Für Absolventinnen und Absolventen waren die Zeiten schon einmal sorgloser. Sogar ein IT-Studium, lange Inbegriff des Karriereturbos, garantiert keinen mühelosen Berufseinstieg mehr. Doch ein ganz spezieller Ratschlag ist fast universal anwendbar: Wer gut prompten kann, sollte in der Bewerbung unbedingt darauf hinweisen.

Prompt Engineering und KI-Skills
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Vor einigen Jahren galt der Prompt Engineer als Zukunftsjob. Jemand, der Large Language Models wie ChatGPT oder Gemini mit virtuosen Eingabebefehlen füttert und das Beste aus ihnen herausholt, wie ein Sternekoch aus einem Korb wild zusammengewürfelter Zutaten. Durch die Medien geisterten Gehälter in Höhe von 200.000 US-Dollar, die man als guter Prompt Engineer in amerikanischen Tech-Firmen verdienen könne. Mittlerweile ist wohl klar, dass der Prompt Engineer nicht der Traumberuf ist, für den ihn viele gehalten haben. Kaum ein Unternehmen schreibt Stellen aus.

Doch tot ist das Prompt Engineering deshalb nicht. Im Gegenteil, mehr und mehr entwickelt es sich zu einer Basiskompetenz in der modernen Arbeitswelt. Zu einem Skill, der die Arbeit erheblich erleichtert, mit dem sich Karriere machen lässt. Nur eben nicht als Prompt Engineer. Untersuchungen zufolge werden Prompt Engineering-Kompetenzen vermehrt in Stellenanzeigen als Anforderung genannt. Besonders häufig tauchen sie in Annoncen für Data Scientists, Consultants sowie Stellen in der Medien- und Kommunikationsbranche auf.

Prompt Engineering: Lohnaufschlag von 56 Prozent

Berufseinstieg im KI-Zeitalter
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Hedda Gressel kann das bestätigen. „Einen guten Prompt schreiben ist wichtig. Mein Alltag hat sich sehr verändert. Mit einem Coding Assistant bin ich viel schneller“, sagt Gressel, die als Data Scientist bei der Daten- und KI-Beratung Alexander Thamm in Wien arbeitet. Auch bei einer der größten Unternehmensberatungen wird „inzwischen vorausgesetzt, dass Consultants mit diesen Technologien sicher und nutzbringend umgehen können und diese unterstützend einsetzen“, sagt Bernhard Göbl, Partner bei Deloitte Österreich. Die Berater ziehen die KI zu Rate, um effizient in Wissensdatenbanken zu recherchieren, Calls zu transkribieren, Texte zusammenzufassen oder Dokumente zu strukturieren. Alle zwei Wochen führt Deloitte Schulungen zum KI-Einsatz für verschiedene Erfahrungsstufen durch, außerdem gibt es monatliche Prompting-Schulungen. „Insofern kann man Prompt Engineering durchaus als notwendige Basiskompetenz bezeichnen, die allerdings bei Studienabgänger:innen in sehr unterschiedlicher Ausprägung vorhanden ist. Daher gibt es auch die Notwendigkeit regelmäßiger interner Schulungen zu dem Thema“, sagt Göbl.

Für Berufseinsteiger:innen schlägt sich der Hinweis auf KI-Kenntnisse vermehrt in finanziellen Vorteilen nieder. Laut der Studie „AI Jobs Barometer 2025“ der Unternehmensberatung PwC erhalten Arbeitnehmer:innen mit KI-Fähigkeiten, darunter Prompt-Engineering, einen Lohnaufschlag von 56 Prozent, und zwar quer durch die Branchen, auch in Wirtschaftsbereichen wie Handel, Energie oder Immobilien. Bei der vorherigen Untersuchung hatte der Lohnaufschlag „nur“ 25 Prozent betragen, was auf die wachsende Bedeutung dieser Fähigkeiten hinweise. „KI-Skills gewinnen seit vielen Jahren an Bedeutung. Unterschieden wird zwischen den Skills für die Nutzung der verfügbaren KI-Tools und den Skills für die Erstellung von Kundenlösungen, die KI-Services beinhalten“, erklärt Göbl. Andere Untersuchungen weisen in eine ähnliche Richtung. In einem Experiment der britischen Anglia Ruskin University mit Sitz in Cambridge hatten Jobsuchende, die in ihrer Bewerbung KI-Kompetenzen stehen hatten, im Vergleich zu Bewerber:innen, die diesbezüglich blank waren, deutlich häufiger eine Einladung zum Jobinterview erhalten. Und in der Vorabversion einer amerikanisch-britischen Studie, die noch in keinem Fachjournal erschienen ist, erhöhten AI-Skills die Wahrscheinlichkeit, zum Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden, um acht bis 15 Prozent. In den Blick genommen hatten die Autoren dabei speziell Grafikdesigner:innen, Büroassistent:innen und Softwareentwickler:innen. Interessant dabei: KI-Knowhow kann mögliche Nachteile eines Bewerbenden teilweise ausgleichen, zum Beispiel dessen fortgeschrittenes Alter oder einen niedrigen Bildungsabschluss.

„Die Fähigkeit, KI-Modelle zu bedienen, zu trainieren und ihre Ergebnisse kritisch zu bewerten, wird in vielen Berufsfeldern eine Schlüsselrolle spielen“, so heißt es auch in einer Untersuchung über die „Auswirkungen von künstlicher Intelligenz mit Schwerpunkt Kärnten“, die das Forschungsinstitut Fraunhofer Austria im Auftrag des Arbeitsmarktservice Kärnten im Oktober veröffentlicht hatte. „Zudem erfordert der KI-Einsatz Kompetenzen im sogenannten Prompting, um gezielt und effizient mit KI-Systemen zu interagieren. Auch grundlegende IT-Kenntnisse, insbesondere in den Bereichen Datenanalyse, Statistik, maschinelles Lernen und Softwareentwicklung, sind zunehmend gefragt“, so die Autoren weiter. Größere Umwälzungen prophezeit Fraunhofer Berufen in der Verwaltung, IT, Kundenservice, Marketing und Wissenschaft, zum Beispiel im Controlling, in der IT-Sicherheit oder auch in Content Creation und Social Media.

Gleichzeitig dürfte die KI-Welle völlig neue Berufsbilder an Land spülen. Manchen Schätzungen zufolge werden zwei Drittel der jetzigen Grundschüler später einmal in Berufen arbeiten, die heute noch gar nicht existieren. Fraunhofer nennt als potenzielle Zukunftsberufe unter anderem AI Agent Designer:innen, AI Automation Workflow Consultants, KI Datenprüfer:innen, AI Compliance Officers, KI-System Auditor:innen oder KI Plagiatsprüfer:innen. In der Chemieindustrie könnten KI-gestützte Chemieingenieur:innen schneller und effektiver Sensor-Daten auswerten, Modelle entwickeln und Anlagen planen. Und sogar in der Pflege, die von zutiefst menschlicher Sprech- und Handarbeit geprägt und oftmals als KI-immun angesehen wird, ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis KI-gestützte Demenzbegleiter:innen Hilfe von Sprachassistenten und anderen KI-Systemen erhalten, die an Medikamente erinnern, Gemütsschwankungen erkennen, Gedächtnisspiele initiieren und Gespräche mit den Patient:innen beginnen, um deren Einsamkeit zu vertreiben.

Spült die KI-Welle Übersetzer fort?

Im Gegenzug geraten schon existierende Berufe – davon ist schwer auszugehen – in arge Bedrängnis. Weil KI-Systeme hochprofessionell Texte schreiben, Routenplanungen optimieren und Daten erfassen können, werden Buchhalter:innen, Bankkaufleuten, Journalist:innen und Logistiker:innen teils düstere Zukunftsaussichten vorhergesagt. Schon heute unheilvoll ist der KI-Trend in der Übersetzungsbranche. Dem Berufsverband für Dolmetschen und Übersetzen „Universitas Austria“, gegründet 1954, laufen längst die Mitglieder davon. „Unser Verband musste in den letzten Jahren leider einen konstanten Rückgang der Mitgliederzahlen verzeichnen“, teilt ein Sprecher auf Anfrage von UNIMAG mit. Mittlerweile liegt die Mitgliederzahl nach Verbandsangaben bei 726, auf der Homepage ist noch von mehr als 800 die Rede. Für zahlreiche Übersetzungen werden Menschen kaum noch benötigt. „Ich bin seit 1997 freiberuflich tätig und mein Arbeitsvolumen ist zusammengebrochen – ich hatte noch nie so wenig Arbeit wie jetzt, und alle freiberuflichen Übersetzer, die ich kenne, sagen dasselbe“, schreibt jemand bei Reddit im Übersetzer-Forum. Ein anderer klagt: „Die Leute lachen mich aus, wenn ich ihnen sage, dass ich Übersetzerin bin. ‚Wir benutzen dafür KI, warum sollten wir eine Übersetzerin brauchen?‘“

Gleichzeitig aber, und das macht Hoffnung, steigt die Zahl der Arbeitsplätze laut PwC-Studie vor allem in Berufen, in denen sich die Technologie einfach einsetzen lässt (wenn auch nicht unbedingt in der Übersetzung). Fast ein Drittel der Österreicherinnen und Österreicher benützt künstliche Intelligenz im Berufsalltag bereits, doch nur ein Viertel würde das eigene Wissen darüber als gut beschreiben, die Mehrheit hält sich für mehr oder weniger unwissend. „Der Arbeitsmarkt der Zukunft wird nicht nur neue Kompetenzen erfordern, sondern auch Raum für Berufe schaffen, die heute noch kaum vorstellbar sind – mit der Folge, dass lebenslanges Lernen und kontinuierliche Weiterqualifizierung zu zentralen Bestandteilen beruflicher Biografien werden“, so die Fraunhofer-Studie.

Kurzfristig hilft möglicherweise private Fortbildung, zum Beispiel mit Hilfe der verschiedenen Prompt Engineering Guides, die es frei zugänglich im Internet zu finden gibt, von OpenAI etwa oder von IBM. Google-Entwicklerin Lee Bonstra stellte ein Whitepaper mit nicht weniger als 68 Seiten ins Netz. Denn völlig unkritisch ist der Umgang mit KI-Chatbots gewiss nicht. „Es ist enorm wichtig, dass die Antworten von LLMs stets auf Richtigkeit überprüft werden. Selbst bei einfachen Aufgaben wie dem Zusammenfassen oder Übersetzen von Texten schleichen sich halluzinierte und falsche Inhalte ein – erst recht, wenn man recherchiert oder dem KI-Tool Wissensfragen stellt“, so Bernhard Göbl von Deloitte und ergänzt: „Die Kernkompetenz des Beraters hat die KI nicht spürbar verändert. Dazu fehlen den KIs (noch) die entsprechenden Fähigkeiten. Dazu gehören emotionale Intelligenz und soziale Kompetenz ebenso wie kreatives Denken, ein gutes Gefühl für Zahlen und das Finden neuer individueller Lösungswege. Viele Aufgaben werden durch LLMs aber massiv erleichtert und unterstützt, insbesondere jene, die beim Einstieg in eine Beratungslaufbahn einen wesentlichen Teil der täglichen Arbeit ausmachen.“

Wer in seine persönliche KI-Weiterbildung investiert, verschafft sich also gute Karten auf dem Arbeitsmarkt. Aber vielleicht auch nur kurzzeitig Luft, so genau weiß man das bei dem Tempo, in dem sich der Arbeitsmarkt verändert, ehrlicherweise nicht. Heute ist Prompt Engineering ein großer Pluspunkt. In wenigen Jahren kann es schon wieder überholt sein.

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