Karrieremessen verändern sich so schnell wie die Erwartungen der Besucher und Aussteller. Große Messen wie die „Career Calling“ oder die „MASTER AND MORE“ locken mit einem bunten Angebot auch jenseits der Messestände. Wir zeigen, was sich auf den Karriere-Events alles tut, und geben Tipps für einen erfolgreichen Messebesuch.

Eine Messe ist ein Ort, an dem Angebot und Nachfrage zu einem Thema ganz gezielt zusammenkommen. Nicht nur digital oder virtuell, sondern menschlich und persönlich.“ Karel Otte, Geschäftsführer der border concepts GmbH und Veranstalter der Master-Messereihe „MASTER AND MORE“, weiß, was den Besuch von Messen spannend macht – und warum sie immer noch unschlagbar sind, wenn es darum geht, einen persönlichen Eindruck von einem Unternehmen, einer Hochschule oder einer Branche zu gewinnen.

Dazu gibt es derzeit reichlich Gelegenheit. Ob am 23. Oktober auf der „Career Calling“, am 15. November auf der „MASTER AND MORE“ in Wien oder auf einem der zahlreichen weiteren Karriere-Events in ganz Österreich – der Herbst ist traditionell Messezeit. Studieninteressierte, Studierende, Absolventen und Young Professionals haben eine Vielzahl von Gelegenheiten, wertvolle Eindrücke und Kontakte für ihre berufliche Zukunft zu sammeln.

Messeangebot immer bunter

„Das Angebot an Karrieremessen hat sich in den vergangenen Jahren vervielfacht“, bestätigt Heike Schreiner. Sie ist Geschäftsführerin des WU ZBP Career Centers an der Wirtschaftsuniversität Wien, das die Career Calling und damit Österreichs größte Karrieremesse ausrichtet. „Vor zehn Jahren gab es eine Handvoll Messen pro Jahr. Heute können Studierende mehrmals pro Semester auf eine größere oder kleinere Karrieremesse gehen.“ Dabei wächst nicht nur die Zahl der Veranstaltungen. Die Messe-Landschaft ist auch immer bunter geworden. „Die Messen haben sich stark spezialisiert und richten sich an genau definierte Gruppen, etwa an Lehrlinge, Schülerinnen und Schüler, Studierende oder Young Professionals aus bestimmten Fachbereichen“, so Heike Schreiner.

So richtet sich die Messe „MASTER AND MORE“ in jedem Jahr an verschiedenen Standorten in Deutschland und Österreich vor allem an Bachelor-Studierende, -Absolventinnen und -Absolventen, die sich gezielt über ein Master-Studium informieren möchten. „Außerdem können sich Messebesucher auch umfassend über Weiterbildungs-Master und MBA-Studiengänge informieren. Daher sind auch Professionals mit einigen Jahren Berufserfahrung herzlich willkommen“, erklärt der Veranstalter Otte.

Gespräche auf Augenhöhe

Dass Unternehmen in Zeiten von Social Media solchen Aufwand betreiben, wundert manche. Schließlich gibt es unzählige Print- und Digitalkanäle für die Personalsuche, und Facebook, Instagram, LinkedIn, Xing und Co. machen eine erste unverbindliche Kontaktaufnahme ebenfalls möglich. Trotzdem investieren die Aussteller häufig viel, um sich am Messestand optimal zu präsentieren. Der zwischenmenschliche Kontakt und der persönliche Eindruck zählen. Heike Schreiner vom Career Center der WU Wien erklärt: „Anders als auf dem digitalen Jobmarkt geht es auf unseren Karrieremessen noch immer um das persönliche Gespräch auf Augenhöhe. Hier lässt sich erleben, wie die andere Seite tickt, und ein Gefühl für das Unternehmen, also möglicherweise den künftigen Arbeitgeber, entwickeln.“

Diese Erfahrung macht auch Johannes Stadler, Recruiter bei der Raiffeisen Bank International: „Wir stellen fest, dass die Bewerberinnen und Bewerber die Möglichkeit eines direkten Gesprächs sehr schätzen. Hier haben sie die Chance, einen authentischen Eindruck von einem Arbeitgeber oder künftigen Kollegen zu gewinnen. Dazu kommt: Der direkte Austausch mit Studierenden und Lehrenden an den Unis trägt dazu bei, dass auch wir als Unternehmen am Puls der Zeit bleiben.“

Keine Einbahnstraße

Das klingt nach einer Win-win-Situation für beide Seiten und ist es auch. Denn die persönliche Kommunikation ist keine Einbahnstraße. Nicht nur das Publikum kann sich auf einer Messe umfassend informieren und Aussteller miteinander vergleichen. „Auch die Aussteller, also in unserem Fall die Studienberater der Hochschulen, kommen in direkten Kontakt mit vielen Studieninteressenten und sehen, was die Schülerinnen und Schüler oder Studierende wirklich interessiert und wo noch Fragen offen sind“, berichtet Karel Otte von border concepts. Er nennt ein Beispiel: „Sie interessieren sich für eine Hochschule in Schottland und haben auf der Messe persönlichen Kontakt zu einem Studienberater, der bei Fragen oder Problemen helfen kann. Das fühlt sich gleich ganz anders an.“

Die Erwartungen an eine Messe haben sich verändert. Für welches Event sie sich entscheiden, machen Arbeitgeber strikter von der Zahl der Besucher, der möglichen Gespräche und der potenziellen Bewerber-Einstellungen abhängig. Für die Studierenden steht neben der Jobsuche der Fun-Faktor stärker im Vordergrund, berichtet Heike Schreiner. Gleichzeitig hat die Unsicherheit bei der Berufswahl zugenommen, beobachtet Karel Otte: „Ein häufiger Jobwechsel ist heute viel normaler als noch vor 40 Jahren. Wenn wir das den Bachelor-Studierenden gut vermitteln, verläuft auch die erste oder weitere Berufswahl etwas entspannter.“

Neue Leichtigkeit

Entsprechend haben sich die Karrieremessen gewandelt. Die Veranstalter erweitern das reine Aussteller-Angebot um Vorträge und Bewerbungs-Workshops, Coachings und Keynotes. „Das wird auch gut angenommen“, so Otte. „Es geht darum, Studierenden Orientierung fürs Berufsleben zu geben, konkrete Jobs oder eben auch die eine oder andere Job-Idee aufzuzeigen“, findet Heike Schreiner von der Career Calling. Sie stellt fest, dass in den vergangenen Jahren mehr Leichtigkeit in die Karriere-Welt gekommen ist: „Natürlich ist es immer spannungsgeladen, sich zu bewerben. Aber Karrieremessen stehen ein bis zwei Schritte vor diesem Prozess und können auch spaßig sein.“

Fast alle großen Veranstalter integrieren deshalb längst ein mehr oder weniger umfangreiches Programm mit Firmenpräsentationen, Podiumsdiskussionen, Speed-Datings oder kostenlosen Shootings für Bewerbungsfotos in ihre Messe. Die Career Calling fasst diese Treffpunkte abseits der Messestände unter dem Label +Congress zusammen.

Gut vorbereiten

Doch auch wenn der Besuch einer Recruiting-Messe ausgesprochen kurzweilig sein kann – der eigenen Karriere hilft er nur mit einer guten Vorbereitung auf die Sprünge. Das heißt: Sich schon vorab schlau machen, welche Unternehmen oder Studienanbieter auf der Messe vertreten sind, und erste Infos über die Aussteller einholen, die einen besonders interessieren. Umso gezielter lassen sich Fragen nach möglichen Arbeitsbereichen und Einstiegsmöglichkeiten stellen. Auf der Website der Messe können häufig schon vorab persönliche Beratungsgespräche vereinbart werden. So entgeht Interessenten kein Unternehmen, für das sie sich besonders interessieren. „Gut vorbereitete Besucher hinterlassen immer einen guten Eindruck – und die Aussteller erwarten das auch“, sagt Karel Otte.

Gut vorbereitete Besucher hinterlassen immer einen guten Eindruck – und die Aussteller erwarten das auch.

Hilfreich ist, einen groben Zeitplan für den eigenen Messerundgang zu erstellen und dabei Puffer freizuhalten. Denn nicht immer sind die gewünschten Gesprächspartner sofort greifbar. „Mit einer kurzen Selbstpräsentation und einem Resümee, in welche Richtung es beruflich gehen soll – und warum –, sind Sie ebenfalls gut gerüstet“, rät Heike Schreiner. „Wer die Messe zur Orientierung nutzt, kann dies den Ausstellern vor Ort kommunizieren. Natürlich nicht mit der Frage: ‚Was macht Ihr Unternehmen überhaupt?‘ Da gibt es charmantere Gesprächseinstiege“, so die Geschäftsführerin des WU ZBP Career Centers weiter.

Weder schüchtern noch überheblich

Niemand sollte sich aber scheuen, Fragen zum Unternehmen und möglichen Jobs zu stellen – am besten solche, die über die Infos auf der Unternehmenswebsite hinausgehen. Je größer das Interesse des Besuchers ist, umso spannender verläuft das Gespräch und desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, positiv im Gedächtnis zu bleiben. Für Schüchternheit wird auf einer Messe leider niemand belohnt – für Überheblichkeit aber auch nicht. Ehrliches Interesse ist angesagt. „Seien Sie möglichst authentisch und versuchen Sie nicht, eine Rolle zu spielen“, empfiehlt Johannes Stadler von der Raiffeisen Bank International. Ein geschulter Personaler bemerkt dies ohnehin sofort.

Career Calling Messe

Sinnvoll ist, gleich im Anschluss an ein Gespräch die wichtigsten Fakten über das Unternehmen, den Ansprechpartner und mögliche Jobs zu notieren. Am Abend nach der Messe, wenn im Kopf die vielen Eindrücke schwirren, oder noch später, fällt dies erfahrungsgemäß schwer.

Langfristig denken

Im Idealfall folgt auf das Messegespräch die Bewerbung. „Natürlich ist es schön, unmittelbar nach einer Messe eine Bewerbung zu erhalten. Am besten stellt der Kandidat oder die Kandidatin einen Kontakt über Xing oder LinkedIn her, bewirbt sich möglichst zeitnah und bezieht sich dabei direkt auf das Gespräch bei der Messe“, erklärt Recruiter Johannes Stadler. Doch auch wenn gerade kein passender Job verfügbar ist, lohnt es sich, in Kontakt zu bleiben. Denn die Aktivitäten der Aussteller sind langfristig ausgerichtet. „Unser vorrangiges Ziel ist, die Marke Raiffeisen als attraktiven Arbeitgeber weiter zu stärken“, so Stadler.

Nicht zuerst die Goodies einsacken und dann erst nach Jobs fragen! Kein guter Eindruck …

Oft ergeben sich später neue Perspektiven für eine passende Stelle. Es lohnt sich deshalb, regelmäßig die Stellenausschreibungen des Unternehmens zu checken, den Newsletter zu abonnieren und den Social-Media-Kanälen zu folgen. Heike Schreiner von der Career Calling: „Positive persönliche Eindrücke von Arbeitgebern sind oft der Auslöser dafür, dass sich Studierende auf ein Jobinserat bewerben. Hat man im persönlichen Gespräch überzeugt und erfüllt sich später, was man sich erhofft, dann ist der Erfolg des Messebesuchs ein sehr langfristiger.“

Text: Heinz Peter Krieger
Fotos: (c) Zsolt Marton – Career Calling

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