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Trendsetter sind Jobmessen nicht unbedingt. Ein Messestand mit Pappaufstellern, an dem Kugelschreiber und Luftballons verteilt werden — das wirkt so trendy wie ein Nokia 3310 im Apple Store. In Wahrheit aber haben Job- und Karrieremessen weiterhin einen tieferen Sinn. Mit einer kleinen Geste können Bewerber hier aus dem Stand in den Traumjob hüpfen.

Für die Messewirtschaft in Österreich waren die letzten wahrlich keine guten Jahre. Allmählich aber kehrt neues Leben in die von Corona heimgesuchten Messehallen zurück. „Karrieremessen haben für uns nach wie vor einen großen Stellenwert“, sagt Julia Nessler, Associate Managerin Employer Branding beim Modehändler Peek & Cloppenburg in Wien. „Wir legen viel Wert auf den persönlichen Kontakt mit Interessenten.“
Spaßveranstaltung in der Messehalle
Jobangebote, die die Aussteller mit auf die Veranstaltungen nehmen und den Messebesuchern schmackhaft machen können, gibt es einige. Im ersten Quartal 2023 hatten Österreichs Unternehmen nach Angaben von Statistik Austria insgesamt 228.000 offene Stellen gemeldet, deutlich mehr als die rund 124.000 Stellenangebote im Vergleichszeitraum des Corona-Jahres 2021. Mehr als 40 Prozent der Jobs versprechen ein monatliches Bruttogehalt von mindestens 2.400 Euro. Vor allem Wirtschafts- und Technikstudierende tauchen im Zielfernrohr der Aussteller auf, aber auch für Geistes-, Naturwissenschaftler und Juristen sind Positionen frei.

Trockene Stellenbeschreibungen, die auf eine Pinnwand geklebt werden, locken indes keine Massen mehr aufs Messegelände. So mancher Absolvent fragt sich: Warum die strapaziöse Anreise auf mich nehmen, wenn ich mit wenigen Klicks im Internet nach Arbeitgebern und Stellenangeboten forschen – und mich mit zwei, drei weiteren Klicks direkt bewerben kann? Manche Veranstalter scheinen das Problem erkannt zu haben und überarbeiten ihre Konzepte. Die Career Calling etwa, die sich als „Österreichs größte Karrieremesse“ vermarktet, kombiniert heuer eine Präsenzmesse vor Ort mit einem digitalen Event. Am 11. Oktober 2023 lernen Besucher die Arbeitgeber vor Ort in der Messe Wien kennen. Daran schließen sich vom 12. bis 25. Oktober Digitaltage an, an denen Interessierte mit den Unternehmen chatten oder Vorträgen lauschen können. Neue Wege gehen auch Universität Wien und WU Wien, die zusammen die „Lange Nacht der Unternehmen“ auf die Beine stellen. Studierende und Absolventen fahren abends mit dem Shuttle-Bus durch die Hauptstadt, werden von den Unternehmen zur Tür hereingebeten und können anschließend im Club abfeiern. Andere Jobmessen setzen verstärkt auf Gastredner oder Speed-Dating-Formate, bieten Services wie Bewerbungstrainings und Fotoshootings an.
„An unserem Messestand kommt man mit aktuellen Trainees und Praktikanten ins Gespräch, die ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern können“, so Julia Nessler. „Interessenten gewinnen dadurch Einblicke ins Unternehmen, die sie im Internet so nicht bekommen hätten.“ Ob man mit den Kollegen in spe gut klarkomme und menschlich auf einer Wellenlänge liege, lasse sich nur durch ein Kennernlernen herausfinden, nicht durch Kununu. „Ein Gespräch auf einer Jobmesse ist unverfänglich und ungezwungen, das ist das Schöne daran. Es ist kein Bewerbungsgespräch. Es ist ein kleiner Plausch, ein gegenseitiger Austausch auf Augenhöhe“, meint Nessler und ergänzt: „Am schönsten ist es, wenn die Besucher aktiv auf uns zukommen. Wir freuen uns über jede Frage oder Anmerkung.“
Die HR-Expertin hat sogar einen Geheimtipp auf Lager. Wenn sich jemand, der schon online eine Bewerbung im Unternehmen eingereicht habe, noch die Mühe mache und aktiv an den Messestand herantrete, um sein Interesse an Firma und Stelle persönlich zum Ausdruck zu bringen, dann würden intern die Daumen hochgehalten. „Das finden wir äußerst positiv“, so Nessler. Eine kleine Geste, mit der Kandidaten ihre Bewerbung mächtig aufwerten, ihr vielleicht sogar zum Durchbruch verhelfen.

Dicke Bewerbungsmappen in den Rucksack stecken muss vor dem Messebesuch im Übrigen niemand. Peek & Cloppenburg etwa nimmt schon aus Datenschutzgründen keine Bewerbungen am Messestand entgegen. Als erster Bewerberkanal hat sich das Internet durchgesetzt. Logisch, dass sich die Unternehmen immer digitaler aufstellen, in die sozialen Netzwerke hineinspringen, immer aggressiver im Netz nach Kandidaten Ausschau halten – eine Entwicklung, die sich durch Corona noch weiter beschleunigt hat. „Nichts geht über ein persönliches Gespräch“, findet Julia Nessler dennoch: „Umso schöner, dass es jetzt auch wieder vor Ort stattfinden kann.“
9 Tipps für deinen Messebesuch
1) Tasche
Ich packe meinen Koffer und nehme mit … Lebenslauf, Visitenkarten, Notizblock und Stift, Handy und Ticket, Wasser und Snacks.
2) Anreise
Ist die Hinfahrt stressig, sind Energie und Motivation bei der Ankunft schon wieder weg. Besser vorher die Route planen und tiefenentspannt ankommen.
3) Fragen
Jobmesse ist wie Tinder — du willst ein Match. Ob ein Arbeitgeber deine Erwartungen erfüllen kann, findest du durch zielgerichtete Fragen heraus. Vorher überlegen!
4) Outfit
Niemand muss im Maßanzug auflaufen. In Jogginghose aber ebensowenig. Für den ersten Eindruck gibt es bekanntlich keine zweite Chance.
5) Zeitplan
Notiere dir schon im Vorfeld die Unternehmen und Vorträge, die dich ansprechen. Der Zeitplan ist dein Messe-Kompass.
6) Freiraum
Überfrachte deinen Terminkalender aber nicht. Freiraum lassen für spontane Eindrücke und Gespräche — und den Gang zum Food-Truck!
7) Netz
Wer den Messe-Influencer mimen will, lädt Fotos und Kommentare in die sozialen Medien hoch. Erregt Aufmerksamkeit — auch bei Arbeitgebern.
8) Team
Suche dir Gleichgesinnte, mit denen du die Jobmesse im Zweier-, Dreier- oder Viererpack besuchst — das bringt dir null Vorteile, aber Fun.
9) Dank
Ein kleines Dankeschön im Nachgang kommt gut an — und beschert dir vielleicht sogar ein Vorstellungsgespräch. Einfach E-Mail oder Nachricht über Xing oder LinkedIn senden.









