Wer mit Freunden scherzen will, schaut bei Facebook rein. Hobby-Fotografen gehen zu Instagram. Absolventen, die einen Job suchen, surfen ohne Umwege ins Karrierenetzwerk. Wie bringen mich Xing und LinkedIn zum Traumjob?

Karrierenetzwerke gedeihen prächtig. Vor allem Xing, Marktführer im deutschsprachigen Raum, wächst wie eine Knospe im Frühling. Allein in den ersten neun Monaten 2017 kamen 1,5 Millionen Mitglieder neu an Bord. Insgesamt tummeln sich schon 12,9 Millionen Menschen bei Xing. Auch US-Cousin LinkedIn ist auf Wachstumskurs. Die Zehn-Millionen-Mitglieder-Marke in Deutschland, Österreich und der Schweiz knackten die Amerikaner nach eigenen Angaben im Juni 2017. Weltweit sollen sogar 500 Millionen User LinkedIn bevölkern.

Und wo viele fähige Leute versammelt sind, da sind auch die Personalsucher nicht weit. Umfragen deuten regelmäßig darauf hin, dass Unternehmen zuerst in den Karrierenetzen auf Kandidatensuche gehen. Wie profitieren Absolventen davon? UNIMAG hat 10 (gar nicht so alltägliche) Tipps für euch.

1. Keywords sammeln

Wer ein leckeres Weihnachtsmahl kochen will, googelt nach „Gans Rezepte“. Ganz ähnlich gehen Personaler im Karrierenetzwerk vor. „Xing ist keywordbasiert“, erklärt Jan Hawliczek, der als Recruiter beim Fahrzeugtechnikentwickler BFFT in Ingolstadt arbeitet, außerdem eine eigene Social Recruiting-Agentur führt. Berufsbezeichnungen, Fähigkeiten, Erfahrungen – all das muss zwingend hinein ins Profil, unter anderem in die Rubrik „Ich biete“. Programmiersprachen, die man beherrscht. Zertifikate, die man erworben hat. Fremdsprachen, die man spricht.

„Gib die Schlagworte in verschiedenen Sprachen und Schreibweisen ein, damit du gefunden wirst“, rät Hawliczek. „Wenn ein Recruiter nach Data Scientist sucht, du aber Data Analyst in deinem Profil stehen hast, wird er dich nicht finden.“

Geheimtipp: Man kann auch die einzelnen Jobstationen näher beschreiben, sprich: mit Keywords füllen. Dafür muss aber ein Extra-Eingabefenster geöffnet und bearbeitet werden. „Die sieht der Recruiter nicht auf Anhieb, aber er wird dich aufgrund der Keywords, die da drinstehen, finden“, erläutert Hawliczek. „Auch das wäre eine charmante Möglichkeit.“

2. Profilbild aufhübschen

Im Karrierenetzwerk wie im Dating-Portal gilt: Kein nettes Foto, kein Date! Das ist wohl kaum übertrieben. Wahr ist: Wer kein Foto hochlädt, kann sich die Mühe direkt sparen, ein Profil bei Xing oder LinkedIn anzulegen. Das Konterfei verleiht Authentizität, vermittelt Sympathie und sogar Kompetenz. Und zwar dann, wenn es gut und professionell gemacht ist. Daher: Keine Freizeit-Bilder aus dem Riesenrad oder vom Backpacking-Urlaub in Kambodscha! Dafür gibt es Facebook oder Instagram.

Xing-Experte Joachim Rumohr rät auf seiner Homepage, das Bild unbedingt auch richtig zuzuschneiden, bevor man es hochlädt. Wer etwa zu viel Freiraum über dem Kopf lässt, wirke auf dem Profilbild kleiner. Freiraum neben dem Gesicht lasse einen weniger wichtig wirken. Und bitte keine Fotos in Nahaufnahme – zu aufdringlich! Außerdem gehe die Taktik, einen Teil des Gesichts „abzuschneiden“, um zum Beispiel einen dicken Leberfleck oder eine unschöne Narbe zu vertuschen, nicht auf. So würde die Person misstrauisch oder sogar hinterhältig aussehen.

3. Wunscharbeitgeber anflirten

Den einen oder keinen – das Prinzip kennt man aus der Romantic Comedy. Manchmal gibt es das auch im Berufsleben. So träumen nicht wenige Absolventen von einer Karriere speziell bei Red Bull oder BMW, ORF oder Google.

Früher lief es so: Man machte seinem Schwarm Avancen – in Form einer offiziellen Bewerbung – und wurde genommen oder blitzte ab. Heute muss man dafür kaum noch aus der Deckung kommen. Im Karrierebereich von Xing können Mitglieder ihren Wunscharbeitgeber – für Recruiter sichtbar – namentlich nennen. Basis-Mitglieder dürfen drei Wunscharbeitgeber eintragen, Premium-Mitglieder sogar 30. Aber Achtung: Die Premium-Mitgliedschaft kostet Geld, die Basis-Mitgliedschaft ist kostenlos.

Jan Hawliczek freut sich, wenn er den Namen seines Arbeitgebers auf einer Wunschliste entdeckt. „Zu 100 Prozent“ würde er sich daraufhin bei demjenigen melden, ein Kennenlerngespräch am Telefon vereinbaren. „Wir als BFFT sind extrem stolz und froh, wenn das ein Kandidat macht“, sagt er. Aber gilt das auch für größere Unternehmen? „Ich hab das schon mehrfach bei großen Konzernen ausprobiert, um zu schauen, wie die reagieren“, erzählt Hawliczek. Mit mäßigem Erfolg. „Die haben vielleicht gar nicht die Kapazität oder auch den Willen, jedem zu antworten.“

Schlussfolgerung: Vor allem kleinen und mittleren Arbeitgebern schmeichelt der Eintrag als Wunscharbeitgeber.

4. Empfehlungen abholen

Vitamin B ist das Gold des Arbeitsmarktes. Wer wen kennt, der jemanden kennt, der wiederum jemanden kennt, der gerade jemanden sucht, kommt leichter an den Job. Auf diesem Prinzip basieren auch die Karrierenetzwerke. Das können sich Arbeitsuchende zunutze machen.

Zum Beispiel, indem sie sich mit Mitarbeitern attraktiver Unternehmen vernetzen. Das muss nicht zwingend über eine direkte Kontaktanfrage geschehen. Man könnte sich ja auch in Themengruppen austauschen und kennenlernen. Ja, das ist berechnend. Aber eben auch erfolgversprechend.

Seit Ende 2016 verfügt Xing über den sogenannten Empfehlungsmanager. Recruiter, die ihn aktivieren, gleichen die Stellenanzeigen ihres Arbeitgebers mit dem Netzwerk der eigenen Mitarbeiter ab – vollautomatisch. Hat also die Sekretärin oder der PR-Manager einen passenden Kandidaten im Netzwerk, erfährt der Personaler davon. So können sich Mitglieder passiv finden und anheuern lassen. Das aber gelingt freilich nur dem, der zuvor das eigene Netzwerk aktiv vergrößert hat.

© vadimguzhva / iStock

5. C-Kontakte pflegen

Personalexperten teilen Kontakte gerne in drei Gruppen ein. Da gibt es die wichtigen A-Kontakte, die weniger wichtigen B-Kontakte und die unwichtigen C-Kontakte. Vor allem den A- und B-Kontakten müsse die Aufmerksamkeit gelten, so das Credo. Tatsächlich?

US-Wissenschaftler fanden 2016 heraus, dass die sogenannten Weak Ties häufiger zum Job führen. Profaner Grund: Die meisten Menschen verfügen über sehr viele schwache Verbindungen. Flüchtige Bekannte, ehemalige Praktikanten, kurzzeitige Zimmernachbarn. Starke Verbindungen – mit Freunden etwa – seien seltener. Viele schwache Kontakte sind für Arbeitsuchende wertvoller als wenige starke. Bei Xing kommt der Empfehlungsmanager hinzu, der jede noch so beiläufige Verbindung aufwerten und veredeln kann.

Ein Ratschlag könnte also lauten: So viele Kontakte wie möglich sammeln und sie im Bedarfsfall aktivieren – durch ein Status-Update zum Beispiel.

6. Reputation stärken

Daimler-Chef Dieter Zetsche tut es. Die Wiener Wirtschaftspsychologin Ingrid Gerstbach tut es. MyMuesli-Gründer Max Wittrock tut es auch. Sie alle bloggen regelmäßig bei LinkedIn über Themen, die sie bewegen. Jedes Mitglied kann das.

Was es bringt? Eine höhere Sichtbarkeit und neue Kontakte zum Beispiel. Leser bekommen das Gefühl: Da verfügt jemand über Fachwissen und will es mit anderen teilen. Ein Allerwelts-Absolvent findet natürlich schwieriger Gehör als ein bekannter Name aus der Öffentlichkeit. Trotzdem rät Jan Hawliczek zum Bloggen und Teilen. „Das macht definitiv Sinn“, meint er. Er selbst geht häufig nach dem Schneeballprinzip vor, folgt den Spuren potenzieller Kandidaten durchs ganze Netz. „Wir suchen auch auf YouTube“, meint er. Wer einen spannenden Beitrag postet oder andere kommentiert, könnte irgendwann eine Kontaktanfrage im Posteingang vorfinden.

7. Jobsuche zentralisieren

Meist ist es so: Der User gibt die Jobbezeichnung und den Standort ein und kämpft sich dann durch die Trefferlisten, die die vielen Stellenbörsen im Netz ausspucken. Karrierenetzwerke versuchen, diesen Prozess zu verschlanken. Wer sich bei Xing oder LinkedIn anmeldet, dem werden automatisch aktuelle Job-Angebote angezeigt, die zum eigenen Profil passen – ohne lange Suche.

Man könnte es als Amazonisierung bezeichnen. Amazon ist für viele längst zentraler Ort für Produktsuche und Online-Einkäufe. Xing oder LinkedIn könnten Absolventen wiederum zur Basisstation für die Jobsuche machen. Das setzt ein gut gepflegtes Profil voraus. Ein Argument, auf Monster, Stepstone und Co. komplett zu verzichten, ist das allerdings nicht. Im Gegenteil: Xing bietet Bewerbern mit der Jobbox ein Tool, mit dem sie alle Bewerbungen zentral speichern und so einen Überblick wahren können – auch die externen.

8. Menschenverstand einschalten

Ein No-Go im Karrierenetzwerk? Nein, das gebe es für ihn eigentlich nicht, meint Jan Hawliczek. Wenn man zu pushy sei, zu fordernd, komme das bei den meisten Recruitern  sicher nicht so gut an. Auch auf politische Statements darf man gerne verzichten.

Grundsätzlich: Wer den kerngesunden Menschenverstand einschaltet, höflich und zuvorkommend agiert, fährt bei Xing und LinkedIn in der richtigen Spur. Das beinhaltet: Kontaktanfragen an Fremde möglichst immer mit kleinem Text stellen, auf Rückfragen antworten, keinen Werbe-Spam versenden. Gerne auch das Karrierenetzzwerk als Geburtstagskalender nutzen und Kontakten zum Ehrentag gratulieren.

9. Breit aufstellen

Spricht irgendetwas dagegen, zweigleisig zu fahren? „Null komma null“, meint Hawliczek. Das alte Credo, dass Xing auf den deutschsprachigen Markt ausgerichtet sei und LinkedIn auf den internationalen, hält Hawliczek für Unsinn. Diese Schubladen seien nicht mehr zeitgemäß. „Manche Unternehmen nutzen nur Xing, manche nur LinkedIn“, sagt er. „Ich als Nutzer würde mir beide anlegen, um mir alle Optionen offen zu halten.“

Für nachgefragte Berufe wie Software-Entwickler schaut sich der Personaler sogar in ausländischen Karrierenetzen um, im polnischen Goldenline oder im französischen Viadeo etwa. Nützlich für Menschen mit Fremdsprachenkenntnissen oder Migrations-Background.

10. Persönlichkeit zeigen

Business-Netzwerke leben von Algorithmen. Nicht der Sympathikus mit dem klugen Profilspruch zieht viele Besucher auf sein Profil, sondern derjenige, der die richtigen Keywords eingepflegt hat. Und dennoch definiert sich die Jobsuche im Business-Netz nicht nur über den Verstand. „Ich finde es schön, wenn man ein bisschen von der Persönlichkeit sieht“, meint Hawliczek.

Der optimale Dreiklang sieht für Jobsuchende vermutlich so aus: Gute Keywords eingeben, dadurch viele Kontakte anlocken und im Profil selbst mit Persönlichkeit punkten. Was dabei helfen kann: Hobbys oder ehrenamtliche Tätigkeiten, die dem Besucher einen ersten Eindruck vermitteln. Wofür interessiert er oder sie sich? Welche Ziele hat er / sie? Welche Werte? Hawliczek: „Wir wollen ja nicht den perfekten Kandidaten, sondern den bestpassenden Kandidaten für unser Unternehmen finden.“

Text: Sebastian Wolking, Foto: © vadimguzhva / iStock

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