Ideen hervorbringen, ist es nicht getan. Die Ideen müssen im Unternehmen auch unterstützt und weiterentwickelt werden. Deshalb ist es so wesentlich, dass Vielfalt „von oben“ gelebt wird und auch die Führungsebenen möglichst divers zusammengesetzt sind.
BILLA führt in ausgewählten Märkten regelmäßig Inklusionswochen und -tage durch. „Hierbei möchten wir den teilnehmenden Menschen mit Behinderungen einen niederschwelligen Zugang zur Arbeitswelt ermöglichen, die Berührungsängste sowohl bei potenziellen Mitarbeitenden, aber auch bei bereits bestehenden Mitarbeitenden und Führungskräften abbauen, und bieten den Teilnehmenden praktische Einblicke. Sie können im Markt mitarbeiten und lernen diverse Tätigkeiten kennen. Ziel ist, die Teilnehmenden für eine Lehre oder Mitarbeit bei BILLA zu begeistern“, erläutert Julia Miller.
Darüber hinaus pflegt das Handelsunternehmen Kooperationen wie mit dem „Haus Aktiv“, das arbeitslose Menschen mit Behinderungen unterstützt, oder bietet seinen Mitarbeitenden Netzwerke rund um die Themen Female Empowerment, Behinderungen oder LGBTIQ+.
Chance für das Personalmarketing
Gelebte Diversität erhöht die Arbeitgeberattraktivität deutlich. Viele Bewerberinnen und Bewerber achten auf das Bekenntnis zur Vielfalt in einem Unternehmen – und vor allem auf das, was dahintersteckt. Unternehmen haben das zumindest oberflächlich erkannt. So nannten bei der 2023 von der Haufe Akademie und Euzet Consulting durchgeführten Umfrage „Vielfalt als Chance“ 61 Prozent der befragten Mitarbeitenden das Recruiting neuer Talente als ein Ziel der Diversity-Management-Maßnahmen in ihrer Organisation und 52 Prozent die Bindung von Mitarbeiter:innen.
Eine gesteigerte Wettbewerbsfähigkeit (23 Prozent) oder Förderung der Innovationskraft (19 Prozent) werden dagegen deutlich seltener als Ziele von Diversity genannt – ein Indiz dafür, dass das innovative Potenzial diesseits des Personalmarketings von vielen Unternehmen noch nicht wahrgenommen wird.
BILLA initiiert regelmäßig Recruiting-Maßnahmen wie die Inklusionswochen, um gezielt Menschen mit Behinderungen anzusprechen, und weist in seinen Inseraten darauf hin, dass das Unternehmen ein vielfältiges und inklusives Arbeitsumfeld fördere und sich daher über Bewerbungen von Menschen unterschiedlichen Geschlechts, Alters, kulturellen und sozialen Hintergrunds, unterschiedlicher sexueller Identität und Bewerbungen von Menschen mit Behinderungen freue. Den Anteil von Frauen in technischen Berufsfeldern und in Führungspositionen zu erhöhen, wird als weiteres Ziel ausgegeben. „Wir schulen auch unsere Führungskräfte und Recruiter:innen zum Thema ‚Unconscious Bias‘ und ‚Inclusive Leadership‘“, ergänzt Scarlet Ianc.
Mit Vorurteilen umgehen
Viele Beispiele zeigen, dass diverse Teams und Unternehmen in der Lage sind, Arbeitsprozesse schneller voranzutreiben. Sie profitieren von einer gestärkten Unternehmenskultur, höherer Leistungsbereitschaft und einem intensiveren Zusammengehörigkeitsgefühl. Doch tief greifende Veränderungsprozesse können auch Widerstände provozieren.
„Diversität impliziert viel Potenzial. Sofern jedoch Vorurteile und Stereotypisierungen in einem Unternehmen geduldet oder gar begünstigt werden, kann diese Vielfalt auch einen Herd für Konflikte darstellen. Sie kann zu Kommunikations- und Koordinationsproblemen führen oder Gruppenkonflikte schüren“, stellt die Diversity-Expertin Miller fest. „Klar ist, dass es Diversität immer gibt – die Frage ist also: Wie wollen wir mit ihr umgehen? Um die Risiken von Diversität zu minimieren, aber ihre Möglichkeiten zu nutzen, ist es wichtig, dass Inklusion bei uns im Unternehmen gelebt und gefördert wird.“
Oftmals sind es einfach Berührungsängste oder die Furcht etwas falsch zu machen, die gelebter Diversität im Wege stehen. „Etwa wenn es um die Kommunikation mit Kolleg:innen mit einer Hörbehinderung geht: Wie können wir miteinander kommunizieren? Manchmal kommt auch der ‚Unconscious Bias‘ ins Spiel, also dass Mitarbeitende Bewerber:innen oder Kolleg:innen spezifische Merkmale und Eigenschaften zuschreiben, obwohl sie sie gar nicht kennen. Und manchmal ist es die klassische bauliche oder digitale Barrierefreiheit, die uns einschränkt. Hier gilt es, Hürden zu identifizieren und die Rahmenbedingungen entsprechend anzupassen“, hebt die Barrierefreiheitsbeauftragte Scarlet Ianc hervor.
Die positiven Rückmeldungen auf das Engagement im Bereich Diversität bestärken das Unternehmen. „Wir freuen uns beispielsweise, wenn wir Kund:innen mit Behinderungen zu einer Bewerbung motivieren konnten, weil sie Mitarbeitende mit Behinderungen in unseren Märkten sehen und sich denken: ‚BILLA beschäftigt Menschen mit Behinderungen – hier bewerbe ich mich auch!‘ So haben wir beispielsweise kleinwüchsige, gehörlose oder auch sehbehinderte Mitarbeitende für uns begeistern können“, sagt Julia Miller.
„Und es spricht sich natürlich auch in den Communities herum, wie es ist, als Mensch mit Behinderung, als Mensch mit Fluchterfahrung, als Mensch aus der LGBTIQ+-Community in unserem Unternehmen zu arbeiten.“
Heinz Peter Krieger






