Die Digitalisierung sorgte ohnehin schon für enorme Umwälzungen in der Wirtschaft. Pandemie, Klimawandel haben die Entwicklungen noch einmal beschleunigt. Entstanden sind neue Wachstumsmärkte mit spannenden Karrierechancen für Absolventinnen und Absolventen. Innovative Lösungen und neue Technologien helfen dabei, dem Klimawandel entgegenzuwirken und Ressourcen effizienter zu nutzen. Besonders gefragt sind deshalb Expert:innen für nachhaltige Lösungen, die helfen, uns von fossilen Brennstoffen unabhängig zu machen.

E-Auto-Ladestation
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Die Wirtschaft befindet sich nicht nur in Österreich in einem wirtschaftlichen und technologischen Wandel. Die Ereignisse der vergangenen Jahre haben die Entwicklungen weltweit noch einmal beschleunigt. Zuerst sorgte die Corona-Pandemie in vielen Branchen für einen ebenso plötzlichen wie großen Veränderungsdruck. Dann nahm der Angriff Russlands auf die Ukraine viele scheinbare Gewissheiten, etwa was eine sichere und bezahlbare Energieversorgung angeht.

Immerhin: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Österreich stieg in den Jahren 2021 und 2022 – nach einem coronabedingten Einbruch von 6,5 Prozent im Jahr 2020 – wieder um 4,6 und fünf Prozent. Dabei waren die Zahlen des Jahres 2022 allerdings bereits zweigeteilt, wie die Oesterreichische Nationalbank feststellte: Im ersten Halbjahr profitierte die Wirtschaft noch stark von Corona-Aufholeffekten. Die zweite Jahreshälfte fiel angesichts des Krieges gegen die Ukraine und der hohen Inflation bereits deutlich schwächer aus. Allein die massiv gestiegenen Energiepreise sorgten 2022 hierzulande für Wohlstandsverluste von zehn Milliarden Euro. So rechnet die Bank Austria im laufenden Jahr auch nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 0,7 Prozent.

Chancen in technologiegetriebenen Märkten

Hydroponische Roboterlandwirtschaft
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Doch was bedeutet das für die einzelnen Branchen? Die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) hat kürzlich den „BCG Transform Index“ veröffentlicht, in dem mehr als 1.000 Unternehmen in zehn Branchen und 33 europäischen Ländern unter die Lupe genommen werden. „Die gute Nachricht ist, dass sich die meisten Branchen nach dem Covid-19-Einbruch stark erholt haben und die operative Leistung in mehreren Sektoren Rekordhöhen erreicht hat“, sagt Dr. Lukas Haider, BCG-Partner und Wiener Büroleiter. „Die schlechte Nachricht ist, dass es deutliche Warnzeichen am Horizont gibt: Insgesamt sind die Barmittelbestände zum ersten Mal seit 2018 rückläufig, während die Nettoverschuldung weiter auf ein Rekordhoch ansteigt. In Österreich und Deutschland leiden insbesondere die Freizeit- und Tourismusbranche sowie der Konsumgütersektor, während sich das Gesundheitswesen seit der Pandemie auch im Vergleich zu Europa stark entwickelt hat.“

Die Voraussetzungen für zu erzielende Wettbewerbsvorteile auf den Märkten wandeln sich derzeit stark. „Die größten Chancen liegen jetzt in technologiegetriebenen Märkten, die zehnmal mehr wachsen als ihre traditionellen Pendants“, konstatiert Lukas Haider. Die Frage ist, was Unternehmen, die hier erfolgreich agieren, von anderen abhebt. Haider dazu: „Wir sehen in unseren Analysen, dass diese Unternehmen fünfmal mehr KI-Lösungen implementieren, eine Vorreiterrolle im Bereich Klima- und Nachhaltigkeit einnehmen sowie ESG-Kriterien in Bezug auf Investments in den Bereichen Environment (Umwelt), Social (Gesellschaft) und Governance (Unternehmensführung) stringenter umsetzen. Außerdem experimentieren sie um 60 Prozent häufiger mit früh-innovativen Geschäftsmodellen. Innovative Technologien spielen also eine sehr große Rolle, wenn ein Unternehmen sich zukunftsfit aufstellen möchte.“

Steigende Nachfrage nach Talenten

E-Mobilität und erneuerbare Energien
© iStockphoto / Ralf Hahn

Gerade in den technologiegetriebenen Branchen hat sich der Arbeitsmarkt längst zu einem Arbeitnehmermarkt mit ausgezeichneten Chancen für gut ausgebildete Absolventinnen und Absolventen gewandelt. So meldet die Wirtschaftskammer Österreich (WKO), dass 73 Prozent der österreichischen Unternehmen unter dem Fachkräftemangel leiden, 63 Prozent bereits über Umsatzeinbußen aufgrund fehlenden Personals klagen und für knapp die Hälfte der Unternehmen der Fachkräftemangel bereits zur Einschränkung von Innovationen geführt hat.

„In vielen Bereichen wird ein gravierender Mangel an qualifizierten Arbeitskräften dazu führen, dass die wachsende Nachfrage nach Talenten nicht befriedigt werden kann. Dies gilt insbesondere für computerbezogene Berufe und Arbeitsplätze in den Bereichen Wissenschaft, Ingenieurwesen und Mathematik“, stellt BCG-Partner Dr. Lukas Haider fest. „Die technologische Entwicklung sorgt für einen Anstieg der Automatisierung in allen Branchen, weshalb diese Berufsgruppen wahrscheinlich den bei Weitem größten Mangel an Arbeitskräften aufweisen werden. Aber auch in Feldern, die nur wenig oder gar nicht automatisiert sind, sondern einfühlsame menschliche Interaktion erfordern – wie das Gesundheitswesen, soziale Dienste und bestimmte Lehrberufe – wird die Nachfrage nach Arbeitskräften steigen.“

Ressourcen effizienter zu nutzen

MINT-Ausbildung und Robotik
© iStockphoto / SolStock

Besonders im Fokus stehen derzeit Unternehmen und Jobs, die sich auf nachhaltige Lösungen konzentrieren und unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen reduzieren. Innovative Lösungen und neue Technologien helfen, dem Klimawandel entgegenzuwirken und Ressourcen effizienter zu nutzen. Die drohende Energiekrise infolge des russischen Krieges gegen die Ukraine hat noch einmal deutlicher gemacht, wie wichtig solche Lösungen für unsere Zukunft sind. Nachhaltige Hochtechnologie wird dringend benötigt – und genauso technisch versierte Talente, die sie weiterentwickeln und umsetzen können.

Green Jobs im Energiesektor

Der Energiesektor ist ein besonderes Beispiel für Branchen, die sich unter dem Druck schwindender Energiereserven und mithilfe digitaler Technologien massiv verändern. Früher prägten noch große Kraftwerke das Bild der Energiebranche, heute arbeitet sie an ausgesprochen „smarten“ Projekten. So müssen, um eine stabile und sichere Stromversorgung zu gewährleisten, die Einspeisung und der Verbrauch der Energie intelligent gesteuert werden. Allein Wärmepumpen und E-Autos werden große Mengen Strom beanspruchen. Und wenn der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung steigt, führt dies zu stärkeren Schwankungen bei der Menge der in die Stromnetze eingespeisten Energie. In intelligenten Stromnetzen – sogenannten „Smart Grids“ –, sind die verschiedenen Akteure miteinander vernetzt und tauschen Daten über Energieerzeugung und -verbrauch permanent untereinander aus. „Smart Meter“ machen die Verbrauchsdaten nicht nur für den Energieversorger, sondern auch für Stromkundinnen und -kunden transparent. So lässt sich der Energieverbrauch auch zu Hause, im smarten Heim, via Internet oder App genau analysieren und steuern.

Weitere Projekte im Energiesektor finden sich in Bereichen wie Geothermie, klimaneutral mit „grünen“ Gasen betriebenen Kraftwerken, Agrarphotovoltaik-Anlagen in der Landwirtschaft, Solarparks, Fernkälte-Lösungen für eine umweltfreundliche Gebäude-Klimatisierung, Großwärmepumpen oder dem Ausbau des Ladestationennetzes für die E-Mobilität. So entstehen im Energiesektor laufend neue Jobs mit sich verändernden Anforderungen. Und gerade solche „Green Jobs“ machen Arbeitgeber heute für viele Menschen aus der jüngeren Generation attraktiv. Auf diese Trends haben auch die Hochschulen reagiert. Sie integrieren die Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit in ihre Studienangebote und entlassen auf diese Bereiche gut vorbereitete Absolventinnen und Absolventen auf den Arbeitsmarkt.

Klimaneutral mit E-Mobilität

Hervorragend qualifizierten Nachwuchs benötigt auch die Automobilbranche, um die wachsenden Anforderungen an Nachhaltigkeit, Umweltschutz und – beziehungsweise durch – technologischen Fortschritt bewältigen zu können. „Die traditionellen Verbrennungsmotoren durch alternative Antriebssysteme zu ersetzen, intelligente Systeme zu integrieren und veränderte Anforderungen von Kundinnen und Kunden zu erfüllen, sind einige der bedeutsamsten Veränderungen in der Branche“, erläutert Klaus Fetka, Personalleiter für die Zentralbereiche bei der Porsche Holding GmbH in Salzburg. Den CO2-Ausstoß zu reduzieren, E-Mobilität voranzubringen und alternative Mobilitätskonzepte zu entwickeln, sind die wichtigsten Faktoren, mit denen die Automobilwirtschaft einen wichtigen Beitrag auf dem Weg zur Klimaneutralität leisten kann. So wird das E-Auto der Zukunft vielleicht automatisch entscheiden, wann es sich in der Nacht zu einem möglichst günstigen Preis auflädt, damit es am nächsten Morgen einsatzbereit ist. Die Automobilwirtschaft ist nach dem Maschinenbau die zweitwichtigste Exportbranche Österreichs – mit 37.500 Beschäftigten in der Kraftfahrzeugindustrie und 33.500 Mitarbeitenden in der Zulieferindustrie, so der Fachverband der Fahrzeugindustrie Österreichs.

„Die fortschreitende Entwicklung in der E-Mobilität, die Ausweitung des E-Ladestationennetzes, die Durchführung diverser Nachhaltigkeitsprojekte und der Fortschritt innovativer Technologien tragen dazu bei, den strukturellen Wandel zu meistern. Wir legen großen Wert auf die Weiterentwicklung energieeffizienter und umweltschonender Technologien“, betont Klaus Fetka. „Unsere Tochtergesellschaft Moon Power GmbH beschäftigt sich mit ganzheitlichen Energiekonzepten wie dem Ausbau der Ladeinfrastruktur für die E-Mobilität und der Implementierung von Photovoltaikanlagen.“

Kooperation mit Hochschulen

Die Automobilwirtschaft Österreichs pflegt über verschiedene Cluster einen intensiven Kontakt zu den Hochschulen. Von der Kooperation profitieren beide Seiten: Der Branche sichert es das erforderliche Know-how durch gut ausgebildete Fachkräfte. Die Studierenden erhalten früh professionelle Einblicke in die bewegte Branche. „Wir suchen Absolvent:innen für ganz unterschiedliche Bereiche und Berufsfelder, die mit uns die Zukunft der Mobilität mitgestalten wollen – Persönlichkeiten, die mit uns gemeinsam bereichsübergreifend denken, Interesse daran haben, innovative Lösungen zu entwickeln, und ihre Expertise in Projekte einbringen. Je nach Position sind fachspezifische Abschlüsse gefragt“, so Personalleiter Fetka.

Prozessorientiertes Denken in der Logistik

Wie wichtig die Logistik für eine funktionierende Wirtschaft ist, zeigte sich während der Corona-Pandemie, als Lieferketten unter erschwerten Bedingungen aufrechterhalten werden mussten. Dabei ist Logistik längst mehr als nur der Transport von Gütern von A nach B. Warenwirtschaftssysteme werden digital gesteuert, automatisierte Prozesse überwachen die Lieferketten entlang der gesamten Wertschöpfung (Supply Chain Management, SCM) und die kontaktlose Identifizierung von Waren ermöglicht den Einsatz selbststeuernder Systeme. Hier sind Absolvent:innen gefragt, die wirtschaftliches und technisches Verständnis miteinander verbinden können und am besten einen Studienschwerpunkt in Logistik aufweisen. Prozessorientiertes Denken sollten sie ebenso mitbringen wie Fremdsprachenkenntnisse – denn die Logistik überwindet buchstäblich Grenzen.

E-Health im Gesundheitswesen

Das Gesundheitswesen erlebt ebenfalls starke Umwälzungen. So sollen etwa elektronische Patientenakten, Gesundheits-Apps oder Fitness-Tracker die häufig kostspieligen Abläufe effizienter gestalten. Das in dem personalintensiven und hochsensiblen Bereich mitzugestalten, ist eine äußerst spannende Aufgabe für Absolvent:innen. Digital Health Manager arbeiten zum Beispiel an der Schnittstelle zwischen Medizin und IT und treiben die digitale Transformation in Krankenhäusern und anderen Einrichtungen im Gesundheitssektor voran – und schaffen so (hoffentlich) Zeit, die in die eigentliche Behandlung der Patientinnen und Patienten investiert werden kann. Auch die 150 Pharmaunternehmen in Österreich mit ihren 18.000 Beschäftigten bieten spannende Jobs – immer im Spannungsfeld zwischen medizinischer Forschung, Gesundheitspolitik und Markt.

Interdisziplinäre Teams im Consulting

Von Umwälzungen in den aktuellen Trendbranchen profitiert nicht zuletzt die Consultingbranche. „Vor allem rund um die Themen CO2-Reduktion und Digitalisierung war der Beratungsbedarf zuletzt sehr hoch. Der Umsatz im Bereich ‚Climate and Sustainability‘ wuchs in Central Europe in 2022 um 80 Prozent“ berichtet BCG-Partner Lukas Haider. „Um das Angebot weiter auszubauen, hat BCG im vergangenen Herbst die Klimaberatung Quantis mit rund 250 Klimaexpert:innen akquiriert. Auch rund um die Digitalisierung war die Beratungsnachfrage wie schon in den Vorjahren sehr stark: Vier von zehn Projekten hatten 2022 einen Digitalbezug.“

Das Consulting ist längst nicht mehr nur eine Domäne von Wirtschaftsabsolvent:innen. Die komplexen Projekte bei den Kundinnen und Kunden werden immer häufiger durch interdisziplinär zusammengesetzte Beratungsteams gelöst. „Für uns als internationale Unternehmensberatung ist es besonders wichtig, dass unsere Consultants aus verschiedenen Fachrichtungen kommen und unterschiedliche Erfahrungen mitbringen“, weiß Lukas Haider. „Natürlich haben wir bei BCG viele Mitarbeiter:innen mit BWL-Hintergrund, doch die Hälfte unserer Berater:innen sind MINTler:innen, Jurist:innen sowie Kultur- und Geisteswissenschaftler:innen. Entsprechend unserer Geschäftsentwicklung haben wir in den vergangenen Jahren im Recruiting einen Fokus auf den technischen Bereich sowie auch auf Klimawissenschaftler:innen gesetzt.“

Heinz Peter Krieger

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